ZEUGS: Autobahn-Amis, der Wäscheleinen-Kampf und die Whatever-Ideologie

Oktober 13, 2009

Dieser Autor hat – wie zu befürchten war – heute viel zu viel Zeit damit zugebracht, Wärmebilder und Endoskopie-Aufnahmen seines Dachbodens zu betrachten und sich die Eigenheiten von Dampfsperren erklären zu lassen. Entsprechend gibt es heute nur einen kurzen Eintrag.

  • Zu Deutschland in den USA: Das Magazin Wired hat in den vergangenen Wochen hilfreiche Anleitungen für US-Bürger in Deutschland geliefert: Drive on the Autobahn und Navigate Oktoberfest.

    Drive on the left when the right lane is free, and you’ll need the Berlitz Guide to German for Law Enforcement.

    Man beachte den Absatz über die most badass cops, die deutsche Polizei. Ach, und der interessierte Leser HM weist auf das Blog Ich werde ein Berliner hin, das Angelsachsen das Leben in Berlin erklärt.

  • Zum V-Zeichen: Inzwischen haben wir den Video-Beweis [YouTube], dass Valve ganz genau weiß, was die ausgestreckten Finger auf ihrem Plakat für das Spiel Left 4 Dead 2 in Großbritannien bedeuten. Bei der E3-Spielemesse diskutieren die Moderatoren mit Doug Lombardi von der Marketingabteilung von Valve über die Geste:

    Moderator: As long as it’s TV-safe.
    Lombardi: In the US.

    Es ist schmerzhaft offensichtlich, dass der Moderator entweder keine Ahnung hat, wovon Lombardi da redet, oder ihm schlicht nicht zuhört.

  • Zu Fluoriden im Trinkwasser: Das Magazin Slate hat eine lange Serie über den Stand Zahnmedizin in den USA veröffentlicht, geschrieben von einem Briten. Dieser Autor ergreift feige die Gelegenheit, das folgende Zitat daraus wiederzugeben:

    Many Americans believe they live in a classless society, but this conviction is tested by the sight of a mouth packed with mangled or missing teeth. It’s visual code for hillbilly.

    Feige deswegen, weil er seit Monaten einen höflichen Weg sucht um einen Unterschied zwischen Amerikanern und Europäern zu erklären: Gesunde, weiße Zähne sind in den USA ein Zeichen für ein Minimum an persönlicher Hygiene. Entsprechend schockiert sind Amerikaner über Europäer (und insbesondere europäische Politiker) deren Zähne verfärbt oder schief sind: Das wirkt in etwa so, als würden sie mit einer Rotzfahne auf der Oberlippe herumlaufen. Da, jetzt haben wir es gesagt. Noch deutlicher ist man natürlich im Internet (umformatiert und bereinigt):

    What’s up with European’s teeth, notably British and French citizen’s teeth? I was watching television and damn, they look like they just ate dirty rocks. And I’m talking about wealthy affluent people, not impoverished citizens. Do they not have dentists? I would see European models on television who were beautiful, but when they smiled, Jack O‘ Lantern city.

    Man bemerke wie sich die amerikanischen Teilnehmer in den Kommentaren diesen Unterschied erklären: Die Krankenversicherungen in Europa deckten offenbar nicht so viel ab wie die amerikanischen, sprich, die Gesundheitssysteme in Europa sind offensichtlich schlechter als in den USA. Und dann berichtet noch jemand, dass seine Mutter aus Deutschland kommt – Westdeutschland, betont er – wo sie als Kind noch nicht einmal Zahnbürsten gehabt hätten. So entstehen Gerüchte, diesseits wie jenseits des Atlantiks, die dann arme Blogger mühsam aus der Welt schaffen müssen. Sniff.

  • Zu Halloween, wenn wir schon von Jack O’Lanterns reden: Bei der Site Think Geek kann man Jedi-Roben kaufen. Allerdings mit einem wichtigen Zusatz zu den allgemeinen Geschäftsbedingungen: Deluxe Jedi Robes bought in October are non-returnable. Kaufe oder kaufe nicht [JPG], es gibt keine Rückgabe!
  • Zu Energieverbrauch und starke Kommunen: In Teilen der USA (und Kanadas) kämpfen Umweltschützer für das Recht auf, man halte sich fest, Wäscheleinen. Einige Städte, Kommunen und Wohnsiedlungen verbieten es, die Wäsche draußen aufzuhängen, weil es angeblich den Häuserwert vermindert: Wenn die Unterhosen im Wind flattern, so die Überlegung, muss es eine Armensiedlung sein. Immer mehr Bundesstaaten verankern das Recht auf die Leine jetzt im Landesrecht:

    Utah, Florida, Colorado, Hawaii, Maine and Vermont have all drawn a line in the sand and restored the resident’s right to act in an environmentally conscious way by drying laundry on a clothesline. Maryland, North Carolina, Oregon and Virginia have similar bills pending.

    Das wäre doch mal eine Verfassungsänderung.

  • Zu whatever: Aus dem Wort ist inzwischen so etwas wie eine politische Leitlinie geworden, berichtet der Economist:

    We are all equal Americans, gay, straight or whatever.

    Das wäre doch mal ein Motto. Der interessierte Leser DKS weist zudem darauf hin, dass whatever inzwischen als das nervigste Wort der englischen Sprache gilt. Dieser Autor würde für Deutschland im Moment „Bauteilöffnung“ vorschlagen …

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