Stirntipperei übersetzt

Juli 19, 2010

Dieser Autor hat sich endlich die Zeit genommen und alle Folgen von The Guild hintereinander angeschaut. Für die (hoffentlich wenigen) Leuten hier, denen das nichts sagt: Die von Felicia Day (Buffy, Dr. Horrible) geschriebene und produzierte Web-Komödie handelt von einer Gruppe von Rollenspiel-Süchtigen. Die Episoden sind jeweils etwa fünf Minuten lang, es gibt rund zwölf Episoden pro Staffel, und die vierte Staffel ist gerade angelaufen. Ist also an einem Abend zu schaffen.

Für dieses Blog ist die Serie nicht wegen der unglaublichen Zahl von Onlinespiel-Abkürzungen wie DPS interessant, für die der gemeine Angelsachse auch erstmal zum Lexikon greifen müsste. Auch Ayn Rand haben wir schon behandelt (zitiert von Wil „Wesley Crusher“ Wheaton, der auch mitspielt). Nein, es geht um die Einleitung von Codex (gespielt von Day) in Staffel 3, Episode 2, bei der sie sich wiederholt an die Stirn tippt.

Denn Codex zeigt dabei weder sich noch dem Zuschauer „einen Vogel“, wie der geneigte Germane meinen könnte. Im Gegenteil, sie lobt sich selbst für ihre kluge Idee. Das tapping the forehead ist positiv, nicht negativ, denn es heißt: Schau her, was ich im Kopf habe. Oder wahlweise auch: Der ist ganz schön clever. Dieser Autor meint beobachtet zu haben, dass man sich beim deutschen Vogel häufiger und schneller an die Stirn tippt als beim angelsächsischen clever-Zeichen, aber belegen kann er das nicht.

Ein Gutes hat der Unterschied: Deutsche, die im Auto trotz aller Warnungen ausfallend werden, können bei dem Vogel vielleicht noch ungeschoren davon kommen. Wie beim V-Zeichen weiß man allerdings nie, wie viel kultureller Hintergrund der Gegenüber mitbringt — und was er als Ironie auslegt.

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