ZEUGS: Schwule Marines, Doctor Whos Katana und Rasen-Nazis

September 24, 2011

Wir machen heute wieder ein Zeugs, einmal weil wir so viel Material haben, dann weil dieser Autor noch mit dem Hochreißen des Fußbodens im Arbeitszimmer beschäftigt ist und schließlich weil er versucht, irgendwie zwischendurch den neuen Roman von Neal Stephenson, Reamde zu lesen.

  • Zu den Marines: Wer Stephensons Cryptonomicon gelesen hat (und das sollte jeder sein), wird sich an die Ermahnung der Marines erinnern: Show some fucking adaptability! Diese Forderung nach Anpassungsfähigkeit passt zu der Reaktion auf einen Aufruf eines Homosexuellen-Zentrums in Oklahoma, das nach der Gesetzesänderung alle fünf Waffengattungen (also einschließlich der Küstenwache) einlud. Die Marines waren die einzigen, die hingingen. Das ist interessant, weil sie sich am stärksten gegen die Gleichbehandlung von Homosexuellen im Militär gewehrt hatten. Aber jetzt?

    With the law now changed, the Marines appear determined to prove that they will be better than the Army, Navy, Air Force and Coast Guard in recruiting gay, lesbian and bisexual service members.

    Offenbar haben sie sich ganz gut geschlagen.

  • Zum Bürgerkrieg: Die Zahl der Toten lag offenbar noch höher als bislang angenommen. Eine neue Schätzung auf der Grundlage der damaligen Volkszählung kommt zudem Schluss:

    [Historiker J. David] Hacker says the war’s dead numbered about 750,000, an estimate that’s 20 percent higher than the commonly cited figure of 620,000.

    Möglicherweise müsse man sogar von 850.000 Toten ausgehen, bei einer Gesamtbevölkerung von 31 Millionen. Die New York Times diskutiert die Geschichte bisheriger Schätzungen und erklärt auch, warum die neue Zahl für die Bewertung des Krieges wichtig sind:

    The difference between the two estimates is large enough to change the way we look at the war. The new estimate suggests that more men died as a result of the Civil War than from all other American wars combined.

    Sprich, der Krieg war noch wichtiger als wir ihn dargestellt haben.

  • Zu Katanas: Der interessierte Leser LK weist darauf hin, dass nicht einmal Doctor Who vor japanischen Schwertern sicher ist: In Folge 220 („oder gerne auch in der zehnten Folge der sechsten Staffel nach neuer Zeitrechnung“) sei es Amy Pond, die ihr britisches Erbe verleugnet. Dieser Autor hatte jüngst die Gelegenheit, eine Folge des Doktors zu sehen (Schlüsselzitat: „You’ve got a time machine, I’ve got a gun. What the hell, let’s kill Hitler.“) und wird sich vor der nächsten wohl erstmal sehr, sehr viel Hintergrund anlesen müssen.
  • Zum Spelling Bee: Jetzt auch auf Spanisch mit Worten wie otorrinolaringologo oder sanctasanctorum.
  • Zur Drehrichtung von Schrauben: Mehrere interessierte Leser – zuerst AK – haben darauf hingewiesen, dass es tatsächlich „Antifa-Schrauben“ (linksdrehende) gibt. Was diesen Autor daran erinnert, seine Witze besser als solche zu kennzeichnen.
  • Zum Energieverbrauch der USA: Der Verbrauch pro Kopf steigt langsamer. Hier haben wir auch endlich den Link, den dieser Autor damals nicht gefunden hat: Die internationale Rangfolge des Stromverbrauches pro Kopf. Die USA sind auf Platz 9 hinter:
    1. Island
    2. Norwegen
    3. Kuwait
    4. Kanada
    5. Finnland
    6. Luxemburg
    7. Schweden
    8. Katar

    Da sind sie wieder, die Kanadier. Deutschland liegt auf Platz 23, direkt hinter den Niederlanden.

  • Zu Kansas City und The Wizard of Oz: Auch seriöse Medien sind vor dem Fehler nicht gefeilt (und auch nicht in der Lage, der Versuchung des Kansas-Spruchs zu widerstehen).
  • Zu Ego-Shootern: Kann die Bezeichnung noch falscher werden? Offenbar schon, wie das Blog Stigma Videospiele beschreibt:

    Anstatt ihn lediglich im technischen Sinne als Beschreibung der Kameraperspektive in meist kämpferischen Videospielen zu verstehen, wird er teilweise moralisch abwertend gebraucht. So legen manche Äußerungen die Vermutung nahe, dass der ein oder andere Kritiker glaubt, dass „Ego-Shooter“ das „Ego“ des Spielers steigern sollen beziehungsweise dass „Ego“ für „Egoismus“ stehe.

    Unterdessen erzählen sich die Amerikaner Geschichten über How games saved my life. Ach, und in diesem Zusammenhang kann dieser Autor voller Stolz bekanntgeben, dass er gemeinsam mit dem interessierten Leser NMK bei Portal 2 die Wissenschaft gerettet hat. Hey, gern geschehen.

  • Zu Nazi als Beschreibung: Neu auf unserer Liste: der angriffslustige lawn nazi.
  • Zu höflichen Angelsachsen: Das Language Log hat eine Tabelle mit Einträgen, was die Briten so sagen („Very interesting“), was damit eigentlich gemeint ist („That is clearly nonsense“) und was dummerweise die anderen verstehen („They are impressed“). Das angesprochene Sturgeon’s Law ist nach dem amerikanischen Sci-Fi-Autoren Theodore Sturgeon benannt und lautet „90 Prozent von allem ist Müll“.
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