Archive for the 'Kurz erklärt' Category

Kurz erklärt: Pinkeln in Public

November 18, 2007

I remember, having lived in Germany for 7 years, that German men would take a piss anywhere.

– Aaron auf Blogmeister USA

Amerikaner pinkeln nicht in der Öffentlichkeit. Es gilt als unhygienisch und als Zeichen einer schlechten Kinderstube, schon seit jeher. Entsprechend verstört reagieren sie bei ihrem ersten längeren deutschen Stau, beim Nachhauseweg von einem Fußballspiel oder wenn sie an einem Samstagabend in Berlin an der Nordseite des Bahnhofs Friedrichstraße vorbeikommen. Der Hinweis, dass deutsche Frauen darüber auch entsetzt sind und dass es (Experten zufolge) auch in Frankreich, Spanien und Tschechien so üblich ist, beruhigt sie nicht. Gepinkelt wird da, wo niemand einen sieht.

Nun kann man sich alle möglichen Gründe für diesen Unterschied überlegen, angefangen bei der Bevölkerungsdichte. Amerikaner entwickeln schnell eine eigene Theorie: Klofrauen (und Klomänner). But I did it all myself! ist eine häufige, wenn auch selten ausgesprochene Reaktion darauf, ständig Kleingeld für’s Pinkeln bezahlen zu müssen: Auch das ist in den USA unbekannt.

Kurz erklärt: Der Spruch zur Zeitumstellung

Oktober 27, 2007

Beim Ungenannten Arbeitgeber kamen wir am Freitag auf die Zeitumstellung zu sprechen. Bekanntlich findet sie in Europa an diesem Wochenende statt, in den USA dagegen in einer Woche. Dann muss man die Uhren, nun, also …

Der Chef dieses Autors sagte an dieser Stelle mit großer Überzeugung: Zurückstellen. Die Uhren werden zum Ende der Sommerzeit um eine Stunde zurückgestellt. Das könne er sich allerdings auch nur merken, so der studierte Amerikanist, weil die Amerikaner ja diesen coolen Spruch haben.

Äh, sagte dieser Autor, der sich nie merken kann, wie wann umgestellt wird und erst recht keinen coolen Spruch dazu kennt. So was haben die?

Ja, natürlich, sagte der Chef: Spring forward and fall back. Der „Sprung nach vorne“ enthalte spring für den Frühling und der „Rückzug“ fall als Herbst. Völlig klar: Im Frühling werden die Uhren eine Stunde vorgestellt, im Herbst eine Stunde zurück.

Das ist wirklich ein guter Spruch, sagte dieser Autor. Was die Amis nicht alles wissen.

Kurz erklärt: Der Duck Test

Oktober 25, 2007

Vor langer, langer Zeit hatten wir den duck test erwähnt, aber nicht erklärt.

Der „Ententest“ geht etwa so: Wenn es aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie Ente, ist es wahrscheinlich eine Ente – egal ob jemand sagt, es sei ein Schwan. Anders formuliert: Die Dinge sind tatsächlich so, wie sie scheinen, nicht wie jemand sie haben will.

Man kann die Sache auch umdrehen: It doesn’t pass the duck test bedeutet, dass die Kerneigenschaften fehlen. Wenn es nicht aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente oder quakt wie eine Ente, kann es keine Ente sein.

Der Duck Test ist in den USA ein, äh, geflügeltes Wort. Es wird benutzt, wenn es um die Souveränität des Irak, Blasen am amerikanischen Häusermarkt oder um die Frage geht, ob 28 Days Later wirklich ein Zombie-Film ist.

Die Fernsehserie 24 zeigt uns schließlich, dass es auch Ausnahmen zum Duck Test gibt:

If it tastes like chicken, looks like chicken, and feels like chicken, but Jack Bauer says its beef, then it’s beef.

So viel zum Hühnchengeschmack.

