Eierköpfe und Raketenwissenschaftler

Mai 26, 2009

Am Sonntag sind dieser Autor und die Schönste Germanin ausnahmsweise vor dem Fernseher versackt und haben Navy CIS geguckt. Kaum eine Serie verdeutlicht mehr, dass Übersetzen die Hölle ist, schon allein weil die Synchronisatoren ständig mit den Wortspielen um die israelische Austausch-Agentin Ziva David zu kämpfen haben, die ihrerseits mit den amerikanischen Sprachbildern ringt:

David: Ducky, drip it!
„Ducky“ Mallard: Do you mean „drop it“ or „zip it“?
David: Argh, American idioms drive me up the hall!
„Ducky“ Mallard: Well actually it’s … never mind.

Ducky ist ein Brite, was die Sache natürlich noch witziger macht.

Dieses Mal war es ein Dialog zwischen dem Technik-Wunderkind Timothy McGee und dem draufgängerischen Frauenheld Anthony DiNozzo, der in der deutschen Version nicht funktionierte. Nachdem McGee wieder etwas kluges gesagt hat, guckt sich DiNozzo seinen Kopf mit übertriebener Genauigkeit an und sagt dann etwas wie:

Dein Kopf hat tatsächlich Ei-Form.

Der Witz an dieser Stelle basierte darauf, dass intelligente Leute in den USA eggheads genannt werden, oft abwertend. Das kennen die meisten Deutschen nicht. Einige schon – wobei dieser Autor den Verdacht nicht los wird, dass es eingeschleppt wurde.

Der interessierte Leser denkt jetzt natürlich sofort an Folge elf der vierten Staffel von Buffy, „Doomed“, wo die böse Sportskanone Percy über unsere liebste Hexe Willow sagt:

She’s just some egghead who tutored me a little in high school. I mean, she’s nice, but come on, captain of the nerd squad.

Offenbar meinte er es mit dem Apfel doch nicht so ernst. Das wirklich Wundersame an dieser Szene ist allerdings, dass die deutsche Text- und Ton-Synchronisation auf der DVD ausnahmsweise so gut wie gleich sind. Ton:

Die kleine Streberin hat mir in der High School ein bisschen geholfen.

Text:

Das ist eine Streberin. Hat mir mal auf der High School geholfen.

Uns hilft das für Navy CIS dagegen gar nicht, denn „Streber“ passt nicht: Ein Streber muss nicht intelligent sein und ein kluger Kopf nicht strebsam. Hier ist etwas mehr Kreativität gefragt – „Dir kommt die Intelligenz ja aus den Ohren“ vielleicht.

Während wird dabei sind: Sprichwörtlich kluge Leute sind rocket scientists. Nehmen wird als Beispiel für die Country-Freunde unter den interessierten Lesern Shania Twains Lied „That Don’t Impress Me Much“:

Okay, so you’re a rocket scientist
That don’t impress me much
So you got the brain
But have you got the touch

(In dem Lied erfahren wir auch, was David statt hall hätte sagen sollen) Meist wird das Bild allerdings im negativen Sinn verwendet, also it isn’t rocket science, sprich, stell‘ dich nicht so an.

Damit leiten wir zu gleich zwei Einträgen über, einmal zu nose art, bei dem der echte Raketenwissenschaftler Wernher von Braun eine Rolle spielen wird, und einmal zu einem Haufen Nasa-Sprüche, die dieser Autor auf der Platte wiedergefunden hat. Wenn er sich bis dahin von der Couch aufraffen kann.

[Ergänzt 27. Mai 2009: Teilweise in Deutschland bekannt, zuerst Hinweis von GR, vielen Dank. Hinweis aus „Streber“ als falsche Übersetzung ungeschrieben]

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