Archive for the 'Kurz erklärt' Category

Kurz erklärt: Pepperoni

März 21, 2007

Einer der gefährlichsten falschen Freunde ist das Wort pepperoni, das in den USA eine würzige Salami-Art mit italienischen Wurzeln beschreibt, keine Paprika-Schote (dt. „Peperoni“). Das ist besonders bei Pizza wichtig, denn die pepperoni pizza ist in Amerika mit 36 Prozent der Bestellungen die mit Abstand beliebteste Sorte. Entsprechend lange Gesichter machen Amerikaner, wenn sie in Deutschland eine „Peperoni-Pizza“ bestellt haben und einen Haufen Gemüse vorgesetzt bekommen.

Kurz erklärt: Truth in sentencing

Februar 13, 2007

Truth in sentencing (TIS) bezeichnet in den USA das Prinzip, dass die tatsächlich abgesessene Haftstrafe eines Gefangenen etwas mit der Strafe zu tun haben soll, zu der er verurteilt wurde. Hintergrund ist die Unzufriedenheit vieler Bürger damit, dass selbst Schwerverbrecher zum Teil bereits nach einem Drittel der eigentlichen Haftzeit wieder entlassen wurden.

TIS-Gesetze wurden erstmals 1984 vom Bundesstaat Washington [PDF] erlassen, 2004 gab es sie in mindestens 30 Staaten. Meist müssen mindestens 85 Prozent der Strafe abgesessen werden, der verbliebene Teil ist auf Bewährung. In einigen Fällen wurden die Gesetze durch Volksentscheide eingeführt. Auch die Regierung Clinton unterstütze die Maßnahmen.

Kritiker bemängeln die Kosten der Programme und einen Anstieg der Gefangenenzahlen. Da über Straferlasse nun meist Gerichte und nicht mehr parole boards entscheiden, müssen mehr Richter angestellt werden. Zudem sollen die Gesetze den Gefangenen jede Motivation zu gutem Verhalten nehmen.

Befürworter weisen auf fallende Verbrechensraten [PDF] in den USA hin und machen dafür auch TIS-Gesetze verantwortlich. Zudem werde das Vertrauen des Bürgers in die Justiz als Ganzes gestärkt und das System für alle Beteiligten transparenter.

Ähnliche Vorschriften gibt es in Australien [PDF]. In Neuseeland wurde die Einführung empfohlen. In Kanada versprachen die Konservativen die Einführung von TIS-Gesetzen vor der Wahl [PDF] 2006 und entsprechende Entwürfe liegen dem Parlament vor. In Großbritannien gibt es eine lebhafte Debatte über eine Einführung.

Kurz erklärt: Die Fähnchen am Briefkasten

Februar 10, 2007

Besonders in Vororten und in ländlichen Gegenden sieht man an den Briefkästen von amerikanischen Häusern kleine Fähnchen [JPG]. Sind sie hochgestellt, ist das ein Zeichen für den Briefträger, dass dort ein Brief wartet, den er bitte mitnehmen soll. Es gibt zahlreiche Varianten des Fähnchens, aber die Idee dahinter ist immer gleich: Warum soll der Briefträger nur Briefe austeilen? Schließlich fährt er anschließend zur Post zurück und kann dann die (bitte immer korrekt frankierte) Post gleich mitnehmen.

An dieser Stelle kommt meist die Frage: Klaut denn keiner die Briefe? Nicht mehr als sonst, ist vielleicht die beste Antwort, denn diese Art von Briefkästen sind nicht gesichert. Wer wirklich etwas klauen will, kann einfach dem Briefträger hinterherfahren und gucken, wo er etwas abliefert. Post zu klauen ruft allerdings die Bundesbehörden auf den Plan, wobei die auch lasch geworden sind: 1792 gab es noch für den Diebstahl von Briefen die Todesstrafe.

Übrigens gibt es nicht nur Varianten bei den Fähnchen, sondern auch bei den Briefkästen. Hey, jeder hat ein Hobby …

(Danke an den Ehrenwerten Vater für Hinweise zur Praxis)

Kurz erklärt: XYZ

Januar 19, 2007

Wenn wir uns schon im hinteren Teil des Alphabets herumtreiben: Mit einem zugemurmelten „XYZ“ kann man Amerikaner dazu bringen, sich ihren Hosenstall anzuschauen, denn das ist eine Abkürzung für examine your zipper.

Und da dies der 100. Eintrag dieses Blogs ist – META-Einträge nicht mitgerechnet – bleibt er zur Feier des Tages besonders kurz.

Kurz erklärt: Der Eid des Präsidenten

Januar 12, 2007

Nachdem wir den Eid der Kongressmitglieder vorgestellt haben, sollten wir uns der Vollständigkeit halber auch den Spruch des Präsidenten anschauen. Der ist wesentlich kürzer und im Wortlaut in der Verfassung festgelegt, so dass der Kongress nicht so einfach damit herumspielen kann:

I do solemnly swear (or affirm) that I will faithfully execute the Office of President of the United States, and will to the best of my Ability, preserve, protect and defend the Constitution of the United States.

Der aufmerksame Leser merkt sofort, dass am Ende vier Wörter fehlen: So help me God. Tatsächlich ist dieser Zusatz freiwillig und wird wegen der oben besprochenen Trennung von Kirche und Staat nicht einmal vorgeschlagen. Sagen tun es trotzdem alle.

Beim Eid legt der Präsident zwar auch meist eine Hand auf die Bibel (bislang waren es nur Christen), aber auch das ist freiwillig. Theodore Roosevelt verzichtete 1901 darauf.

Kurz erklärt: XOXO unter Briefen

Januar 8, 2007

Wer über die Feiertage einen Brief oder eine E-Mail von einem Amerikaner bekommen hat, findet vielleicht eine Serie von Zeichen wie „XO“, „XOXO“ oder sogar „XOXOXO“ am Ende. Das sind hugs and kisses, wobei es einen gewissen Gelehrtenstreit darüber gibt, was die Küsse und was die Umarmungen sind. Man findet diese Symbolik auch in anderer Form.

(Nach einem Vorschlag von SH, vielen Dank)

Kurz erklärt: Heim- und Auswärtsspiele

Dezember 27, 2006

In den USA wird bei der Auflistung von Football-Spielen die Gastmannschaft zuerst genannt, genau gegensätzlich also zur Reihenfolge beim Fußball. Das gilt als höflich. Wenn es also „Arizona 26, San Francisco 20“ heißt, dann ist das nicht nur wohlverdient, sondern bedeutet auch, dass die 49ers vor den eigenen Zuschauern von den Cardinals gedemütigt wurden. So muss das sein.

Kurz erklärt: Astroturfing

Dezember 15, 2006

In einem Staat mit einer direkten Demokratie wie den USA kommt Bürgerbewegungen – grass-root movements – eine besondere Bedeutung zu: Sie können sehr schnell sehr viel bewegen. Das macht sie aber auch für Lobbyisten und PR-Leute interessanter. Daher gibt es regelmäßig Versuche, solche Bewegungen künstlich anzustoßen oder komplett zu fälschen. In Anlehnung an die „Graswurzelbewegung“ spricht man von einer „Kunstrasenbewegung“, auf Englisch astroturfing nach der bekanntesten Marke, AstroTurf.

Kunstrasen wird übrigens beim American Football nicht mehr verwendet, seit 2005 nicht mehr. Der Streit darüber, ob es wirklich mehr Verletzungen gab oder nicht, war am Ende gar nicht Ausschlag gebend: Schlamm ist einfach schöner.

Kurz erklärt: Der Sherman Pledge

Dezember 10, 2006

Nach den Kongresswahlen gibt es in Washington nur noch ein Thema: Wer wird 2008 für die Nachfolge von Präsident George W. Bush kandidieren? Um das herauszufinden gehen amerikanische Journalisten von Politiker zu Politiker, halten ihm oder ihr vor laufender Kamera ein Mikrofon ins Gesicht und fordern sie auf, etwas namens the Sherman pledge abzugeben.

Dieser „Eid“ geht auf den Bürgerkriegs-General William Tecumseh Sherman zurück, der vor der Wahl von 1884 auf diese Frage mit folgendem Satz antwortete:

If drafted, I will not run; if nominated, I will not accept; if elected, I will not serve.

Zu den potenziellen Kandidaten für 2008, die den Eid abgelegt haben, gehört Vize-Präsident Dick Cheney. Nur um sicher zu sein, dass man ihn verstanden hatte, fügte er auch ein hell no hinzu.

Noch interessanter ist natürlich, wer sich bislang trotz direkter Fragen darum gedrückt hat: Ex-Vizepräsident Al Gore und das derzeit wohl beliebteste Mitglied im Kabinett von Bush, Außenministerin Condoleezza Rice. Beide haben zwar erklärt, dass sie nicht vor haben zu kandidieren, aber irgendwie will ihnen der Sherman Pledge doch nicht über die Lippen kommen. Gore begründet das so:

I haven’t made a Shermanesque statement because it just seems odd to do so.

Wenn das nicht überzeugend ist.

Kurz erklärt: Butter

November 1, 2006

Butter ist in den USA, wenn nichts anderes auf der Packung steht, gesalzen. Ungesalzene Butter kriegt man (inzwischen) zwar in den meisten Supermärkten, sie ist aber teurer. Das ist wichtig, wenn man die Schönste Germanin ist und für die neuen US-Verwandten einen echten deutschen Marmorkuchen backen will und der amerikanische Gatte, also dieser Autor, mal wieder nicht mitgedacht hat. Marmorkuchen mit Salzbutter schmeckt übrigens irgendwie afrikanisch.

Die Salzbutter erklärt auch das schon beschriebene Fehlen der germanischen Zwangshandlung, auf jede Scheibe Brot sofort Butter oder Margarine zu schmieren: Einige Dinge wie Honig schmecken einfach komisch mit Salzbutter. Allgemein essen die Amerikaner ohnehin immer weniger Butter.

Wie haben die Verwandten den afrikanischen echt-deutschen Marmorkuchen aufgenommen? Sie habe ihn gelobt, natürlich. Richtig begeistert waren sie allerdings ein Jahr später, als es die Version mit unsalted butter gab…