Benedict Arnold, der fiese Mutterlandsverräter

April 14, 2009

Eigentlich sollte dieses Blog langsam zu Buffy zurückkehren. Aber dieser Autor ist böse auf die Macher, den sie haben in Heft 24, wie der interessierte Leser wissen wird, Giles und Faith nach Deutschland geschickt – einem sehr seltsamen Deutschland allerdings, wo es keine Autos gibt und die Menschen in ihren braunen Mänteln und komischen hohen Fellhüten mit der Dampfeisenbahn herumtuckern. Dass „Oktoberfest“ mit „c“ auftaucht und „Bäckerei“ gleich auf drei verschiedene Arten falsch geschrieben wurde, macht die Sache nicht besser.

Angeblich soll es nach Berlin weitergehen. Wir werden dann sehen, ob die ausführliche und ungehaltene Beschwerdemail dieses Autors Wirkung gezeigt hat.

Bis dahin gehen wir zurück ins Forum von Left 4 Dead, wo es letztens Vorschläge für neue Varianten der schon besprochenen Achievements gab. Eine dieser Errungenschaften, nicht ganz ernst zu nehmen, würde einen Zombie belohnen, der entgegen seiner Natur einem hilflosen Spieler hilft (umformatiert):

„Benedict Arnold“: As an Infected, revive an incapacitated Survivor.

Was im Forum zur Frage eines (hoffentlich) Nicht-Amerikaners führte, wer Benedict Arnold sei.

Arnold gehört neben dem deutschen Atomforscher Klaus Fuchs, dem FBI-Agenten Robert Hanssen und seinem CIA-Kollegen Aldrich Ames zu den bekanntesten Verrätern der amerikanischen Geschichte. Weil er als General im Unabhängigkeitskrieg der erste wirklich große Verräter war, wird sein Name bis heute mit besonderer Verachtung bedacht.

(Einige Amerikaner werden in der Liste Jane Fonda vermissen, in diesem Zusammenhang als „Hanoi Jane“ bekannt. Die Barbarella-Schauspielerin unterstützte während des Vietnam-Kriegs den Norden, ließ sich in Flak-Stellungen der Vietcong fotografieren und nannte zurückkehrende US-Kriegsgefangene, die von ihrer Folter im „Hanoi Hilton“ berichteten, Lügner. Später entschuldigte sie sich. Wir werden die Diskussion hier nicht aufgreifen.)

Arnold (1741 bis 1801) war ein Händler, der sich früh als Offizier im Unabhängigkeitskrieg auf Seiten der Guten bewährte. Er war aber der Ansicht, dass seine Leistungen nicht genug von der Heeresleitung unter George Washington gewürdigt wurden, nicht ganz zu unrecht, wie Historiker heute sagen. Zudem wollte er keinen kompletten Bruch mit dem Mutterland, sondern eine Rückkehr unter die Herrschaft der Krone, wenn der Streit um die politische Rolle der Kolonien beigelegt worden war. Und schließlich hielt er das Bündnis der Rebellen mit den Franzosen für einen fürchterlichen Fehler, denn das waren böse Katholiken.

Arnold nahm Kontakt mit John André auf, einem Mitarbeiter des britischen Generals Henry Clinton. Über Monate hinweg verriet er Geheimnisse an die Briten. Im August übernahm er das Kommando über West Point. Er bot den Briten an, die Festung zu übergeben. Im Gegenzug wollte er 20.000 Pfund und einen hohen Offiziersrang in der britischen Armee. André wurde im September von kolonialen Milizen geschnappt, zusammen mit Dokumenten über West Point. Er wurde hingerichtet, während sich Arnold rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Obwohl Arnold versagt hatte, gaben ihm die Briten Geld.

Eine Zeit lang kämpfte er gegen seine ehemaligen Kameraden, aber die Briten misstrauten ihm, und so zog er nach London. Er schrieb einen Brief an die Amerikaner, in dem er seine Taten zu rechtfertigen versuchte, ein wunderbares Beispiel dafür, dass plain English ein modernes Phänomen ist:

In the firm persuasion, therefore, that the private judgement of an individual citizen of this country is as free from all conventional restraints, since as before the insidious offers of France, I preferred those from Great Britain; thinking it infinitely wiser and safer to cast my confidence upon her justice and generosity, than to trust a monarchy too feeble to establish your independency, so perilous to her distant dominions; the enemy of the Protestant faith, and fraudulently avowing an affection for the liberties of mankind, while she holds her native sons in vassalage and chains.

Wie es sich für einen Verräter gehört, waren sein letzten Jahre von Krankheit und Geldsorgen geprägt. Kommt davon.

Arnold stellt die Amerikaner vor ein Problem. Er mag später zwar eine fiese Verrätersau gewesen sein, der sich gegen sein Vaterland Mutterland wandte. Aber er war dummerweise am Anfang des Krieges ein äußerst fähiger General. Seine heldenhafte Leistung bei der Battle of Saratoga macht es schwer, ihn einfach aus der Geschichte zu löschen: Die Schlacht war der Wendepunkt des Unabhängigkeitskrieges und überzeugte die Franzosen davon, dass der zusammengewürfelte Rebellenhaufen gewinnen konnte (was natürlich ironisch ist). Zudem wurde Arnold bei der Schlacht am Bein verletzt.

Das Problem wurde mit folgender Inschrift am Boot Monument im Saratoga National Park gelöst:

In Memory of the most brilliant soldier of the Continental Army. who was desperately wounded on this spot, the sally port of Burgoyne’s „Great (Western) Redoubt“ 7th October 1777, winning for his countrymen the Decisive Battle of the American Revolution and for himself the rank of Major General.

Der aufmerksame interessierte Leser wird bemerken, dass nirgendwo der Name des Geehrten auftaucht. Die Amerikaner ehren in gewisser Weise nur sein Bein.

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn die deutschen Söldner bei Saratoga besser gezielt hätten. Wäre Arnold dort gestorben, würde man ihn heute einen der größten Amerikaner der Revolution nennen, nicht einen Verräter, den selbst Zombies verachten.

%d Bloggern gefällt das: