Brennende Tiger

Dezember 16, 2009

Eigentlich wollte dieser Autor nichts mit der Tiger-Woods-Saga zu tun haben, denn offenbar spielen weder Weltraumschlachten, Zombies, Elben noch wahnsinnige künstliche Intelligenzen eine Rolle. Allerdings wiederholt sich in der angelsächsischen Presse eine literarische Anspielung so häufig, dass der interessierte Leser damit nicht allein gelassen werden soll. Zum Beispiel beim Economist:

Tiger, Tiger, burning bright

Das ist eine sehr berühmte Zeile aus einem sehr berühmten Gedicht des sehr berühmten Engländers William Blake von 1794, das eigentlich „Tyger, Tyger“ hieß:

Tyger! Tyger! burning bright
In the forests of the night,
What immortal hand or eye
Could frame thy fearful symmetry?

In what distant deeps or skies
Burnt the fire of thine eyes?
On what wings dare he aspire?
What the hand dare sieze the fire?

And what shoulder, & what art.
Could twist the sinews of thy heart?
And when thy heart began to beat,
What dread hand? & what dread feet?

What the hammer? what the chain?
In what furnace was thy brain?
What the anvil? what dread grasp
Dare its deadly terrors clasp?

When the stars threw down their spears,
And watered heaven with their tears,
Did he smile his work to see?
Did he who made the Lamb make thee?

Tyger! Tyger! burning bright
In the forests of the night,
What immortal hand or eye
Dare frame thy fearful symmetry?

Das Gedicht ist zu Tode analysiert worden und das Netz ist entsprechend voller study guides für faule (oder einfallslose) angelsächsische Schüler. Das fängt mit dem Sinn der schon damals etwas ungewöhnlichen Schreibeweise von tiger an und geht hin zu der Frage, wie wahnsinnig Blake wirklich war.

Wir überlassen die Einzelheiten dem interessierten Leser zum Selbststudium, denn Blake war eine faszinierende Person mit einem enormen Einfluss auf die angelsächsische Kultur – von ihm stammt unter anderem der Red Dragon [JPG] von Thomas Harris. Er verließ London in seinem ganzen Leben nur ein einziges Mal. Und Blake war bis zu seinem Tode glücklich mit seiner Frau Catherine Blake verheiratet, mehr als 45 Jahre lang — nur so als Hinweis, Mr. Woods.

%d Bloggern gefällt das: