Bitte keine Selbstgespräche (obwohl sie nicht schlimm sind)

August 26, 2010

Needn’t speak out loud, miss. Fellow passengers might think you a bit odd, if you take my meaning.

– Aus Mona Lisa Overdrive von William Gibson

Das mit dem Fantasy Filmfest war in diesem Jahr ein Reinfall, nein, eine Katastrophe: Dieser Autor wurde genau an den wichtigsten Tagen krank und konnte sich gerade einen Film (Black Death) anschauen. Also hat er zu Hause herumgesessen, schlechte Laune verbreitet, Abertausende Zerg getötet und die Neuromancer-Trilogie nochmal gelesen.

Dabei ist ihm der obige Satz aufgefallen, den die Maas-Neotek Mini-KI Colin dem japanischen Mädchen Kumiko während des Flugs nach London sagt. Nur Kumiko kann seine Projektion sehen und seine Stimme hören, und daher würde ihre Diskussion auf die anderen Passagiere so wirken, als führe sie Selbstgespräche.

Das geht aber nicht, denn Selbstgespräche gelten bei den Angelsachsen als Zeichen eines drohenden geistigen Zusammenbruchs. In Deutschland ist die Toleranz dafür sehr viel höher.

Entsprechend findet man im englischsprachigen Internet besorgte Anfragen bei WikiAnswers und Yahoo! Answers von Amerikanern und Briten, sowie Erklärungen von Medizinern, die versuchen, den Leuten den Glauben auszureden. Natürlich werden wieder die Medien dafür mitverantwortlich gemacht (mit einer gewissen Berechtigung):

In movies, people are portrayed as eccentric by showing them carrying on conversations with themselves; the same goes for real life.

Wir könnten insbesondere einen Film als Beispiel nennen, aber Tyler Durden hat das diesem Autor verboten. Strengstens.

Meistens sind Selbstgespräche natürlich kein Problem. Allerdings können sie ein Symptom bei der Schizophrenie sein, wenn man damit Antwort gibt auf die Stimmen im Kopf. Hier wird der Ursprung der angelsächsischen Selbstgesprächs-Phobie vermutet. Ein erkrankter Brite berichtet von seinen Erlebnissen im öffentlichen Nahverkehr:

I’ll still talk out loud to them if I feel like it, even if I’m on the bus or in the street. I get some funny looks, but I don’t mind.

Es gibt offenbar einen Streit unter Medizinern, wie das Stimmenhören ohne weitere Symptome zu bewerten ist, aber das ist nicht Gegenstand dieses Blogs. Außerdem gehen sie nicht auf Gespräche mit unsichtbaren künstlichen Intelligenzen ein.

Was soll man nun tun, wenn man gerne mit sich selbst redet, aber ständig Angelsachsen um sich herum hat? Dieser Autor würde empfehlen, einen Blog aufzumachen. Da kann man sich erzählen, was man will, und wirkt trotzdem im Alltag völlig normal. Muahahahahaha!

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