Einige Bemerkungen zum bevorstehenden Ende der Welt

Mai 20, 2011

Nuns. No sense of humor.

— Der Bösewicht Victor Kruger/Kurgan in Highlander

Family Radio, eine kleine aber lautstarke Gruppe von radikalen Christen um den Ingenieur Harold Camping, hat für den 21. Mai 2011 das Jüngste Gericht vorhergesagt. Ja, das ist Samstag, sprich, morgen. Es handelt sich ausdrücklich nicht um das Ende der Welt, das dann am 21. Oktober folgen soll. Genauer gesagt endet dann das ganze Universium. Bis dahin soll die Erde so aussehen wie in einem Strange-Girl-Comic.

Nun, wir werden sehen. Es fällt allerdings auf, dass die Katastrophenschützer der Centers for Disease Control (CDC) dringendere Sorgen haben.

Was die ganze Sache ein klein wenig interessanter macht als die bisherigen Vorhersagen von Rapture ist die Medienkampagne, mit der die Gruppe Amerika und andere Teile der Welt überzogen hat: Etwa 2.200 Werbeplakate allein in den USA, Video-Clips mit Geigen [YouTube], mit panischem Geschrei [YouTube] und mit veraltetem Englisch [YouTube] sowie diverse Radiosendungen in mehr als 30 Sprachen. Einige Mitglieder sollen ihre Jobs aufgegeben haben. Ihre Kinder — kein Stück doof — wollen ihre Zimmer nicht mehr aufräumen:

The children, however, have found something to giggle over. „She’ll say, ‚You need to clean up your room,'“ Grace said. „And I’ll say, ‚Mom, it doesn’t matter, if the world’s going to end!'“

Gelächter und Spott ist auch die Reaktion der übrigen Amerikaner. Der preisgekrönte Karikaturist Garry Trudeau befasst sich in Doonesbury seit Tagen mit der Prophezeiung. Atheisten (und jede Menge andere Leute) veranstalten Rapture parties am 22. Mai oder bieten an, gegen eine gewisse Summe die Tiere der Geretteten in Pflege zu nehmen. Andere Bürger bereiten Streiche vor:

I’m entertaining the idea of gathering up all my old, unwanted clothes and shoes and leaving sets of them arranged around town so it’ll look like it really happened

Es gibt die unvermeidbaren T-Shirts. Auf Facebook wird offenbar besprochen, was man sich am besten aus den leeren Häusern der Erlösten holen soll. Und im Internet werden die ältesten Witze ausgegraben:

One of my regular fuck-bud[die]s is Jesus. I think he will come again.

Für dieses Blog ist die Geschichte aus zwei Gründen interessant. Einmal sehen wir an den Reaktionen wieder, dass in den USA die Meinungsfreiheit Blasphemie deckt, im Gegensatz zu gewissen europäischen Staaten (wo die Durchsetzung allerdings eher sporadisch ist). Camping und Co haben nicht einmal auf dem Papier eine Möglichkeit, sich gegen den Spott zu wehren, denn wir reden hier von dem Land mit den Jesus-Dildos [NSFW], die im Dunklen leuchten.

Wichtiger ist allerdings: Der interessierte Leser mag sich in diesen Tagen anschauen, wie die deutschen Medien mit dem Thema umgehen — diesem Autor sind hier wegen Regel Zwei leider die Hände gebunden. Allgemein gesagt besteht bei solchen Anlässen in der Presse die Neigung, das (bekannt falsche) Bild vom hyperreligiösen Amerikaner herauszukehren statt auf die doch etwas arg größere Zahl der US-Bürger zu verweisen, die Drink Tequila like there will be no hangover! rufen und Einladungen mit Stoner-Jesus [JPG] drucken.

Wie auch immer: Dieser Autor ist sehr zuversichtlich, dass er noch weitere Einträge schreiben wird. Zumindest bis zum 21. Oktober.

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