Warum so viele Hunde in den USA Spot heißen, und George Clooney fast auch

Juli 5, 2011

Vor einigen Jahren fragte eine Bekannte dieses Autors, die namenlos bleiben soll, warum scheinbar alle Männer in ihrem Bekanntenkreis das Lied „After Dark“ von Tito & Tarantula kennen. Der Hinweis auf den Tanz von Salma Hayek in From Dusk Till Dawn brachte nur ein fragendes Gesicht und die Feststellung aller Umstehenden, dass die Bekannte offensichtlich streng heterosexuell ist.

Wir bieten hier unsere ganze Selbstdisziplin auf und schauen uns an, was Hayek kurze Zeit nach ihrem Tanz zu George Clooney sagt (Hervorhebung hinzugefügt):

You’ll be my foot stool. And at my command, you’ll lick the dog shit from my boot heel. Since you’ll be my dog, your new name will be „Spot“.

Auch der Nicht-Muttersprachler erkennt hier den Witz, der durch den Kontrast zwischen der (hier sogar gekürzten) aggressiven Vorrede und dem unpassenden, weil harmlosen Namen am Ende entsteht.

Für Amerikaner geht die Sache aber noch einen Schritt weiter: „Spot“ ist der Name des Hundes in der Lesefiebel-Serie Dick and Jane. Von den 30ern bis in die 70er waren diese Bücher der Standard in amerikanischen Schulen. In den 50ern lernten schätzungsweise 80 Prozent der amerikanischen Erstklässler damit lesen.

Der klassische (und sprachwissenschaftlich gerne analysierte) Satz lautete

See Spot run

zu Beispiel in der Kombination See Spot. See Spot Run. Run Spot Run.

An dieser Stelle wird die riesige Horde von Simpsons-Fans von ihren Stühlen aufspringen. Denn in der Folge „They Saved Lisa’s Brain“ — die mit dem Physiker Stephen Hawking — trägt der Comic Book Guy ein T-Shirt mit der Aufschrift:

C:/DOS C:/DOS/RUN RUN/DOS/RUN

Dazu muss man das „C“ englisch aussprechen, ein weiterer Grund, warum der Witz sich nicht übersetzen lässt.

[Bevor jemand meckert: Offenbar sind die Schrägstriche in der Serie tatsächlich so herum, also slashes, wie bei Unix-Pfadnamen, statt backslashes wie eigentlich bei MSDOS. Die T-Shirts im Handel zeigen es daher genauso.]

[Und während wird dabei sind, ja, der Titel der Episode ist auch eine Anspielung, und zwar auf den 60er-Jahre B-Movie They Saved Hitler’s Brain. Der übersetzte Titel „Die Stadt der primitiven Langweiler“ versteckt das.]

Es gab eine Reihe von Problemen mit den Dick and Jane-Büchern, angefangen von der Darstellung einer (weißen) Mittelschicht-Welt, die besonders für viele Land-Kinder nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte. Auch die Lehrstrategie war fragwürdig:

[T]he Dick and Jane stories actually were a calculated attack on phonics: The authors believed children learned to read best by memorizing a small handful of „sight words“ and repeating them over and over — the „look/say“ method.

Eine einflussreiche Analyse des amerikanischen Bildungssystems, Why Johnny Can’t Read, geißelte die Fibeln in den 50er Jahren als horrible, stupid, emasculated, pointless, tasteless little readers (hier ist reader nicht die Person, sondern in einer selteneren Verwendung ein Buch, um Lesen zu lernen). Außerdem waren sie sterbenslangweilig. Wir wissen schon, was danach kam: Das noch einflussreichere Cat in the Hat, das Amerikaner bis heute ihren Kindern vorlesen.

Allerdings würde Hayeks Rede mit „Cat“, „Fish“ oder „Lorax“ einfach nicht funktionieren. Egal wie ansprechend ihre, äh, Tanzschritte sind.

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