Nachtrag zur Fußball-WM: Mein Land, richtig oder falsch

Juli 26, 2011

Wir müssen doch noch einmal auf die Frauenfußball-Weltmeisterschaft eingehen. Während des Halbfinalspiels USA gegen Frankreich meinte die (familiär fußballtechnisch massiv vorbelastete) Schönste Germanin, die Führung der Amerikanerinnen spiegle nicht den Spielverlauf wieder. Whatever, war die Antwort dieses Autors, der dann grinsend den Satz my country, right or wrong hinterherschob.

Was ihr leider gar nichts sagte — joke fail. Und wenn schon die Schönste Germanin etwas nicht weiß, dann werden erfahrungsgemäß jede Menge interessierte Leser ebenfalls passen müssen.

Der Satz hat zwei Väter: Der erste war der Marine-Offizier Stephen Decatur (1779-1820), der im April 1816 folgenden Trinkspruch brachte:

Our Country! In her intercourse with foreign nations may she always be in the right; but our country, right or wrong.

Die zweite Variante stammt von dem in Deutschland geborenen Bürgerkriegs-General und Senator Carl Schurz (1829-1906), der übrigens jede Menge zur Förderung der deutschen Kultur in den USA unternahm. Bei ihm klang das so:

My country, right or wrong; if right, to be kept right; and if wrong, to be set right.

In beiden Fällen ist der Kernsatz eingeschränkt: Decatur durch den Wunsch, sein Land möge in der Außenpolitik alles richtig machen (was wir nicht kommentieren müssen), Schurz durch den Aufruf, etwaige Fehlentwicklungen zu korrigieren. In dieser langen Form ist es nicht viel mehr als das Bekenntnis eines mündigen Bürgers, seiner politischen Verantwortung gerecht zu werden.

So wird es heute allerdings nicht verwendet. Vielmehr wird es inzwischen in der verkürzten Form Personen in den Mund gelegt, denen man blanken und blinden Nationalismus unterstellt. Der interessierte Leser wird das Lied „My Country“ von der australischen Gruppe Midnight Oil kennen:

Did I hear you say
My country right or wrong

Der konservative Blogger J.R. Dunn von American Thinker verweist auf die Verwendung in den 60ern:

Whenever anyone revealed a shred of respect for the country, belief in its ideals, or faith in its future, that line was sure to follow. Always spoken with a sneer, the ultimate putdown, unanswerable and final: ‚My country, right or wrong.'“

Die Wiktionary spricht etwas abstrakter von der Nutzung als straw man bei Debatten.

Entsprechend ist der Spruch in den US-Medien inzwischen zum Klischee geworden. Die Website TV Tropes ordnet ihn in eine Gruppe mit anderen müden Begründungen ein wie „Ich habe nur Befehle befolgt“ und „Mein Meister hat immer Recht“ (aber nicht, wie ausdrücklich betont wird, mit „Country matters“, was wir schon besprochen haben).

Daher der Versuch dieses Autors, damit einen Witz zu machen. Haha.

Und wie war das jetzt wirklich mit dem Fußballspiel? Die Statistik sagt, dass Frankreich bei Ecken, Schüssen und Ballbesitz geführt hat, aber am Ende ging es halt 3:1 für die USA aus. Statt Sprüche zu klopfen halten wir uns vielleicht besser an die offizielle Einschätzung der Fifa: Demnach gewannen die Amerikanerinnen „dank großer Zielstrebigkeit und Effizienz“. Das klingt doch gut.

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