Archive for November, 2013

META Podiumsdiskussion über Privatheit

November 27, 2013

Etwas kurz vor knapp, aber dieser Autor ist heute um 19.00 Uhr auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Privatheit in der Landesvertretung Hamburg in Berlin. Und eigentlich sollte dieser Hinweis schon vor Tagen hineingestellt werden.

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Eine neue Präposition im Englischen, weil Internet

November 20, 2013

Freudige Erregung unter den Sprachwissenschaftlern, Entsetzen bei den grammar nazis: Im Internet benutzen inzwischen so viele Leute das Wort because als Präposition — zum Beispiel because Internet, also „weil Internet“ — dass sie von einem neuen Konstrukt der englischen Sprache ausgehen. Aufgefallen war ihnen das schon vor mindestens einem Jahr, jetzt gibt es neue Erkenntnisse.

Der Hintergrund: Die „because-noun“ Konstruktion bereichert Englisch um eine kurze Formulierung, die Ironie und eine allgemeine Aussage zu einem Thema kombiniert.

I’m making grand and yet ironized claims, announcing a situation and commenting on that situation at the same time. I’m offering an explanation and rolling my eyes — and I’m able to do it with one little word.

Die Experten weisen darauf hin, dass but zwischendurch in einem begrenzten Umfang ähnlich verwendet wurde. Als Beispiel wird — natürlich — der spielerische Umgang mit dem Englischen in Buffy the Vampire Slayer aufgeführt:

I also watched a late 1990s episode of Buffy the Vampire Slayer in which the character Willow shyly asks the character Oz if he’d like to make out with her. (…) [H]e turns down her proposal. Hurt, Willow sputters, „But … freeze frame!“

(Wer Buffy nur von der deutschen Synchro kennt: Der Erfolg der TV-Serie geht nicht zuletzt auf den Wortwitz und die Sprache zurück, über die Linguisten ganze Bücher geschrieben haben. Leider leisteten die Übersetzer hier ganze Arbeit und rotzten die deutsche Version lieb- und gedankenlos (und zensiert) herunter.)

But in dieser Form kann allerdings schwieriger zu verstehen sein, wie die Formulierung It is all but certain — „Es ist praktisch sicher“ — zeigt. Because hat dieses Problem nicht.

Als direkter Vorläufer der neuen because-Variante werden die hey, because Witze aus Saturday Night Live in den 80ern diskutiert, die ein gewisses Eigenleben entwickelten. Später, so die Erklärung, wurde das hey weggelassen.

Ein Beispiel für die längere Variante wäre demnach der Witz:

If life gives you lemons, keep them, because, hey, free lemons.

Diese Anspielung auf den Spruch If life gives you lemons, make lemonade (den Portal-2-Fans in noch einer anderen Variante kennen) zeigt ebenfalls die Ironie: Die Begründung nach dem because ist schwach oder schlicht albern.

Und jetzt kommt das eigentlich Aufregende, zumindest wenn man ein Sprachwissenschaftler ist: Inzwischen ist die because-noun Konstruktion bei Kindern und Jugendlichen nachzuweisen. Allerdings fehlt dabei die Ironie.

A four-year-old liked Monster Inc. „Because the day care.“ A six-year-old chose Monsters University, „because the part where Sully has the big roar and scares all the policemen.“

Da kleine Kinder bekanntlich keine Ironie verstehen — was im Hause Stevenson schon mal zu Problemen führt — haben die Rotznasen diese Konstruktion einfach direkt in ihren Wortschatz aufgenommen. Sollte sie sich halten, würde sie langfristig wohl eine leicht andere Bedeutung bekommen.

Ja, aber wird sie sich halten? Schwer zu sagen. Slang kommt und geht bekanntlich. Vielleicht nehmen sich die Blagen später zu Herzen, dass because-noun nicht Standardsprache ist. Allerdings gibt es genug Beispiele für Formulierungen, die jetzt als (fast) normal gelten. Grammar Girl weist auf he graduated college hin, das früher ein from verlangte (und ganz früher passiv war) und jetzt nur besagten Sprachfaschisten auffällt.

