Sporks, Runcible Spoons und Zombie-Haikus

Februar 9, 2009

Computer-Spieler sind bekanntlich Schöngeister. Das sehen wir im Moment an dem Haiku-Thread im Forum unseres Zombie-Shooters Left 4 Dead.

(Ein Haiku, falls jemand es nicht wissen sollte, ist ein japanisches Gedicht mit einer festgelegten Silbenzahl. Traditionell gibt es drei Zeilen mit fünf, sieben und dann wieder fünf Silben. Um Haikus richtig zu genießen, muss man angeblich Japanisch können, etwa so, wie Shakespeare nur im klingonischen Original die volle Wirkung entfaltet. Allerdings ist Englisch wegen der vielen kurzen Wörter und Synonyme anpassungsfähig genug, um eine eigene Haiku-Bewegung zu tragen.)

Schauen wir uns die tiefgründigen Zeilen an, die ein L4D-Spieler namens Pandas Go Nom über die Untoten gedichtet hat:

The zombies they crave
What you have inside your head
They eat it with sporks

Gut, ein kigo ist nicht zu erkennen. Aber das letzte Wort ist interessant: spork. Das ist eine Kombination aus spoon und fork, was gleich die Funktion klar macht: Ein Löffel, mit dem man auch Dinge aufspießen kann [JPG]. Beide Funktionen erfüllt sie mehr schlecht als recht, wie Dogster von den Straight Dope aus seiner Jugend berichtet:

I used sporks as a young pup at camp and for the most part I found them fairly useless. The tines were too short to spear anything with any resistance, and soup tended to dribble through the gaps.

Die deutsche Wikipedia behauptet, dass es als Übersetzung das Wort „Göffel“ gibt. Geläufig ist es allerdings nicht. Die Schönste Germanin, endgültige Autorität in allen kulinarischen Fragen, hat es genauso wenig gehört wie die unfreiwilligen Teilnehmer einer Blitzumfrage im leidgeprüften Bekanntenkreis dieses Autors. Google gibt etwa 4.000 Hits, nur einige hundert mehr als für „scot w. stevenson“. Das sagt alles.

Wenn man einem Germanen eine Spork beschreibt, weiß er schon, was gemeint ist. Daher führte auch eine Szene am Anfang von Wall-E nicht zu heilloser Verwirrung, als der kleine Müll-Robotor nicht weiß, ob er eine Spork zu den Gabeln oder Löffeln legen soll. Aber in Deutschland wird nicht viel über sie geredet.

Bei den Angelsachsen gibt es dagegen eine ganze Subkultur, die sich mit der wunderbaren Welt der Plastik-Sporks beschäftigt. Sie stehen für billiges Essen in liebloser Umgebung. Wir können spekulieren, dass hier der Grund für die Sporklosigkeit der der deutschen Sprache zu suchen ist: Es gibt kaum Ganztagsschulen und das klassische Fast-Food der Germanen wie Pommes-Schranke, Currywurst oder Döner kommt ohne Löffel aus. Deutsche machen dafür komische Dinge mit ihren dreigezinkten Pommesgabeln.

Damit entgeht den Germanen aber der Spaß, aus einer Spork einen foon zu machen. Denn den Löffel-Teil einer richtig billigen Spork kann man durchdrücken – to foon a spork – und damit das Esswerkzeug umkehren. Der Name wird entsprechend andersherum zusammengestellt, aus fork und spoon statt aus spoon und fork (allerdings scheinen einige Leute Foon als Synonym für Spork zu benutzen).

Damit können wir das Poesie-Thema dieses Eintrags wieder aufgreifen und einen sinnlosen Reim vorstellen, auch wenn es kein Haiku ist:

When the fork and the spoon united, the spork and foon were created!

Es gibt einen Haufen Gerüchte darüber, wann Sporks erfunden wurden. Gesichert ist, dass Sporks ab 1909 im Oxford English Dictionary auftauchen, unter Hinweis auf einen Versandkatalog. Sie sind damit mindestens 100 Jahre alt.

Hartnäckig hält sich die Vorstellung, dass sie zuerst 1871 als runcible spoon in The Owl & The Pussy-Cat von Edward Lear zu finden sind. Allerdings ist a) in der dazugehörigen Zeichnung [PNG] ein normaler Löffel zu sehen und b) runcible ein Unfug-Wort, das in der englischen Literatur für alles mögliche benutzt wird. Der interessierte Leser wird sofort an Neal Stephensons preisgekrönten Bildungsroman The Diamond Age denken, wo es der Codename für das Nanotech-Überbuch ist. Mit Sporks haben diese Löffel nichts zu tun.

In der Gerüchteküche Internet findet man die bizarre Behauptung, dass Sporks von den Amerikanern nach dem Zweiten Weltkrieg erfunden wurden. Angeblich war der Chef der Besatzungsmächte in Japan, Douglas MacArthur (in den entsprechenden Texten bezeichnenderweise oft „McArthur“ geschrieben), der Meinung, Stäbchen seien unzivilisiert, wollte aber nicht, dass die Japaner mit Gabeln „bewaffnet“ werden. Daher ließ er den Spork entwickeln.

Das ist ein modernes Märchen. Allein die Vorstellung, dass Millionen Japaner sich ihre Gabeln schnappen und mit dem Banzai-Schrei auf die nächsten GIs stürzen, ist hochgradig albern. Schließlich gab es in Japan keinen Mangel an Baseball-Schlägern, Sushi-Messern oder, sagen wir mal, Schraubendrehern. Abgesehen davon hatten weder die halb verhungerten Japaner noch die Amerikaner nach dem Krieg die Ressourcen frei, um kurz mal etwa 100 Millionen Sporks herzustellen.

In gewisser Weise ist das schade, denn die Japaner hätten richtige Spork-Haikus machen können. So müssen wir uns mit einem weiteren englischen Exemplar zufrieden geben, diesmal von Eric Sharwell:

All bow to the spork
Lovely plastic work of art
In rainbow colors

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