ZEUGS: Katanas, Drohnen und die Vernichtung der gelben Armeen

Juni 9, 2011

Die Erziehung von zweisprachigen Kindern in einem einsprachigen Land ist nicht ohne Tücken.

So meinte der öffentlich-rechtliche Kindersender Kika am Wochenende, einen Bericht über die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft ausgerechnet mit dem Lied „S&M“ von Rihanna unterlegen zu müssen. Zwar wurde das Stück so geschnitten, dass man nach einer Textpassage hauptsächlich das em-em-em am Ende des Refrains ausmachen konnte. Aber bekanntlich hören kleine Ohren die Dinge am besten, die sie nicht mitkriegen sollen, und so machte sich dieser Autor schon auf die Frage von Kind Nummer Eins gefasst, warum die Frau „SM“ statt „WM“ singt. Zum Glück war der Beitrag offenbar so interessant, dass sie nicht aufkam.

Das Problem gibt es natürlich auch umgekehrt: Dank Lady Gaga bereitet sich in den USA gerade das gute (und nützliche) deutsche Wort „Scheiße“ aus, komplett mit dem „ß“. Was uns zu einem weiteren Beispiel für den germanischen Kulturimperialismus bringt:

  • Zu Lehm, Holz und Wolle: „The Atlantic“ berichtet über den internationalen Erfolg des Spieles Siedler von Catan, das auch in den USA Fuß fasst:

    As I was writing this post, WalMart.com was completely sold out of the game. As of this week, two different versions of Settlers were in the top 10 board game sellers on Amazon — and neither Risk nor Monopoly were in the top 10.

    Dass niemand mehr Risiko spielen will, versteht dieser Autor vollkommen, seitdem er die neuen Weicheier-Formulierungen gesehen hat: Zu seiner Zeit hieß es noch „vernichten sie die gelben Armeen“. Von „befreien“ war nie die Rede.

  • Zu Katanas und dem asiatisch-amerikanischen Kulturaustausch, wenn wir bei Gewalt sind: Der interessierte Leser R argumentiert überzeugend, dass es „das Katana“ (wie „Schwert“) heißen muss statt „die Katana“ (der Duden war hier keine Hilfe). Er war zudem der erste von mehreren Lesern, die Highlander vermisst haben. CT weist weiter darauf hin, dass streng genommen das Schwert in Blade keine kein Katana ist, schon allein wegen der zweiseitigen Klinge. Der Eintrag wurde entsprechend geändert. Noch strenger genommen halten Buffy und ihre Mädels auf dem verlinkten Bild übrigens auch nicht ein Katana, sondern ein bokken (bokuto). Aber das lassen wir jetzt.
  • Zum Bürgerkrieg: Slate untersucht, wie die berühmte Dokumentation von Ken Burns die amerikanischen Vorstellungen von dem Krieg geprägt haben.

    The film was perfectly calibrated to please most every constituency in the post-Vietnam culture wars. While many noted an anti-war crosscurrent in its brutal images of mangled limbs and bloated corpses, the film’s dominant notes present an unapologetic patriotism and an appealing vision of war as a source of honor, high ideals, and unity of purpose—precisely what had been lost in Vietnam and its aftermath.

    Burns ist der Namensgeber des Ken Burns effect, den der interessierte Leser von seiner Foto-Software kennen wird — zumindest wenn er einen Mac besitzt.

  • Zu Davy Jones Locker: Der interessierte Leser MA verweist in diesem Zusammenhang auf das Monkees-Mitglied mit dem gleichen Namen. Wie irgendwie immer gibt es auch hier eine Verbindung zu SpongeBob.
  • Zum Untergang der Welt: Wie befürchtet ist jemandem aufgefallen, dass „das Jüngste Gericht“ nicht die exakte Übersetzung von rapture ist, und zwar dem interessierten Leser LM. Formell lautet die Übersetzung „Entrückung“, aber eine informelle Umfrage im Bekanntenkreis dieses Autors (wo man eher Twilight liest als Left Behind) hatte für diesen Begriff blanke Verständnislosigkeit ergeben. Daher das „Jüngste Gericht“ als, äh, Dachbegriff. Zum Glück können wir das im Oktober nochmal durchsprechen, frei nach dem Motto: Thank God it’s Doomsday!
  • Zu Root Beer: Der interessierte Leser EP ist der Meinung, dass der Geruch an Dixi-Klos erinnert. Dieser Autor verbringt viel zu wenig Zeit auf Freiluft-Konzerten, um dem nachzugehen, wird es aber im Hinterkopf behalten.
  • Zu SkyNet: Die US-Luftwaffe will die Zahl ihrer Drohnen in neun Jahren verdoppeln.

    By the end of the current decade, the Air Force should have enough medium and large drones to maintain at least 65 round-the-clock „orbits,“ compared to 48 today. Add UAVs from the other services, and you’re looking at 100 or so permanently on-station killer drones, watching and waiting to swoop down with precision-guided bombs and missiles.

    Mit immer weniger Piloten können wir hoffen, dass uns ein Remake von Top Gun erspart bleibt.

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