In der Zwischenzeit mag der interessierte Leser darauf achten, ob ihm im Deutschen “weil Hausaufgaben” unterkommt. Weil Internet und so.

ZEUGS: Witzes Englisch, beliebte Drogen und keine Panik vor Außerirdischen

November 16, 2013

  • Zur Geschichte des Englischen: Der Ehrenplatz des ersten Eintrags geht heute an die Open University für ihr kurzes Animations-Video zur Geschichte der englischen Sprache — eine Geschichte, die offenbar nicht ohne Zombies, Katzen und dem Wort „Penis“ erklärt werden kann. Finde ich auch.
  • Zu noch mehr Geschichte, denn Wissenschaftler haben jetzt eine sehr viel bessere Vorstellungen davon, wie die Wälder Nordamerikas vor der Ankunft der Europäer aussahen. Kurz gesagt: Ganz anders.
  • Zur Geschichte der Indianer, um etwas spezifischer zu werden: Dank astronomischer Daten zu Sonnenfinsternissen wird inzwischen angenommen, dass der Irokesen-Bund am 22. August 1142 gegründet wurde. Bislang war man eher vom 15. oder 16. Jahrhundert ausgegangen.

    During a ratification council held at Ganondagan (near modern-day Victor, New York) the sky darkened in a total, or near total, eclipse. The time of day was afternoon, as Councils are held between noon and sunset. The time of year was either Second Hoeing (early July) or Green Corn (late August to early September). Thus, we must look for an eclipse path that would totally cover Ganondagan between July and September, in mid-afternoon.

    Allerdings würde auch der 18. August 909 infrage kommen.

  • Zum Justizsystem: Politico stellt eine Reihe von Vergleichen an, wie viele Amerikaner im Gefängnis sitzen:

    In 2012, there were some 1,570,000 inmates in state and federal prisons in the U.S. (…). By contrast, there were about 1,530,000 engineers in America last year, 815,000 construction workers, and 1 million high school teachers, according to the Bureau of Labor Statistics.

    Die Kreisgefängnisse sind in diesen Zahlen nicht inbegriffen. Der Artikel geht unter anderem auf Rolle der mandatory minimum sentencing Gesetze ein, die eine Mindesthaftzeit festlegen, und die Folgen der Anti-Drogen-Politik.

  • Zur Legalisierung von Drogen, denn genau diese Drogenpolitik wird zunehmend von der Bevölkerung infrage gestellt: Einer Gallup-Umfrage zufolge befürwortet eine Mehrheit der US-Bürger inzwischen die Legalisierung von Marihuana. Angesichts der Altersverteilung dürfte dieser Trend sich nur noch verstärken.
  • Zu Hinrichtungen, wenn wir beim Justizsystem sind: The Atlantic weist darauf hin, dass den Bundesstaaten mit der Todesstrafe die Zutaten für die Giftcocktails ausgehen, insbesondere weil europäische Firmen diese Substanzen nicht mehr an die USA verkaufen.
  • Zu Eiern, weil wir in diesem Blog früher oder später alles behandeln, offenbar: io9 diskutiert lang und ausführlich, warum Amerikaner im Gegensatz zum größten Teil der übrigen Welt ihre Eier im Kühlschrank aufbewahren. Dabei geht die Website auf die erstaunlichen Unterschiede bei den Lebensmittelvorschriften in den USA und Europa ein, genau rechtzeitig für die transatlantischen Handelsgespräche.
  • Zu Verschwörungstheorien, denn der Kampf gegen Unfug ist nie zuende: Wenn Slate es für notwendig hält, den Mord an John F. Kennedy noch einmal geradezurücken, wollen auch wir unsere Pflicht tun.
  • Zu Verschwörungen, nochmal: Die viel beschriebene Massenpanik in den USA nach der Ausstrahlung von Orson Welles‘ Hörspiel zu War of the World hat es nie gegeben. Zum Glück ist die Geschichte hinter dem Mythos genauso spannend: Zeitungen wie die Daily News erfanden die Panik, um das neue Medium des Radios zu diskreditieren.

