Das iPhone 4 und gemischte Ehen

Juni 10, 2010

Vor einigen Tagen hat Apple das iPhone 4 vorgestellt. Nun liebt dieser Autor zwar sein neues MacBook Pro 15″ i5 heiß und innig, schon allein weil das Aluminium-Gehäuse so stabil ist, dass der Computer während der Zombie-Apokalypse wird als Waffe benutzt werden können. Aber Smartphones im Allgemeinen und dem iPhone im Speziellen konnte er bislang nichts abgewinnen. Was natürlich nicht heißt, dass er nicht trotzdem die Werbung aufmerksam studiert. Man weiß ja nie.

Dabei fällt auf, dass der Spot für FaceTime [Video], das neue System für Videotelephonie, doch sehr auf Amerikaner zugeschnitten ist. Schon wegen der niedrigeren Geburtenrate und der etwas anderen Beziehung zum Militär möchte Apple vielleicht eine getrennte deutsche Version drehen. Auch die Sache mit der schwangeren Asiatin, die während der Ultraschalluntersuchung durch ihre schwarze Ärztin mit ihrem weißen Partner videophoniert („facetimet“? „gesichtszeitet“?) entspricht nicht wirklich dem mitteleuropäischen Alltag.

Aber wie ist es in den USA mit gemischten Partnerschaften? Es wäre unfair, Apple hier nur politische Korrektheit zu unterstellen. Tatsächlich hat die Zahl der Ehen zwischen Mitgliedern verschiedener Rassen (schwarz, weiß, etc) oder ethnischer Gruppen (Hispanics) in den vergangenen Jahren stark zugenommen:

Rates of intermarriages among newlyweds in the U.S. more than doubled between 1980 (6.7%) and 2008 (14.6%).

Die knapp 15 Prozent sind dabei der landesweite Durchschnitt, im Westen des Landes sind es inzwischen mehr als ein Fünftel. An der Spitze steht dabei Hawaii mit 43 Prozent, gefolgt von Nevada (28 Prozent) und Oregon (24 Prozent). Bei den Schwarzen und Asiaten gibt es auffällige Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 22 Prozent der schwarzen Männer, aber nur neun Prozent der schwarzen Frauen heiraten interracial. Bei Asiaten ist das genau andersherum: 40 Prozent für Frauen und 20 Prozent für Männer. Bei den Weißen und Hispanics gibt es dagegen keine nennenswerte Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Der Vergleich zwischen den Jahrgängen wird schnell kompliziert, schon allein weil der Anteil der Hispanics an der Gesamtbevölkerung so stark zugenommen hat. Die restlichen Zahlen der Pew-Studie werden dem interessierten Leser daher zum Selbststudium überlassen.

[Leider fehlen in der Studie die Daten für Indianer. Nach den Daten der Volkszählung von 2000 betrug die Quote damals etwa 57 Prozent. Wir werden das Thema im Zusammenhang mit den blood quantum laws für die Stammeszugehörigkeit aufgreifen.]

Der Trend ist allerdings klar: Gemischte Ehen nehmen zu. Sein Ausgangspunkt liegt in der Zeit, als interracial marriages in den meisten Bundesstaaten schlicht verboten waren. Das änderte sich überwiegend nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Supreme Court brachte 1967 die letzten Nachzügler mit Loving vs Virginia (der wirkliche Name) auf Linie.

Das änderte natürlich nicht die Einstellung der Menschen, denn so etwas dauert länger:

As of 1987 — two decades after the Supreme Court ruling — just 48% of the public said it was „OK for whites and blacks to date each other.“ By 2009, that share had grown to 83%.

Heute sagen 93 Prozent der jungen Erwachsenen – hier sehr zum Unmut dieses Autors definiert als die Gruppe im Alter von 18 bis 32 Jahren – dass solche Beziehungen in Ordnung sind. Das sind noch nicht ganz „alle“, aber es ist schon in dem Bereich, wo die Frage mit einem duh beantwortet werden kann. Wenn diese so genannten „jungen Erwachsenen“ dieses Wort überhaupt noch benutzen.

Die Entwicklung zwingt nicht nur die Werbeabteilungen großer amerikanischer Computer- und Unterhaltungselektronik-Konzerne zum Umdenken. Viele der Regierungsprogramme und auch der Diskussionen über Rassenfragen in den USA gehen von der Annahme aus, dass es klar getrennte Gruppen von (zum Beispiel) „Schwarzen“ und „Weißen“ gibt. Spätestens seit der Wahl von Präsident Barack Obama – Mutter weiß, Vater schwarz – ist klar, dass die Wirklichkeit komplizierter ist.

Wie bereits besprochen wird es bei der Volkszählung ohnehin komplett dem Einzelnen überlassen, zu welcher Gruppe er gehören will. Kontrolliert wird das nicht. Man kann auch mehrere Rassen angeben. Wir werden bei laufenden Census 2010 sehen müssen, wie viele davon Gebrauch machen. Und auch wie viele sich einer Protestbewegung gegen diese Frage anschließen und nur „American“ eintragen.

Übrigens gibt es noch einen Grund, den FaceTime-Spot für Deutschland neu zu drehen: Taubstumme in den USA benutzen eine andere Zeichensprache als ihre Kollegen in Deutschland, die American Sign Language (ASL). Zwar hat sich die Abkürzung für I Love You weltweit durchgesetzt (auch wegen Spiderman), aber für den Rest würde man einen Dolmetscher benötigen. Nachher bedeuten die ASL-Zeichen in der Deutschen Gebärdensprache (DGS) so etwas wie „mein Luftkissenboot ist voller Aale“ …

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