Eine kurze Bemerkung zu den Sex-Szenen in True Blood

Dezember 19, 2009

Dieser Autor hat lange einen Bogen um die preisgekrönte Vampir-Serie True Blood gemacht, hauptsächlich weil ihm der ursprüngliche Roman Dead Until Dark von Charlaine Harris so wenig gefiel, dass er nach der Hälfte abgebrochen hat. Ein Teil des Problems ist dass gleich zwei Dinge vorausgesetzt werden – dass es Vampire gibt und Telepathie noch dazu. So richtig wollen diese zwei Grundannahmen nicht zusammenkommen.

[Empörter Zwischenruf der Schönsten Germanin: „Wieso, bei Edward gibt es das doch auch!“ Eben.]

Allerdings hat dieser Autor die Tage dann doch die ersten beiden Folgen gesehen, und muss zugeben, dass die TV-Version ganz anständig ist und sich auf jeden Fall für das Blog lohnt: Weil sie in den Südstaaten spielt, hört man ständig y’all. Zudem gibt es schöne Beispiele für den respektvollen Umgang der Amerikaner mit ihren Prominenten und Politikern („George motherfucking Bush“). Dagegen ist „Mr. President“ fast eine Liebeserklärung.

Am wichtigsten ist aber, dass True Blood eine Eigenproduktion des Abo-Kabelsenders HBO ist, in Deutschland bekannt als die Heimat von Sex and the City. Da die Serie höchstens noch auf DVD erscheinen sollte, mussten sich die Macher damit nicht um die kleinlichen Vorgaben der FCC kümmern und konnten dem Jugendschutz den Stinkefinger zeigen. Oder, wie es die englisch Wikipedia formuliert:

Since 1977, HBO has produced original programming, which includes dramas and comedies in addition to its slate of theatrical films. Most of these shows are rated TV-MA, and often feature suggestive themes and high amounts of profanity, violence, and nudity — content that would be much more difficult to get on basic cable channels, for fear of losing sponsors.

Man beachte den Hinweis, dass auch ohne staatliche Aufsicht die meisten Kabelsender sich eingeschränkt fühlen, weil die Werbe-Sponsoren mit gewissen Dingen nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Wir erinnern uns, 85 Prozent der Amerikaner haben Kabel, daher ist das ein wichtiger Werbemarkt. Bei HBO gibt es dagegen keine Werbung, sondern Monatsgebühren.

Entsprechend geht es direkt in den ersten Folgen True Blood mit diversen Sex-Szenen von Oral bis SM zur Sache, also mit Dingen, die die albernen Federn [JPG] gewisser anderer Vampire weit, weit hinter sich lassen. Direkt pornographisch ist es (in den ersten zwei Folgen zumindest) nicht, aber es fehlt nicht viel. Natürlich betont die Schauspielerin Anna Paquin, dass es dabei „respektvoll“ zuging. Wir hätten nichts anderes erwartet.

In Deutschland läuft die Serie bei 13th Street, einem Sender, der den Besuchern des Fantasy Filmfestes gut bekannt ist, aber nicht wirklich zum Mainstream gehört. Egal: Ab jetzt muss True Blood herhalten, wenn dieser Autor auf die angeblich prüden Amerikaner angesprochen wird, oder dass im US-Fernsehen angeblich keine Nacktheit gezeigt wird, oder dass angeblich niemand fuck sagen darf. Guckt die erste Episode, y’all, und dann reden wir weiter.

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