    Radio had siphoned off advertising revenue from print during the Depression, badly damaging the newspaper industry. So the papers seized the opportunity presented by Welles’ program to discredit radio as a source of news.

    Meine Güte, das wäre ja fast so, als ob heute die MSM böse Dinge über Internet-Medien berichten würden. Tatsächlich lag die „Hörerquote“ bei etwa zwei Prozent. Wie wenig die Leute beeindruckt waren, sieht man auch an der fehlenden Reaktion der Behörden. Wie Slate etwas bösartig bemerkt:

    Janet Jackson’s 2004 “wardrobe malfunction” remains far more significant in the history of broadcast regulation than Orson Welles’ trickery.

Von Ringbären und anderen Aussprache-Fragen

November 10, 2013

In einer der ersten Folgen der (angeblich) letzten Staffel von How I Met Your Mother gibt es ein kleines Aussprache-Problem bezüglich der Person, die den Ring zu einer Hochzeit tragen soll: Ist sie jetzt der ring-bearer — der „Ringträger“, wie in Lord of the Rings — oder wirklich ein ring-bear, also „Ringbär“, wie die Schönste Germanin hofft? Den Machern ist zuzutrauen, dass zum Ja-Wort ein großes, gefährliches Tier auftaucht, auch wenn das bei amerikanischen Hochzeiten eher unüblich ist. Klar ist im Moment nur, dass die Übersetzer wieder weinen werden.

Uns gibt das die Gelegenheit auf eine Serie von Landkarten zurückzukommen, die wir in einem einfachen ZEUGS unter Wert verkauft haben: Joshua Katz hat die Daten aus der Harvard Dialect Study visuell aufbereitet und zeigt so sehr anschaulich die große sprachliche Kluft zwischen verschiedenen Teilen der USA. Business Insider machte sich danach den Spaß, einige zusätzlich mit schnippischen Kommentaren zu versehen:

Americans can’t even agree how to pronounce crayon.

Tatsächlich gibt es für den banalen Wachsmalstift drei Hauptvarianten bei der Aussprache: cray-ahn mit offenem Mund, cray-awn mit der zweiten Silbe wie Dawn, dem Namen von Buffys Schwester, und das einsilbige cran wie in man. Auch bei mayonnaise gibt es krasse Unterschiede, ob may-uh-naze oder man-aze.

Was nun für Europäer verwirrend sein kann: Beide Aussprachen des Gewürzmittels sind richtig. In den USA gibt es keine „Hochsprache“, also kein sprachliches Ideal wie Hochdeutsch, das alle anstreben sollen. Auch die Schreibweise des Wortes ist mehr eine Gedächtnisstütze, wie so häufig im Englischen.

Da Akzent und Aussprache nicht zur Verfügung stehen, müssen sich amerikanische Sprach-Snobs andere Wege ausdenken, um auf ihre Mitbürger herabzuschauen. Entsprechend der Eintrag hier über den geteilten Infinitiv (und über grammar nazis).

Das ist allerdings ziemlich anstrengend. Wer es sich einfacher machen will, sucht sich einen Teil des Landes aus, wo die Aussprache prägnant ist, und verachtet einfach alle Leute dort, ähnlich wie man in Norddeutschland mit den Bayern umgeht.

Die wohl klarste Grenze ist dabei die zwischen den ehemaligen Nord- und Südstaaten bei you all und y’all als Begriff für eine Gruppe von Menschen (funktioniert allerdings auch mit lawyer). Das ist hilfreich zu wissen, wenn man bei True Blood auseinander halten will, welcher Vampir von wo kommt.

Wie das mit den Ringen und Bären ist, wird leider nicht behandelt.