Warum Allen Funt keinen Spaß bei der Übersetzung versteht

Januar 6, 2014

Kind Nummer Eins ist endlich, endlich alt genug um wenigstens einige ausgewählte Folgen von Buffy the Vampire Slayer zu gucken, wenn auch nur zusammen mit einem Elternteil. Selbst dann müssen alle Episoden vorher zur Sicherheit gesichtet werden, denn man vergisst schon einige Details, wenn man eine Serie nur acht oder neun Mal gesehen hat. Dieser Autor nimmt der Schönsten Germanin diese fürchterliche Arbeit natürlich heldenmutig ab.

Leider gehört „Tabula Rasa“ zu den Folgen, auf die der Nachwuchs noch verzichten muss. Das ist doof, nicht nur weil sie eine der besten überhaupt ist, sondern weil man damit gut einige grundsätzliche Unterschiede zum Leben in Deutschland erklären kann.

Das haben wir hier schon erledigt, daher tragen wir jetzt nur ein Detail nach. Als alle ohne Gedächtnis herumstehen und sich überlegen, was passiert sein könnte, sagt Anya:

[I] don’t see Allen Funt.

Giles schaut sie verwirrt an und stellt die Frage, die sich auch der gemeine deutsche Fernsehzuschauer stellen dürfte: Who?

Allen Funt war der Erfinder der Fernsehsendung Candid Camera, die in Deutschland als Versehen Sie Spaß läuft. Ganz ursprünglich war es eine Radiosendung, 1948 wechselte sie ins Fernsehen. Der britische Ableger begann 1960 unter der Leitung von David Nixon. Daher kann Giles mit dem Namen Funt auch nichts anfangen.

Die Buffy-Synchronisatoren gehen an dieser Stelle wieder ganz eigene Wege, vermutlich weil man Frank Elstner nicht in eine US-Serie stecken wollte (oder sie hatten den Auftrag, auf keinen Fall einen Konkurrenz-Sender zu erwähnen). Anya befasst sich in der deutschen Version weiter mit der Theorie, dass sie alle betrunken waren und stellt fest, dass sie „keine Elefanten“ sieht. Schlimm genug. Aber dazu wird noch aus Giles‘ sehr britischem und hörbar gebildetem „Who?“ ein selten dämliches „Äh?“, das überhaupt nicht zu seinem Charakter passt. Hier wird erneut die Sprachebene völlig verfehlt.

Dem interessierten Leser sei versichert, dass die Bildung von Kind Nummer Eins auch auf konventionelleren Wegen fortschreitet. Am Wochenende gab es im Hause Stevenson eine längere Diskussion über den Sinn von Umgehungsstraßen und galaktischen Hyperraum-Expressrouten. Auf der Grundlage des Original-BBC-Hörspiels, versteht sich.

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