Die zwei zusätzlichen Leben der angelsächsischen Katze

März 5, 2011

Heute haben wir eine Übung für den interessierten Leser: Er möge in seinem Umfeld nachfragen, wie viele Leben eine Katze hat. Dann filtere er die Klugscheißer heraus, die mit „eins“ antworten, die Hundefans, die „zu viele“ sagen, und teile die restlichen Antworten in drei Kategorien ein:

  1. „Sieben“
  2. „Neun“
  3. „Sieben — nein, neun. Oder doch sieben? Moment, lass‘ mich mal googlen …“

Klingt einfach, aber die dritte Variante ist im Umfeld dieses Autors erstaunlich häufig.

Eigentlich lautet die Regel so: In angelsächsischen Ländern haben Katzen neun Leben, in Deutschland nur sieben. Offenbar weiß niemand, woher der Unterschied kommt.

(Damit steht es uns frei, einen Grund zu erfinden. Wer unter Angelsachsen ist und seinen Humor beweisen will, kann bei entsprechenden Fragen etwas wie They take one away when you lose a war antworten. Ansonsten dürfte „Deflation“ eine gute Wahl sein, wenn man dabei nur ernst genug guckt und sich auf keine Diskussionen einlässt.)

Sieben kommt in mehreren europäischen Ländern vor. Die englische Wikipedia gibt die Zahl für Spanien an, was sich bei flüchtiger Suche bestätigt. Dazu würde passen, dass es in Mexiko ebenfalls sieben Leben sind. Auch in Italien sollen sieben sein, weswegen der englische Spruch Every life should have nine cats dort Ogni vita dovrebbe avere sette gatti heißt (oder so). Allerdings kommt auch südlich der Alpen die Neun wohl immer häufiger vor — nove statt sette.

Wieso? Nun, daran könnte Garfield Schuld sein, der etwas abgefuckterer Kollege Fritz the Cat und Catwoman, die auch neun Leben haben soll. Dazu kommen Aerosmith [YouTube] und Def Leppard und Robert Plant und Steve Winwood und vielleicht sogar REO Speedwagon, obwohl wir Letzteres niemanden wünschen wollen. Da steht Matthias Reim mit seinen sieben Leben ziemlich einsam da (und noch dazu soll das Lied nichts mit Katzen zu tun haben).

Wir können nicht ausschließen, dass es in einigen Teilen Deutschlands schon immer Nester von Neunern gab, wie bei den Rübengeistern zu Halloween. Aber so wie es aussieht, sehen wir hier dem Kulturimperialismus bei der Arbeit zu.

Wie wird das ausgehen? Nun, hier könnte ausgerechnet Halle Berry der Alten Welt zu Hilfe kommen: Bekanntlich war ihre Version von Catwoman so schlecht, dass sich alle nur möglichst schnell den Tod der Figur gewünscht haben. In diesem Fall sind sieben Leben verlockender als neun.

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