Archive for März, 2014

Wie der Zwergplanet „Biden“ seinen (vorläufigen) Namen bekam

März 27, 2014

Wissenschaftler haben einen neuen Zwergplaneten entdeckt, ziemlich weit draußen, dort, wo es richtig kalt ist. Und wer die Presse verfolgt hat, wird mitgekriegt haben, dass er den provisorischen Namen „Biden“ träg, nach US-Vizepräsident Joe Biden.

Nichts für Ungut, Joe, aber ist das nicht etwas viel der Ehre?

Tatsächlich liegt die Sache etwas anders. Ein Bericht in Scientific American macht klar — zumindest für Angelsachsen — woher der Spitzname kommt:

The newfound object’s official name is 2012 VP113, but the discovery team calls it VP for short, or just „Biden“ — after US Vice-President Joe Biden.

Von der sperrigen offiziellen Bezeichnung „2012 VP113“ leitet sich zwanglos die Kurzform „VP“ ab, was halt die gängige Abkürzung für vice president ist (gerne auch veepee oder noch kürzer veep genannt). Da der jetzige Vizepräsident Biden heißt, bietet sich das als Rufnahme an.

Es hat also nicht wirklich etwas mit einer Ehrung für den Mann als solchen zu tun. In einem alternativen Universum würde der Zwergplanet jetzt „Palin“ genannt und alle würden Witze darüber reißen, dass man von ihm aus Russland sehen kann.

Trotzdem, man wird den Eindruck nicht los, dass die Entdecker hier eine Gelegenheit für wahre Größe verpasst haben. Weltraumfans erinnern sich: Als 2005 ein anderer Zwergplanet entdeckt wurde, gab man ihm zunächst den Rufnamen „Xena“, nach der Kriegerprinzessin. Die humorlosen Planeten-Bürokraten änderten das später zwar in Eris. Aber eine Anspielung blieb: Der Mond von Xena Eris heißt „Dysnomia“, nach einer Dämonin-Göttin der Gesetzlosigkeit. Und wie heißt die Schauspielerin, die Xena in der Fernsehserie spielte? Genau, Lucy Lawless. So muss das.

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Wenn Amerikaner auf ihr Schiff warten

März 22, 2014

Wer den umfassenden Bericht der New York Times zu den jüngsten Erkenntnissen zum Urknall gelesen hat, dem wird vielleicht eine ungewöhnliche Formulierung aufgefallen sein:

On Monday, Dr. [Alan] Guth’s starship came in.

Das ist offensichtlich nicht wörtlich zu nehmen, denn ein Raumschiff ist nicht gelandet. Vermutlich besitzt Guth auch keins, denn er ist Physiker. Und warum heißt es came in und nicht landed, wie es normalerweise bei Raumschiffen heißt? Abgesehen davon, was soll das überhaupt bedeuten?

Wer anlässlich des Veronica MarsKinofilms die Serie nochmal geguckt hat, ist jetzt klar im Vorteil. Denn in der Folge „Ain’t No Magic Mountain High Enough“ der zweiten Staffel sagt eine Lehrerin:

One of these days, my ship is going to come in and I will not have to deal with this nonsense.

Das mit dem Rauschiff ist also ein Witz. Eigentlich get es um normale Schiffe, und come in heißt „in den Hafen einlaufen“.

Genauer gesagt geht es um Handelsschiffe, deren Ladung gelöscht wird und die Besitzer auf einen Schlag so reicht macht, dass sie ihre normalen Jobs kündigen können und sich (zum Beispiel) nicht mehr mit rotznäsigen Schülern herumschlagen müssen.

(Eine modernere Formulierung würde vermutlich den Begriff fuck you money verwenden. Aber wir hatten schon gesehen, dass Veronica Mars wie Shakespeare mit derber Sprache umgeht.)

Es gibt einen Sonderfall: Man heißt Bob Dylan. Dann geht es bei dem Schiff nicht um den eigenen Reichtum, sondern um soziale Gerechtigkeit:

Then they’ll raise their hands
Sayin’ we’ll meet all your demands
But we’ll shout from the bow your days are numbered
And like Pharoah’s tribe
They’ll be drownded in the tide
And like Goliath, they’ll be conquered

Damit hätten wir es geschafft, uns vom Urknall zur Dreigroschenoper zu hangeln. Das reicht für ein Wochenende: Dieser Autor geht jetzt bei Diablo 3 Zombies mit Meteoren töten. Das knallt auch [YouTube].

ZEUGS: Viele Schaubilder, einige Reise-Tips und zu wenige kanadische Pornos

März 12, 2014

ZEUGS: Viele Schaubilder, einige Reise-Tips und zu wenige kanadischen Pornos

  • Zum extremeren Klima in den USA: Eine Gruppe von Physikern will das Problem mit den Tornados für immer lösen und zwar durch gläserne Riesenmauern quer durch das Land.

    The barriers – 300m (980ft) high and up to 100 miles long – would act like hill ranges, softening winds before twisters can form.

    Kritiker halten das für „nicht durchdacht“. Allerdings muss man festhalten: Als die Berliner Mauer stand, gab es dort nicht einen einzigen schweren Tornado.

  • Zu Amerika für Japaner: Die Ehrenwerte Mutter verweist auf eine Liste von Ratschlägen, die Japaner sich gegenseitig vor Reisen in die USA geben.

    In the U.S., they do not have a sense of superiority if they are able to drink a large amount. Rather, if you drink a lot, there is a sense that you cannot manage yourself.

    Der Text ist offensichtlich mit Hilfe von Google Translate erstellt worden.

  • Zu dicken Amerikanern: Die Zahl der übergewichtigen amerikanischen Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren ist im vergangenen Jahrzehnt um 43 Prozent zurückgegangen. Niemand weiß warum.
  • Zum Wachstum der USA, diesmal nicht die Gürtellinie: Weil es so viel Spaß macht, ein interaktives Schaubild wie die einzelnen Bundesstaaten sich entwickelt haben. Via io9.
  • Zum Bürgerkrieg: Der tapfere Versuch, den ganzen Konflikt in ein Schaubild zu pressen.
  • Zu Latein und anderen Einflüssen auf die englische Sprache: Ein weiteres Schaubild, diesmal interaktiv.

    Compare, for instance, how the input from German has grown and then declined again from 1800 to the present day.

    Der Autor weist allerdings darauf hin, dass es qualitative Unterschiede gibt: Die Wikinger haben zwar weniger Wörter hinterlassen, aber dafür sehr bedeutende wie they, their und them.

  • Zu prüden Amerikanern: Wer glaubt, Deutschland hat Probleme mit dem sogenannten Kulturimperialismus, sollte Mitleid mit den armen Kanadiern haben: Deren TV-Aufsicht CRTC hat einige Erwachsenen-Sender getadelt, weil sie zu wenige einheimische Pornos zeigen. Kein Scherz.

    [T]he CRTC issued a broadcast notice saying AOV Adult Movie Channel, XXX Action Clips and the gay-oriented Maleflixxx were all failing to reach the required 35% threshold for Canadian content.

    Dieser Autor konnte leider nicht herausfinden, wie hoch die Quote in Deutschland ist.