ZEUGS: Nicht-schwule Nasenkunst, Satanismus bei Google und Waffen-Blogger

Mai 22, 2009

Laut den Statistiken von WordPress sind die interessierten Leser von nose art fasziniert, sprich, von halbnackten Frauen auf Kampfflugzeugen. Es ist doch immer wieder schön, wenn sich Leute für Geschichte begeistern. Hier liegen noch einige Links zu dem Thema herum, die wir in den kommenden Tagen zu einem kurzen Eintrag mit etwas mehr Hintergrund zusammenbauen können.

  • Zu Nose Art: Zum Beispiel können wir an den Pin-Ups sehen, wie sich die Sprache verändert hat, denn bei „Gay Caballeros“ hat gay sehr offensichtlich nicht die Bedeutung „schwul“, sondern „fröhlich“. Der Name stammt von dem Disney-Zeichentrickfilm Saludos Amigos, die Zeichnung eher nicht. Die Maschine selbst ist ein B-17 Bomber und wurde ab 1943 über Deutschland eingesetzt.
  • Zu Rosie the Riveter: Es wurden etwa 12.700 B-17 gebaut. Entsprechend sieht man in den Berichten über die amerikanische Rüstungsindustrie im Zweiten Weltkrieg oft Fotos von Frauen, die den Rumpf oder die Glasnase des Bombers zusammensetzen. Die inzwischen in Deutschland wohl bekannteste „Rosie“, Madelyn Dunham, gehörte nicht dazu: Die Großmutter von Barack Obama montierte B-29 für den Krieg gegen Japan. Der aufmerksame interessierte Leser wird bemerkt haben, dass Obama trotzdem bei seiner Rede in Berlin im Juli 2008 seinen sonst üblichen Hinweis auf ihren Militärdienst taktvoll ausließ.
  • Zu geographischen Begriffen: Der Twitter-Account von Amber Benson – Autorin und Buffy-Fans als Tara bekannt – lieferte jüngst einen lustigen Einblick in die regional unterschiedlichen Vorstellungen von „Westen“ und „Osten“. Der erste Tweet lautete:

    3 East Coast „Death’s Daughter“ Book Signings in late June! Boston, Chicago and New York City! More info to come :)

    Woauf es offenbar empörte Proteste ihrer Verfolger aus Chicago gab, denn eine Stunde später kam die Entschuldigung:

    Sorry, guys. I’m from LA. Anything past Nevada is East to me. I stand corrected.

    Das I stand corrected ist eine festgelegte Wendung.

  • Zu Netfahcstob ehcsinatas: Dinge in rückwärts abgespielten Liedern zu hören, das ist so out. Im 21. Jahrhundert entdeckt man die Anspielungen in Googles Logos. Es sind auch nicht mehr nur radikale Christen, sondern auch beleidigte Muslime, die wissen wollen, warum da mit den Schneemännern Jesus gelobt wird. Oder so.
  • Zu Mais und Transition Towns: Was wird in den USA am häufigsten angebaut? Rasen, sagt eine Nasa-Mitarbeiterin:

    „I estimate there are three times more acres of lawns in the U.S. than irrigated corn.“ This means lawns—including residential and commercial lawns, golf courses, etc—could be considered the single largest irrigated crop in America in terms of surface area, covering about 128,000 square kilometers in all.

    Das entspricht grob der Größe Griechenlands. Die Peak-Oil-Leute wollen errechnet haben, dass man mit zwei Dritteln der Fläche die ganze USA ernähren könnte. Aber Hände weg von den Football-Stadien!

  • Zum Waffenrecht: Die Zeitung „Christian Science Monitor“ hat einen Bericht über den zunehmenden Einfluss von gun bloggers, der mehrere interessante Punkte enthält. Da wäre das Eingeständnis der Waffengegner, dass die Befürworter einer liberalen Rechtslage in der Diskussion die Oberhand gewinnen. Kein Wunder bei diesen Zahlen:

    Gun control groups have roughly 150,000 members in the US while gun rights advocates number closer to 12 million, with perhaps as many as 80 million Americans owning some 200 million firearms.

    Interessant ist aber auch, dass der Aufstieg der Blogs bedeutet, dass die Waffenlobby NRA etwas die Kontrolle verloren haben soll.

  • Zum Christian Science Monitor: Da der Name schon mal in Deutschland den falschen Eindruck erweckt: Beim CSM handelt es sich nicht um ein Hetzblatt fanatischer Evolutionsgegner, auch wenn sie von einer christlichen Gruppe mitfinanziert wird, sondern um eine angesehene Zeitung. In den etwa 100 Jahren ihres Bestehens hat sie sieben Pulitzer-Preise erhalten. Der CSM ist für einen sehr offenen Umgang mit dem Internet bekannt und wechselte im April 2009 als erstes US-Blatt auf ein Webformat als Hauptform. Das alles hindert die Redakteure nicht daran, auch unverschämten Unfug zu drucken.
  • Zu Umgangsformen und den kleinen weißen Lügen: Unter sieben Empfehlungen für Smalltalk schreibt Gretchen Rubin:

    React to what a person says in the spirit in which that that comment was offered. If he makes a joke, even if it’s not very funny, try to laugh. If she offers some surprising information („Did you know that one out of every seven books sold last year was written by Stephanie Meyer?“), react with surprise.

    Genau dieses Beispiel dürfte die Schönste Germanin vor große Schwierigkeiten stellen … nur eins von sieben? Nie!

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