ZEUGS: Die Fantasy-Filmfest-Ausgabe

August 20, 2009

Regelmäßige interessierte Leser werden stutzen – wie, keine Blogpause? In Berlin läuft doch das Fantasy Filmfest! Dieser Autor geht auch dahin, aber er hat Urlaub, die meisten Regale stehen inzwischen und die Kinder sind mehrere Vormittage weg. Das sind vergleichsweise paradiesische Arbeitsbedingungen, und deswegen ziehen wir jetzt das Blog durch. Vielleicht bekommen wir sogar endlich den letzten Teil der Japan-Serie hin.

Bei den Einträgen bleiben wir heute bei den Themen Fantasy, SciFi und Kino:

  • Zu Monstern: Der Blogger Stefan Niggemeier hat gestanden bemerkt, noch nie die Wo die wilden Kerle wohnen von Maurice Sendak gelesen zu haben. Als Where the Wild Things Are ist das ein must-read im amerikanischen Kinderzimmer, selbst für Präsidenten [YouTube]. Die Sprache ist genial:

    [M]ax stepped into his private boat and waved good-bye and sailed back over a year and in and out of weeks and through a day and into the night of his very own room where he found his supper waiting for him

    … und das Essen ist noch warm, weil seine Mutter ihn liebt. Der ganze Text ist zehn Sätze lang und enthält keine Kommata. Dieser Autor traut sich nicht zu gucken, was die Übersetzer daraus gemacht haben, denn schon der Titel bringt ein sexistisches Element hinein: Mindestens ein thing ist weiblich, denn sie heißen Moishe, Emil, Aaron, Tzippy, Bernard, „Goat Boy“ und Bruno. In der von Niggemeier verlinkten Verfilmung werden nicht-jüdische Namen benutzt.

  • Zu Weltraumschlachten: Der interessierte Leser GRF weist darauf hin, dass der verlinkte Star-Wars-Rap eigentlich der zweite Teil ist. Der erste ist angeblich besser [YouTube].
  • Zu außerirdischen Beleidigungen: In dem Video wird abwertend von einem nerf herder gesprochen. Der interessierte Leser wird sich schon länger fragen, was das ist, denn es ist bekanntlich der Name der Band, die das Thema zur Buffy-Serie geschrieben hat. Kurz, es ist eine Art Schäfer.
  • Zu Angst und Panik: Dieser Autor hat bei Instapundit ein neues Wort gelernt, das bei der US-Debatte über Waffenrechte auftaucht: Hoplophobie, eine übertriebene Angst vor Waffen (nicht: vor antiken griechischen Soldaten). So richtig weit verbreitet ist es nicht, aber früher oder später wird jemand es als Filmtitel verwenden, garantiert.
  • Zu Girls with Guns: Die „New York Times“ hat ein langes und lesenswertes Stück über Frauen im US-Militär geschrieben, eine Art Bestandsaufnahme in Kriegszeiten. Behandelt wird das „große Bild“ nach der langjährigen Diskussion, ob das eine gute Idee sei –

    They have cultivated a new generation of women with a warrior’s ethos — and combat experience — that for millennia was almost exclusively the preserve of men. And they have done so without the disruption of discipline and unit cohesion that some feared would unfold at places like [the military base] Warhorse.

    – und Alltagsprobleme wie mit welchem Gerät frau in die Flasche pinkeln kann, weil Militärfahrzeuge bekanntlich nicht kurz mal seitlich ‚ranfahren. Und ja, die Soldaten haben Sex miteinander. Weiter geht es um den Kulturschock, den bewaffnete, selbstbewusste Frauen bei Arabern auslösen. Zu dem Thema gibt es noch einen Bericht „Girls With Guns Get It“ über weibliche Marines im Irak:

    In the macho Arab world, an assertive female with an assault rifle is sort of a man’s worst nightmare.

    Da wird auch mehr auf die Reaktion der Irakerinnen eingegangen. Die können alle noch froh sein, dass die Schönste Germanin sich doch nicht von den Marines anwerben ließ.

  • Zu seltsamen Subkulturen: Girls with Guns als Genre stammt trotz des Namens nicht aus den USA, Milla Jovovich [JPG] in Resident Evil hin oder her, sondern aus Asien. Es ist ein Bespiel für den Einfluss Japans auf die US-Kultur. Allerdings gibt es in Europa keine nennenswerte Zahl von Einwanderern aus dem Fernen Osten, ganz Asien blockiert den Weg nach Japan und dort stehen auch nicht 50.000 Soldaten aus Europa. Daher kommt der von Experten als intercultural feedback loop bezeichnete Austausch zwischen den USA und Ostasien in der Alten Welt ironischer Weise meist als „amerikanischer Kulturimperialismus“ an. Sein Umfang in beide Richtungen wird entsprechend in Deutschland unterschätzt. Dazu ist ein eigener Eintrag in Vorbereitung.
  • Zu Strahlenwaffen: Die Aliens können kommen, denn das US-Militär arbeitet (endlich) an der ray gun. Wenn die blöden Zivilisten nicht wieder meckern:

    The public may have misgivings about a silent and invisible weapon that would boil the body’s fluids before tearing it apart in a burst of vapour.

    Wenn erstmal die Zombie Apokalypse kommt, wird für solches Warmduschertum natürlich kein Platz mehr sein. Was uns zum letzten Punkt bringt …

  • Zu Zombieangriffen: Den Link zu einer Studie [PDF] über die beste Strategie zur Bekämpfung einer Epidemie von Untoten hat dieser Autor gleich mehrfach bekommen. Wer keine Lust hat, sich mit der Mathematik hinter dem Untergang der Menschheit zu befassen, findet bei der BBC diese Zusammenfassung:

    In their scientific paper, the authors conclude that humanity’s only hope is to „hit them [the undead] hard and hit them often“. They added: „It’s imperative that zombies are dealt with quickly or else … we are all in a great deal of trouble.“

    (Fußnote: Einer der Forscher heißt Robert Smith?, mit einem Fragezeichen am Ende, das Teil seines Namens ist. Das hat irgendwas mit australischem Recht und The Cure zu tun. Es ist unterhaltsam zu sehen, welche Medien das korrekt übernommen und welche es stillschweigend fallengelassen haben.)

    Hart und häufig zuschlagen ist natürlich genau die Strategie in dem von uns besprochenen Spiel Left 4 Dead. Sprich, es sollte eigentlich zur Vorbereitung der Bevölkerung auf etwaige Katastrophenfälle kostenlos vom Staat verteilt werden. So gesehen ist das Fantasy Filmfest auch eine Art Programm zur Erwachsenenbildung. Nämlich.

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