Kurz erklärt: Slow Cooker (Crockpot)

Oktober 7, 2007

Ein in Deutschland offenbar unbekanntes Küchengerät ist der slow cooker, auch crockpot genannt. Es handelt sich um einen ovalen Elektrokochtopf, der einen Keramikeinsatz enthält, der von allen Seiten aufgeheizt wird. Wie der Name sagt, geschieht das sehr, sehr langsam – so langsam, dass man alles hineinwerfen und zur Arbeit fahren oder die günstigeren nächtlichen Strompreise ausnutzen kann. Oder wie die Werbung es formuliert: Cooks all day while the cook’s away. Die Temperatur ist entsprechend niedrig und der ganze Vorgang schonend.

Bei der Geschichte des Slow Cookers fängt man gerne bei den Indianern an, die zähe Wurzeln in Erdlöchern gekocht haben sollen. Die moderne Version stammt aus den 70er Jahren von der Rival Company. Der Umsatz erreichte 1981 etwa 30 Millionen Dollar.

Die Beliebtheit des Slow Cookers ist dabei gewissen Moden unterworfen. Ein Zeit lang als unendlich spießig verschrien, erlebt er gerade wieder eine Blüte. Die Schönste Germanin, die Kochbücher studiert wie andere Leute Buffy-Folgen, berichtet, dass man sich im Moment vor Rezepten nicht retten kann.

Eines davon ist für Bavarian Pot Roast, was echte Bayern überraschen dürfte, besonders wegen des vielen Ingwers. „Cook on a LOW for 9 to 12 hours“ steht in der Anleitung – so viel zum Thema Fast-Food.

Kurz erklärt: Amerikanische Schulnoten

Juni 30, 2007

Wir werden im nächsten ZEUGS-Eintrag darauf hinweisen, dass es für das jetzige Design der US-Fahne ursprünglich nur die Note „B Minus“ gab (wieso es überhaupt benotet wurde, verraten wir natürlich noch nicht, sonst wäre die ganze Spannung weg). Dem Autor ist aber eingefallen, dass das vielleicht einigen interessierten Lesern nicht so viel sagen wird.

Deswegen stellen wir vorher noch schnell das gebräuchlichste System für Schulnoten in den USA vor: Verwendet werden die fünf Buchstaben von A bis F, wobei A am besten ist.

(Pause)

Richtig, sehr gut erkannt: Ein Buchstabe fehlt, nämlich das E. Tatsächlich sind nur A bis D Noten, mit denen man besteht. Das F steht für fail. Bei A bis D kann es noch ein Plus oder ein Minus geben.

Offenbar gilt das System auch in anderen Staaten wie Kanada. Allerdings scheint dort niemand jemals den Entwurf der Fahne benotet zu haben, und deswegen muss uns das nicht weiter interessieren.

Kurz erklärt: Wo kommen die ganzen Kaukasier her?

Juni 11, 2007

Die interessierte Leserin A macht uns auf ein Phänomen aufmerksam, das Europäer immer wieder verwirrt: Dass Weiße in den USA in einigen Formularen caucasians genannt werden. Haben die Amis noch nie einen echten Kaukasier gesehen?

Schuld ist, ohne jemanden hier zu nahe treten zu wollen, ein Deutscher. Der Göttinger Anatom Johann Friedrich Blumenbach schlug 1795 vor, die Menschheit in fünf Rassen aufzuteilen. Für die Weißen nahm er den Begriff „Kaukasier“. In den USA hielt dieser sich länger, und dieser Autor würde tatsächlich raten, dass es daran liegt, dass dort nicht so viele echte Kaukasier herumlaufen.

Bei der Volkszählung wird inzwischen von whites gesprochen.

Kurz erklärt: Going Postal

Mai 30, 2007

Einer der Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett trägt im Original den Titel Going Postal. Das bezieht sich einmal auf den Inhalt: Der Betrüger Moist Van Lipwig wird von Lord Vetinari, äh, überredet, den Postdienst von Ankh-Morpork wieder aufzumachen. Es hat aber noch eine andere Bedeutung: Dass man durchdreht und einen Amoklauf hinlegt.

(Der Begriff taucht natürlich auch bei Buffy auf und zwar in Staffel 2, Episode 12 „Bad Eggs“, wo unsere Heldin von einem Ei angegriffen wird: „My egg, it went postal on me!“ Aber das ist selbst diesem Autor etwas zu albern, daher bleiben wir bei Pratchett.)

