Yarn Bombing – Die andere Form von Graffiti

September 21, 2013

Nachdem der Bombenangriff auf Syrien wohl erstmal ausfällt, können wir endlich ein Thema ins Blog heben, dessen Name in dem Zusammenhang vielleicht etwas geschmacklos gewesen wäre: Yarn Bombing, das Einpacken von öffentlichen Dingen mit Strickwerk. Wir behandeln die auch als grandma graffiti bekannte, inzwischen weltweit verbreitete Bewegung hier im Blog, weil die Texanerin Magda Sayeg, Betreiberin des Knitta-Blogs, als ihre „Mutter“ gilt.

[Die englische Wikipedia behauptet, dass die ersten Kunstwerke 2004 in Den Helder in den Niederlanden aufgetaucht seien. Eine Quelle dafür wird nicht geboten, in der niederländischen Version steht nichts davon, die Suche im Internet liefert Kopien des englischen Eintrags.]

Eines Tages im Jahr 2005, so die Geschichte, strickte Sayeg aus Langeweile einen Überzug für die Türklinke ihres Ladens in Houston. Das jetzt „Alpha“ genannte Stück löste ungeahnte Reaktionen aus:

People got out of their cars just to come look at it.

Angestachelt von der Reaktion strickte sie weiter. Eine Bewegung wurde geboren. In Fotostrecken sieht man Panzer, Bäume und die Beine von Statuen in Wolle verpackt. Überhaupt bekommt man das Gefühl, dass Yarn Bombing ohne die Bilder der Werke im Internet nicht halb so groß geworden wäre. Die Parallelen zu den bereits behandelten Guerrilla Gardeners sind offensichtlich.

Männer machen das zwar auch, aber in den Interviews wird das Weibliche betont. Die Künstlerin Jessie Hemmons spricht davon, dass Graffiti zu sehr eine Männerdomäne sei:

Yarn bombing is more feminine. It’s like graffiti with grandma sweaters.

Bevor jemand fragt, nein, man stellt sich nicht an das Objekt und strickt dann los, sondern darf fertige Stücke mitbringen. Das kann man am Bullen der Wall Street [YouTube] sieht. Als Art Manifest der Bewegung gilt das Buch Yarn Bombing: The Art of Crochet and Knit Graffiti von Mandy Moore.

Inzwischen hat die Welle Deutschland erreicht, wie die Katernberger Strickguerilla in Essen. Womit wir das Thema wieder an die anderen Medien übergeben können.

[Nach einem Vorschlag der Ehrenwerten Mutter, vielen Dank]

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