Von Sarah Palin und Katzenkämpfen im Schlamm

August 13, 2011

Unser heutiger Eintrag handelt von einem Begriff, den die meisten interessierten Leser kennen werden. Zur Sicherheit und aus aktuellem Anlass gehen wir trotzdem darauf ein. Außerdem brauchen wir nach all diesen ernsten Einträgen wieder etwas Populärkultur mit fragwürdigen Links zu sinnlosen Tätigkeiten. Sonst bekommt dieses Blog womöglich noch einen Ruf als Intellektuellen-Schanze oder so etwas.

Ausgangspunkt ist ein Satz der US-Republikanerin Sarah Palin, die ehemalige Gouverneurin von Alaska, Ex-Kandidatin für die Vize-Präsidentschaft und Vielleicht-Kandidatin für die Wahl 2012. In Iowa wurde sie auf ein etwaiges Duell zwischen sich und der konservativen Präsidentschaftskandidatin Michele Bachmann angesprochen. Palin zeigte sich empört über die Andeutung, dass die Frauen sofort aufeinander losgehen würden:

Just because there may happen to be two women in the race, that they would, you know, as Michele had put it once, get in the mud and engage in some catfighting — that’s ridiculous.

Mehr noch, dies sei schlicht sexistisch.

Wir gehen davon aus, dass alle interessierten Leser wissen, was mit mud (wrestling) — Schlammcatchen — gemeint ist –

(Wenn nicht: Eine Google-Suche dazu ist schon wegen der Unterschiede zwischen der englischen und der deutschen Wikipedia [Stand: August 2011] unterhaltsam: Die deutsche Version sieht es in den 30ern aufkommen und beschreibt es als „anstößig“ wegen der „eindeutigen erotischen Konnotation“, während es in der englischen Darstellung in den 80ern populär wurde und als entertaining spectacle gilt.)

– und reden heute über den catfight.

Gemeint ist damit ein Kampf zwischen Frauen, der allerdings auf eine bestimmte Art geführt wird: Kratzen, beißen, Haare ziehen, kreischen und zwar alles unter zerstörerischer Einwirkung auf die ohnehin spärliche Bekleidung. Wie TV Tropes ausführlich darlegt, ist ein brutaler Kampf zwischen Frauen dagegen eigentlich kein Catfight, sondern nur ein brutaler Kampf zwischen Frauen. Die Grenzen sind allerdings je nach Genre fließend, wie man am Film Bitch Slap sieht.

Auch in der Flimmerkiste ist der Katzenkampf ein Klischee. Bei Buffy gibt es daher keine Catfights, sondern nur eine Parodie: In der Folge „The Initiative“ hauen sich Xander (männlich) und Harmony (weiblich) wie, nun, Mädchen. Demonstrativ in Zeitlupe, versteht sich. In How I Met Your Mother macht sich der „Bro Code“-Artikel 28 über die Standard-Reaktion der umstehenden Männer bei Film-Catfights lustig:

A Bro must, in timely manner, communicate the possibility of fisticuffs between two humans of the female variety (henceforth „girl fight“), in an effort to make possible and probable that another Bro or Bros can partake in observation …

(Fisticuffs ist ein alter Begriff für den Faustkampf ohne Handschuhe.) Entsprechend gilt: Pass the popcorn! Gesalzen, natürlich.

Wie kann man das noch mehr auf die Spitze treiben? Indem man ein Catfight mit Schlammcatchen verbindet, wie es ein Werbespot von Miller Lite [YouTube] vormacht. Womit wir endgültig den Tiefpunkt dieses Eintrags erreicht haben. Leider. Versprochen.

Die Übersetzung von catfight ist schwierig. Auf den ersten Blick scheint zwar „Zicken-Kampf“ zu passen. Allerdings sagt catfight nichts darüber aus, ob die Frauen zickig, nett oder sogar rechtschaffend gut sind, wie diese Expertendiskussion über Buffy vs. Xena zeigt. Alles im Sinne von „kämpfen wie Mädchen“ wie oben bei Xander und Harmony führt ebenfalls meist in die Irre, denn Catfights finden eher zwischen Frauen statt, schon allein um die wardrobe malfunctions zu ermöglichen. Das abfällige hits like a girl und entsprechende Anspielungen gibt es auch im Englischen.

Vermutlich kommt die Frage eh zu spät: Auch die deutsche Wikipedia hat einfach „Catfight“ übernommen. Hier scheint Columbia trotz ihres unpraktischen Bettlakens gegenüber Germania die Oberhand gewonnen zu haben.

Nach diesem eingehenden Studium der Fachliteratur würde dieser Autor am Ende argumentieren wollen, dass bei der Frage zu Palin vs. Bachmann eigentlich ein ganz anderes Klischee vorliegt: Das des Designated Girl Fight. Dabei werden Gruppenkämpfe so ausgetragen, dass Männer gegen Männer und Frauen gegen Frauen kämpfen, denn die Frauen sind ja viel zu schwach (außer Buffy). Palin will davon nichts wissen:

If I’m going to duke it out, I’m going to duke it out with the guys.

Ah, Politik. Pass the popcorn!

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