ZEUGS: Der Sheriff beim Amoklauf, Geheimdiensttherapien und Sexstudien

Januar 17, 2011

In der wichtigsten Schreibstube dieses Autors herrscht seit Wochen ein ziemliches Chaos, weswegen sich alles in diesem Blog verzögert. Sorry.

  • Zum Polizeisystem der USA: Was beim Amoklauf von Tucson etwas an der europäischen Presse vorbeiging, ist dass der Sheriff von Pima County — der Mann also, der die Diskussion über das politische Klima anstieß — ein Demokrat ist, der im kommenden Jahr zur Wahl steht. Damit muss er nicht Unrecht haben. Aber man sollte es wissen, schon allein weil eine (kleine) Mehrheit der Amerikaner eher den Linken als den Rechten die Schuld an den schrillen Tönen gibt. — Die Berichterstattung der amerikanischen Medien über den Angriff wird von selbigen inzwischen massiv kritisiert. Die Diskussion darüber sprengt allerdings den Rahmen dieses Blogs.
  • Zum Secret Service: Wired beschreibt anlässlich des Angriffs, wie der Dienst mit verdächtigen Leuten umgeht, die böse Briefe schreiben: Man bekommt Besuch von netten Männern in gut sitzenden Anzügen.

    Those agents, after sitting down in the living room, are likely to afford the letter writer the kind of polite listening that normally costs $150 an hour in a therapist’s office, as they assess whether he or she represents a threat.

    Offenbar sind die Autoren solcher Briefe allerdings nur selten ein Problem.

  • Zum Jahr im Rückblick: Der interessierte Leser RAH verweist auf eine Version des Komikers Dave Barry hin. Die Witze über Franzosen gehören für jeden Angelsachsen natürlich zum Pflichtprogramm (und müssen einem deutschen Publikum vermutlich nicht erklärt werden). Man beachte darüber hinaus die bitterbösen Kommentare über den Kongress sowie über die Medien, beides Institutionen, die in den USA weniger angesehen sind als ihre Gegenstücke in Deutschland. Der Seitenhieb auf Al Gores überdurchschnittlichen Energieverbrauch – wir sind im Vorbeigehen darauf eingegangen – gehört inzwischen auch zum Standard. Dank seiner jüngsten Kehrtwende bei Biotreibstoff dürfte Gore längere Zeit eine Zielscheibe für Komiker bleiben, ob berechtigt oder nicht.
  • Zu fehlenden Notfallausrüstungen und Humor: Wie erhöht man das Bewusstsein für den persönlichen Katastrophenschutz, wenn kein kulturelles Tabu verhindert, dass man so ein ernstes Thema witzig verpackt? Man ruft die Leute auf, sich für die Zombie-Apokalypse zu rüsten. Unter dem Motto We make dead things deader schützen die Mitglieder von Zombie Squad ihre Nachbarschaften vor den Horden von Untoten. Und wenn das gerade mal nicht akut ist:

    When the zombie removal business is slow we focus our efforts towards educating ourselves and our community about the importance of disaster preparation.

    Neben diesen Bildungsveranstaltungen sammeln sie Spenden für wohltätige Zwecke – in Form von Geld, Lebensmitteln und natürlich auch Blut (give blood not brains). Es scheint in Europa nur einen britischen Ableger der Gruppe zu geben. Vermutlich haben nicht genug Deutsche Rammbock gesehen.

  • Zu Fluoriden im Trinkwasser, während wir von Gehirnen sprechen: Die Konzentration soll gesenkt werden, da andere Fluorid-Quellen wie Zahnpasta und Mundspülungen hinzugekommen sind und damit die Flecken zunehmen. Der verlinkte Bericht in der New York Times verweist auf Zeitungsberichte über Verschwörungstheorien in den 50er Jahren:

    The story said some opponents called the campaign for fluoridation „the work of Communists who want to soften the brains of the American people.“

    Das ist ja zum Glück nicht geschehen. Äh. Sagen wir jetzt mal so.

  • Zur Nationalhymne: Wer Probleme hat, den Text zu verstehen, ist nicht allein: Das geht auch genug Amerikanern so. Das Language Log analysiert das Problem:

    [Francis Scott] Key has taken a structure whose natural English order is

    Subject V PP1 PP2

    and rendered it as

    Subject PP2 PP1 V

    Und so weiter. Wer daran Spaß wird, dem wird auch der Eintrag über Kontraktionen in der Geschichte der englischen Sprache gefallen. Lieutenant Commander Data, übernehmen Sie!

  • Zu den Persönlichkeitsrechten von Politikern: Die Juraprofessorin und konservative Bloggerin Ann Althouse will bemerkt haben, dass Präsident Obama vorübergehend die Haarfarbe gewechselt hat. Auch andere amerikanische Blogger diskutieren das jetzt, mit Fotos. Althouses Leser können beruhigt sein: Juristische Probleme drohen ihr in den USA nicht, auch keine Besuche von Männern in gut sitzenden Anzügen.
  • Zur Swimsuit-Ausgabe von SI, als Überleitung zum nächsten Punkt: io9 hat einen Bericht über die Marvel-Comic-Variante. Mit schönem Gruß an den interessierten Leser CR.
  • Zu prüden Amerikanern: Eine neue Umfrage zum Sexualverhalten der US-Bürger liegt vor. Die dazugehörige Tabelle kann dieser Autor als Diagnosewerkzeug für Schlafmangel empfehlen: Wenn man minutenlang die letzte Zeile anstarrt und sich fragt, warum dort die Angaben zu Frauen fehlen, ist es Zeit, den MacBook zuzuklappen und ins Bett zu gehen.
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