Hintergrund ist eine Serie von Morden Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre in Einrichtungen der amerikanischen Post:

From 1983 to 1993, there were 11 murderous rampages in U.S. post offices. On August 20, 1986, the worst of these incidents took place in Edmond, Oklahoma. Pat Sherrill, who was about to be fired, killed 14 mail workers, wounded another five, and then shot himself to death as the SWAT team arrived.

Die United States Postal Service weist zwar darauf hin, dass ihre Angestellten nicht häufiger ausrasten als andere Arbeiter. Aber es ist längst zu spät: Der Begriff ist Teil der amerikanischen Populärkultur geworden (die Wikipedia führt Buch über Anspielungen) – so sehr sogar, dass ihn selbst britische Fantasy-Autoren als bekannt voraussetzen.

(Nach einem Vorschlag von FM, vielen Dank)

Kurz erklärt: Geburtstage vorfeiern

Mai 23, 2007

Die sehr gute Bekannte SHB hatte gestern Geburtstag. Dieser Autor musste leider die Glückwünsche über die Schönste Germanin ausrichten lassen, was doof ist. Sorry.

Wir nehmen das zum Anlass, in ihrem Namen auf einen kleinen aber oft verstörenden kulturellen Unterschied aufmerksam zu machen: In den USA kann man den Geburtstag Tage, sogar Wochen, vorher feiern, wenn es besser passt. Das bringt in Amerika kein Unglück.

In Deutschland schon. Also, angeblich. Deswegen gucken Deutsche sehr gequält, wenn die Amerikaner bei solchen Gelegenheiten fröhlich happy birthday singen, Torte schneiden und Geschenke auspacken und sich gar nicht darum scheren, dass es noch gar nicht so weit ist. Das musste die Schönste Germanin schon drei Mal über sich ergehen lassen.

Ihr Rat: Tapfer lächeln.

Kurz erklärt: Chop Suey

April 25, 2007

Mit großer Belustigung liest dieser Autor immer den Menü-Eintrag zu Chop Suey in deutschen China-Restaurants: Oft genug wird das Gemisch aus Fleisch und Gemüse als „traditionelles chinesisches Gericht“ angeboten. Tatsächlich stammt es wohl von Chinesen, aber amerikanischen, weswegen es zur „chinesisch-amerikanischen“ Küche gehört. Chop Suey kommt also aus den USA.

Die genauen Ursprünge sind nicht bekannt, die Entstehungszeit liegt aber wohl in den 1860ern. Vermutlich war es ein Gericht von armen chinesischen Arbeitern. Nachweislich falsch ist die Geschichte, dass es 1896 von dem Koch des chinesischen Botschafters Li Hung Chang erfunden wurde, denn das Wort ist bereits 1888 im Oxford English Dictionary zu finden.

(Nach einem Vorschlag von SH, vielen Dank)

Kurz erklärt: Punkte und Anführungszeichen

April 6, 2007

Ist irgendjemanden etwas an dem Xander-Zitat im letzten Eintrag aufgefallen? Schauen wir uns die Stelle nochmal an:

“Xander.” Renee, I told you, it’s “Xander.” Or “Sergeant Fury.”

Im zweiten und dritten Satz ist der Punkt innerhalb des Teilzitates, nicht außerhalb, wo man ihn im Deutschen setzen würde. Das ist kein Tippfehler: In den USA ist das üblich. Auch ein Komma kommt in so einem Fall in der Regel innerhalb der Anführungszeichen. Bei Kommata ist das in Großbritannien ebenfalls die gängige Praxis, nicht aber beim Punkt, der meist außerhalb der Anführungsstriche gesetzt wird.

„Üblich“, „in der Regel“, „gängige Praxis“ und „meist“ schreiben wir deswegen, weil es mal wieder keine einheitliche Vorgehensweise gibt, auch wenn der Englischlehrer einem das so vorgegaukelt haben mag. Man findet durchaus, dass Komma und Punkt wie in Deutschland gesetzt werden, also außerhalb des Teilzitates. Entscheidend ist der styleguide, nach dem sich das Medium richtet – wie immer.