Britney Spears, „Bild“ und die zweite Bedeutung des Wortes „Killer“

Januar 19, 2009

Heute dokumentieren wir einen interessanten Fall von Kulturimperialismus. Es geht um das Wort killer, das einen festen Platz im Deutschen hat, vermutlich weil „Auftragsmörder“ so lang ist und „Töter“ albern klingt. Daher kommt auch der neudeutsche Begriff des „Killer-Spiels“.

So weit so gut. Aber killer hat im Englischen eine zweite Bedeutung als Adjektiv, nämlich im Sinne von „geil“, „super“ oder „fantastisch“. Das bei Mac OS X mitgelieferte Lexikon bietet das Beispiel

they make a killer salsa

Das heißt nicht, dass das Zeug giftig ist, selbst wenn man am nächsten Tag auf dem Klo am liebsten sterben möchte.

Diese Bedeutung war in Deutschland bislang nicht angekommen. Im Duden-Fremdwörterbuch dieses Autors ist nur von Auftragsmördern die Rede. Selbst der Verein Deutscher Sprache (VDS), der die amerikanische Lebensart für den Niedergang des Deutschen verantwortlich macht, dabei Begriffe wie „unser genokulturelles Erbe“ und „Kulturvernichtung“ benutzt und gegen Halloween wettert, führt sie nicht in ihrer interaktiven Giftliste. Dieser Autor hat in seiner Jugend wiederholt erklären müssen, dass die Frau in dem Queen-Lied „Killer Queen“ trotz des ganzen Geredes über Laser-Strahlen und Sprengstoff keine Mörderin ist, sondern eine high class girl.

Nun aber fand sich vor einigen Tagen in der Online-Ausgabe der auflagenstärksten Zeitung Deutschlands die folgende Überschrift:

Hier zeigt Britney ihren neuen Killer-Körper

Dieser Autor hat – natürlich nur zu wissenschaftlichen Zwecken – sich alle 34 Bilder der Fotostrecke angeschaut. Um wirklich sicher zu gehen, hat er auch einige rein zufällig ausgewählte, ältere Berichte wie „Britney Spears schon wieder ohne Höschen unterwegs“ gesichtet. Keine Leichen. Offensichtlich geht die „Bild“-Redaktion davon aus, dass ihre Leser genau wissen, was gemeint ist. Damit dürfte auch die zweite Bedeutung von killer Deutschland erreicht haben.

Völlig neu ist das natürlich nicht. Informatiker und andere Computerkundige kennen auch in Deutschland die „Killer-Applikation“, eine brutal direkten Übersetzung von killer application. Da es im Deutschen den „Mordsspaß“ gibt, ist der Schritt zum Killer auch nicht so groß. Neu ist, dass er tatsächlich gemacht wurde und dass das Wort jetzt im Mainstream angekommen ist. Der Duden wird seinen Eintrag um die zweite Bedeutung ergänzen müssen.

Das bringt natürlich die Gefahr mit sich, dass zukünftige Generationen von Germanen gewisse neudeutsche Konstruktionen genauso verwirrend finden wie Angelsachsen heute. Nehmen wir „Killer-Spiel“: Ein killer game ist ein supergutes Spiel. Entsprechend geht es in dem Buch Killer Game Programming in Java von Andrew Davison um Spiele im allgemeinen, nicht nur um first-person shooter. Ein ähnliches Problem hatten wir schon bei „Ego-Shooter“ besprochen.

Dagegen steht, dass man jetzt von einem „Killer-Killer-Spiel“ sprechen kann. Das hat was. Noch besser: Wenn man mit dem Buch von Davison ein Spiel in Java programmiert, in dem man die Mörder mit Gewalt stoppen muss, und das Spiel sehr gut wird, ist das ein „Killer-Killer-Killer-Spiel“.

Wie dieser Autor seinen amerikanischen Bekannten immer wieder erklärt: Deutsch ist eine wunderbare Sprache.

(Nach einem Hinweis von DKS, vielen Dank)

[Ergänzt 20. Januar 2009: Hinweis auf „Killer-Applikation“ und „Mordsspaß“, zuerst vorgeschlagen von FH, vielen Dank]

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