Ein Ausflug in die kanadische Währungsgeschichte

Januar 14, 2010

Eigentlich wollte dieser Autor etwas über das Verhältnis von Avatar zu Pocahontas schreiben. Allerdings gibt es bei der Indianer-Prinzessin doch mehr zu recherchieren als erwartet.

Daher gehen wir heute kurz auf einen Eintrag in einem anderen Blog ein: In The Conscience of a Liberal erklärt der Wirtschaftsnobelpreis-Träger Paul Krugman gerade, warum er den Euro immer noch für eine blöde Idee hält [ja, dieser Autor liest auch Blogs, die nichts mit Buffy oder Zombies zu tun haben. Bitte nicht weitersagen]. Am Ende schreibt der Professor:

What I’ve always found interesting is the way many Europeans now insist that a single currency is absolutely essential, when the example of Canada — which is closer to the United States than it is to itself — provides an obvious counterexample. But people tend to forget that Canada exists …

Krugman meint damit zuerst die Frage, warum die Kanadier als faktische wirtschaftliche Kolonie der USA – 80 Prozent der Exporte gehen nach Süden [PDF] – eine eigene Währung haben. Das sprengt den Rahmen dieses Blogs und wird daher mit dem Hinweis auf einen anderen Krugman-Artikel abgehandelt (eigentlich müsste die Frage ohnehin lauten, warum Kanada überhaupt noch ein eigener Staat ist, aber das nimmt man diesem Autor irgendwie immer übel).

Man könnte diesen Absatz aber auch so verstehen, dass Krugman auf die lange, chaotische Phase in der kanadische Währungsgeschichte anspielt. Denn während die USA Anfang der 1790er eine einheitliche Währung einführten, die bis heute benutzt wird, wurschtelten sich die Kanadier bis zum Uniform Currency Act von 1871 mit mehreren Sorten Geld durch. Und trotzdem funktionierte die Wirtschaft in dem Gebiet, das heute Kanada heißt. Irgendwie.

Wie chaotisch war das Chaos? Lassen wir einfach diesen Abschnitt auf uns wirken, der einen kleinen Teil der Entwicklung beschreibt:

In Nova Scotia, decimalization occurred on 1 January 1860. Nevertheless, because that province rated the sovereign at $5 instead of $4.8666, its currency remained incompatible with that of Canada and New Brunswick. New Brunswick officially decimalized on 1 November 1860, and Newfoundland followed in 1863. Like Nova Scotia, Newfoundland’s currency was not compatible with that of Canada or New Brunswick. The colony of Vancouver Island also decimalized in 1863, followed by British Columbia in 1865. 11 Manitoba decimalized in 1870, upon its entry into Confederation, and Prince Edward Island followed in 1871.

Die Wikipedia vereinfacht einige Teile mit einer Tabelle, aber sonderlich viel hilft das auch nicht. Das Ganze war etwa so messy wie ein Elch, der frontal von einem Schneepflug getroffen wurde; wer die Einzelheiten überblickt, hat, äh, einen Nobelpreis verdient. Wir bleiben oberflächlich.

Ein Teil des Problems ging dabei auf die Feigheit Loyalität der Kanadier zurück, die ja unbedingt weiter brutal geknechtete Untertanen der menschenverachtenden britischen Monarchie bleiben mussten statt im brüderlichen Bund mit den südlichen Kolonien das leuchtende Paradis der gottgewollten Freiheit zu gründen. Denn London setzte die Kanadier unter Druck, wie alle braven Subjekte der Krone das bizarre System von zwölf Pence je Shilling und 20 Shilling je Pfund zu benutzten (die Briten führten erst 1971 eine Dezimal-Währung ein). In der Praxis war aber schon damals der wirtschaftliche Einfluss der USA so stark, dass nur eine Währung nach dem Dollar-Cent-Milles-Muster realistisch war, wie sie Kanada tatsächlich inzwischen benutzt. Einige Zeit liefen beide Systeme parallel zueinander.

Zum Schluss würde dieser Autor normalerweise schon aus Prinzip einen Seitenhieb auf die Kanadier einbauen — schließlich bot die Währungssituation nördlich der Grenze den US-Bürgern jahrzehntelang gute Unterhaltung. Aber vielleicht ist das gerade bei einem deutschen Publikum nicht die beste Idee, denn auch hierzulande war 1871 ein wichtiges Währungsjahr.

Daher überlassen wir das Thema jetzt den Leuten, die für das damalige Durcheinander heute überaus dankbar sind, und kehren zu den Parallelen zwischen blauen Außerirdischen und roten Eingeborenen zurück.

%d Bloggern gefällt das: