Die Bedeutung des Hundefutters in der amerikanischen Technik (und als Verb)

Juli 7, 2011

Wer viel mit amerikanischen Technikern oder Ingenieuren zu tun hat oder auch nur über entsprechende Projekte liest, wird eine verstörende Vorliebe für Hundefutter entdecken. Ja, Hundefutter. Nehmen wir dieses Lob für Microsoft (Hervorhebung hinzugefügt):

I think it’s pretty clear that where Microsoft has truly eaten its own dog food, it has made products that manage to control a large percentage of the market

Seltsam, denn die Küche der (Ex-)Microsoft-Manager ist offenbar abgefahren futuristisch, aber durchaus lecker. Auch aus der Kantine des Software-Konzerns hört man keine ungewöhnlichen Klagen.

Der Begriff beschreibt vielmehr die Strategie, die eigenen Produkte zu verwenden, um ihre Schwächen abzuklopfen und das Vertrauen darin zu demonstrieren. Er soll 1988 von dem damaligen Microsoft-Manager und heutigen VMware-Chef Paul Maritz in einer E-Mail geprägt worden sein. Seitdem liegt der Dosenöffner bei amerikanischen Unternehmen griffbereit. Sozusagen.

Wegen der Neigung der Angelsachen, alles in Verben zu verwandeln, finden wir auch die Form to dogfood. Nehmen wir diesen Aufruf des Engineering Directors Chee Chew vom Microsoft-Erzrivalen Google, der für die Testphase des Google+-Videochats Hangout gezielt Gebärdensprachler sucht (Text umformatiert, Hervorhebung hinzugefügt):

I’d like to invite a set of deaf/hh [hard-of-hearing] users and their signing families into Google+. We need folks who will actively dogfood Hangouts with their friends and family.

Hier sehen wir, dass sich die Bedeutung leicht gewandelt hat, denn per Definition sind diese Testpersonen nicht Google-Mitarbeiter. Vielmehr sollen sie die Technologie „im Alltag testen“.

Dieser Autor würde ehrlich gesagt auf Katzenfutter bestehen.

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