ZEUGS: Obama ist doch nicht der Antichrist und andere religiöse Reste

April 7, 2010

Nach dem langen Eintrag zur Religionsfreiheit hier einige Reste zu dem Thema.

  • Zu Tiger Woods: Ein Mini-Pseudo-Unterskandal der Golf-Sex-Geschichte ist offenbar ziemlich (aber nicht ganz) spurlos an Europa vorbeigegangen: Woods ist ein Buddhist.

    I quit meditating, I quit being a Buddhist and my life changed upside down.

    Nun ist das an sich nicht aufregend. Aber der prominente Fernsehjournalist Brit Hume forderte ihn vor laufender Kamera bei Fox News [YouTube] dazu auf, zum Christentum zu konvertieren, weil man dann leichter Vergebung erfahren könne. Die amerikanischen Buddhisten kippten von ihren Zafus, Humes Medienkollegen spuckten Kaffee auf ihre Bildschirme, Jon Stewart von der „Daily Show“ amüsierte sich prächtig

    My circumcision just grew back

    – und jemand grub eine Statistik aus, laut der Buddhisten angeblich treuere Ehemänner sind als Christen. Merke: Wir haben nie behauptet, dass die USA die anspruchsvolleren Medien haben.

  • Zu Religionen allgemein: Die Woods-Hume-Pseudoaffäre hat allerdings eine ernstere Seite, denn die Berichterstattung über den gefallenen Golf-Gott hat dem „seriösen“ Buddhismus plötzlich viel Raum in den amerikanischen Medien beschert. Das steht im Gegensatz zu bisherigen Vorstellungen:

    [W]hen you think of Buddhism’s place in mainstream American consciousness, it’s most often seen as, if not a punch line, then a fashionable cause (think Tibet), a counterculture relic (think the Beats and their psychedelic ’60s followers), a marketing gimmick (think „Zen“ teas and glossy yoga magazines), a quasi-spiritual travel itinerary (think generations of Western backpacker-seekers in Asia […]) — or some combination of the above.

    Bei so viel Presse ist es nicht überraschend, dass einige Christen inzwischen gereizt reagieren.

  • Zurück zur Religionsfreiheit: An der privaten Trinity University in San Antonio ist ein Streit über die Diplome ausgebrochen: Dort steht nämlich nach alter Tradition In the Year of Our Lord bei der Jahresangabe. Das ist jetzt einem muslimischen Studenten aufgefallen:

    „I honestly feel like nobody actually noticed it before,“ [Isaac] Medina said. „Now that it has been brought up, the institution is trying to find its own identity. Are we or are we not a religious institution?“

    Als private Einrichtung kann die 1869 von Presbyteriern gegründete Uni natürlich auf ihre Dokumente schreiben, was sie will. Der Streit ist entstanden, weil sie sich inzwischen als überkonfessionell bezeichnet.

  • Zu Problemen mit der Statistik: Präsident Barack Obama ist wohl doch nicht der Antichrist. Das ist beruhigend.
  • Zur Beleidigung von Politikern: Vielleicht ist er aber trotzdem abgrundtief böse, so wie, nun, sagen wir mal, Adolf Hitler? Während der Amtszeit von George W. Bush wurde dieser Autor mindestens einmal im Monat gefragt, ob die USA wirklich vor einem Absturz in den Faschismus stünden (ein Grund für den Eintrag über den Aufbau der Polizei). Schuld daran war unter anderem eine gewisse Naomi Wolf, die noch 2007 die europäische Presse mit Hitler-Bush-Vergleichen kirre machte. Was erklärt sie nun, nachdem Bush das Weiße Haus friedlich geräumt hat und Obama auf dem Stuhl sitzt?

    Obama has done things like Hitler did. […] The National Socialists rounded people up and held them without trial, signed legislation that gave torture impunity, and spied on their citizens, just as Obama has.

    Das lassen wir kommentarlos so stehen und weisen nur auf einen Sachfehler hin: Der Posse Comitatus Act, der den Einsatz der Bundesarmee im Inneren verbietet, ist natürlich wieder in Kraft. Die 2006 eingeführten Änderungen wurden 2008 rückgängig gemacht – durch Bushs Unterschrift.

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