Alles ist Zen, selbst der Dharma-Burger

Januar 12, 2011

Zu den Dingen, für die dieser Autor so absolut keine Zeit hat, gehört Plants vs. Zombies. Bei dem Zeichentrick-Computerspiel aus dem tower defense-Genre muss man sein Haus mit einem sorgfältig zusammengestellten Gemüsebeet gegen Horden von Untoten verteidigen. Daneben gibt es auch kleinere Mini-Spiele: Zum Beispiel kann man im zen garden Pflanzen auf Bambusmatten züchten und dann verkaufen. Stundenlang.

Moment, mag der interessierte Leser jetzt denken. Was in aller Welt hat das mit echten Zen-Gärten zu tun? Absolut gar nichts. Es klingt einfach nur gut.

Das Wort „Zen“ wird in den USA inzwischen für alles mögliche benutzt, besonders in der Werbung. In den meisten Fällen soll das wohl Entspannung und Ruhe suggerieren, vermutlich weil Werbefritzen nie versucht haben, im Lotus-Sitz eine halbe Stunde unbeweglich mit gradem Rücken auf einem Kissen zu hocken. Wobei auch das nicht erklärt, was der Baum bei Zen Soothing Tea Tree Shampoo von Axe zu suchen hat.

Auch andere Dinge ergeben weniger Sinn als ein Koan, wie die Schlagzeile „The Zen Machismo of Bruce Willis“ oder die „Moment of Zen“-Sequenzen bei der Daily Show von Jon Stewart. Für the zen of gibt Google inzwischen mehr als eine Million Treffer, einschließlich (natürlich) The Zen of Zombie. Schön findet dieser Autor The Zen of Python:

Beautiful is better than ugly.
Explicit is better than implicit.
Simple is better than complex.
Complex is better than complicated.
Flat is better than nested.
Sparse is better than dense.
Readability counts.

Und so weiter. Eigentlich passt hier natürlich das Wort „Philosophie“ besser. Aber das ist länger und klingt halt nicht so asiatisch-cool.

Eine gehörige Mitschuld an der Zen-Flut hat der Roman Zen and the Art of Motorcycle Maintenance von Robert M. Pirsig von 1974. Dieser hatte aber wenigstens den Anstand, in der Einleitung Klartext über das Buch zu reden:

[I]t should in no way be associated with that great body of factual information relating to orthodox Zen Buddhist practice. It’s not very factual about motorcycles, either.

Zen ist nicht der einzige Begriff, der aus dem fernen Osten entführt wurde und jetzt für den Kapitalismus anschaffen gehen muss. „Karma“, „Zazen“ (Meditationstechnik) und „Dharma“ (die Lehre) haben das gleiche Schicksal erlitten. Nike bietet Dharma-Kleidung an und Karma-Golfbälle. Es gibt Zazen-Surfbretter, Karma-Seife und Dharma-Sonnenbrillen mit Varianten wie pink bubblegum. Vermutlich war das die Lieblings-Sorte des Buddha.

Amerikanische Buddhisten nennen diese Werbenamen spöttisch dharma-burger und sammeln sie. Allerdings scheinen selbst sie nicht zu verstehen, was es mit der Dharma Initiative aus Lost auf sich hat. Noch ein Grund, lieber Fringe zu gucken.

Wenigstens ist das Spiel Zen Bound tatsächlich entspannend. Dabei muss man Holz- oder Metallfiguren möglichst vollständig mit farbgetränkter Kordel umwickeln, ohne Zeitdruck, ohne Punkte, ohne Gegner, ohne Fallen, zu ruhiger Musik. Wirklich dumm, dass dieser Autor auch dafür so absolut gar keine Zeit hat.

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