Warum man Angelsachsen nicht trauen sollte (wenn sie darum bitten)

November 24, 2009

Unser heutiges Beispiel hat nichts mit Zombies oder Buffy zu tun. Denn dieser Autor hat (mit der für einen berufstätigen, bloggenden, zweifachen Familienvater üblichen Verspätung) Portal [YouTube] von Valve entdeckt.

[In diesem Eintrag werden Details aus dem Spiel genannt, was man neudeutsch als spoiler bezeichnet. Wer selbst noch Portal spielen will, sollte nicht weiterlesen.]

Es geht in dem Spiel darum, unter Aufsicht einer KI namens GLaDOS in einem Labor Physik-Rätsel mit Hilfe einer Art Kanone zu lösen, die Türen in Wand und Decke schießen kann. Das fängt sehr harmlos an, so harmlos, dass Kind Nummer Eins bei der Bewältigung der ersten Karten half (den restlichen Abend verbrachte es damit, der Katze hinterher zu rennen und dabei Speedy thing goes in, speedy thing comes out! zu schreien). Später entgleist alles und die Beziehung zur KI wird brüchig (Hervorhebung hinzugefügt):

Have I lied to you? I mean, in this room? Trust me.

Der weniger kinderfreundliche Teil der Geschichte gipfelt in einem offenen Zweikampf, geführt mit Raketenwerfern und Nervengas.

If you want my advice, you should just lie down in front of a rocket. Trust me. It will be a lot less painful than the neurotoxin.

Uns geht es um das „vertraue mir“ in beiden Sätzen. Faustregel: Wenn man trust me von einem Angelsachsen hört, ist das immer sehr verdächtig. Der interessierte Leser wird sich nicht nur an die Schlange in der Disney-Version des Dschungelbuchs erinnern, sondern auch an den letzten Satz von Beverly Hills Cop, als Eddie Murphy die beiden Polizisten in eine, äh, nicht ganz beamtengerechte Bar führen will:

I know the perfect place. You guys will love it. Trust me.

Trust me finden wir in dieser ironischen Form überall. Der BBC warf in der Serie Trust me, I’m a doctor einen bösen Blick auf das britische Gesundheitssystem. Aus den 70ern ist ein Witz über New Yorker überliefert:

Q: How do you say „fuck you“ in New York?
A: „Trust me“

Entsprechend ist trust me im Alltag meist ironisch gemeint, besonders wenn es mit ernster Miene vorgetragen wird. Wie wir in einem anderen Teil unserer (vernachlässigten) Serie über Humor sehen werden, sind ernste Angelsachsen grundsätzlich verdächtig. GLaDOS sing am Ende von Portal nicht ohne Grund:

I’m being so sincere right now.

Nee, ist klar. Bei einer Sache hat sie allerdings wirklich recht: Der Kuchen ist sehr, sehr lecker.

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