Jamie Oliver, rosa Schleim und die Austern der Rocky Mountains

Juni 28, 2011

Die meisten interessierten Leser werden den britischen Koch Jamie Oliver kennen, nicht nur wegen seiner Bücher (die irgendwie überall auftauchen), sondern auch wegen seines Versuchs, britischen und amerikanischen Kindern ein gesünderes Schulessen zukommen zu lassen.

Seine entsprechende TV-Serie in den USA, Jamie Oliver’s Food Revolution, ist jetzt trotz eines Emmys und viel Lob allerseits von ABC abgesägt worden. Stattdessen werden Wiederholung von Dancing with the Stars gezeigt.

[Nach dem verfrühten Ende von Firefly, Angel, Dollhouse und nun Food Revolution mag man sich fragen, was das für Menschen sind, die bei US-Fernsehsendern solche Entscheidungen treffen. Regel Zwei und eine gute Kinderstube verbieten es diesem Autor, darauf einzugehen. Er ist allerdings froh, dass sie beim Fernsehen arbeiten statt als Fluglotsen oder in Kernkraftwerken.]

Nun schreibt das Magazin Wired in einem (empörten) Nachruf auf Food Revolution über eine Sendung (Hervorhebung hinzugefügt):

He diagrams a live cow’s choice cuts, mashes the throwaway bits usually reserved for dog and fast food, chuck thems [sic] into a washing machine, soaks them in ammonia and other toxic chemicals, and then offers a hearty bon appetit to his aghast audience. How you like them Rocky Mountain oysters?

[Wired zeigt einen Video-Ausschnitt [YouTube], in dem der Begriff pink slime eine wichtige Rolle spielt. Das Ganze erinnert an einen berühmten Spruch von Bismarck.]

Der interessierte Leser mag an dieser Stelle stutzen, weil die Rocky Mountains ja ein Gebirge sind, und Austern bekanntlich eher im Wasser zu finden sind. Andere Namen für dieses, äh, Gericht sind auch nur begrenzt hilfreich: prairie oysters (nicht mit dem Cocktail zu verwechseln), cowboy caviar, Montana tendergroins, calf fries, bull fries, dusted nuts oder swinging beef.

Allerdings: mit den letzten beiden Namen und etwas Fantasie kann man sich denken, worum es geht: Stierhoden.

When the calves are branded, the testicles are cut off and thrown in a bucket of water. They are then peeled, washed, rolled in flour and pepper, and fried in a pan.

Bekanntlich gibt es nichts Widerliches, dass nicht irgendjemand irgendwo zur Delikatesse erklären würde. So ist es auch hier.

Dieser Autor dagegen, der (zum Leidwesen der Schönsten Germanin) nichts mit den foodies am Hut hat, bleibt lieber bei den Klassikern — rosa Schleim oder nicht.

[Gefunden von NMK, vielen Dank]

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