Hobbitville, andere Villes und die Tea-Party-Bewegung

August 3, 2011

Es gab ja doch einige unterhaltsame Moment bei dem jüngsten Steuerstreit im US-Kongress. Dazu gehörte eine Rede des Senators John McCain, den der interessierte Leser noch als ehemaligen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner kennen wird. Darin zitierte er [YouTube] einen Satz aus einem Kommentar des „Wall Street Journal“ über die angebliche Strategie der konservativen Tea-Party-Bewegung:

Then Democrats would have no choice but to pass a balanced-budget amendment and reform entitlements, and the tea-party Hobbits could return to Middle Earth having defeated Mordor.

Wer sich jetzt wundert: Ja, der Satz ist falsch, denn auch Mordor liegt in Mittelerde. In den Kommentaren zu dem WSJ-Artikel wurde darauf hingewiesen, eine Korrektur der Zeitung steht noch aus. Die Hobbits leben natürlich in The Shire (dt. „Auenland“, warum auch immer). Zumindest als Angelsachse muss man so etwas eigentlich wissen.

Moment, aber wie erklären wir dann diesen Satz aus „The American Spectator“, in dem der konservative Journalist Jeffrey Lord über den WSJ-Artikel schimpft (Hervorhebung hinzugefügt):

The paper (…) wildly bought into the liberal notion that the Tea Party from Hobbitville is somehow holding the government hostage, instead of the other way around.

„Hobbitville“? Das ist der Spitzname von Allen Park in Salt Lake City, aber da gibt es eher Vögel als Hobbits. Was soll das jetzt?

Allgemein ist der Zusatz -ville im Englischen bei Städtenamen geläufig. In den USA soll die Verwendung nach der Amerikanischen Revolution sprunghaft zugenommen haben, weil die Franzosen ja die liebsten Freunde waren (heute nicht ganz so). Der interessiere Leser wird Nashville, Amityville, Smallville, FarmVille, Taxville etc. kennen.

Dazu kommt aber noch eine umgangssprachliche Verwendung im Sinne von „wo die X zuhause sind“ oder „wo alles X ist“, wobei X eine Eigenschaft oder Tätigkeit ist. So finden wir Welcome to Stupidville (mit Bild des berühmten double facepalm) wenn es um dumme Leute auf Facebook geht. Oder diesen Satz über Ironie (Hervorhebung hinzugefügt):

Meanwhile, if irony were a case of irony from ironyville, it couldn’t be any more ironic than this story about irony.

Internet-Nutzer mit Modem-Problemen sind stuck in slowville, Kampfsportler müssen durch painville, Teenager in Perth, Australien klagen über ihr Leben in shitville (als alternative gibt es auch suckville oder das vielleicht etwas missverständliche fuckville) und verzweifelte Eltern von schlaflosen Kindern sind clueless in sleepville.

Wem das alles zu viel wird, der kehrt in Margaritaville ein. Da würden sich auch die Hobbits sofort zuhause fühlen.

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