Die Struktur der Ligen und der Saisonverlauf beim American Football

Dezember 9, 2008

Wir weichen von unserem angekündigten Programm ab, um ein wahrhaft historisches Ereignis zu vermelden: Die Arizona Cardinals haben zum ersten Mal seit 33 Jahren die Divisionsmeisterschaft gewonnen. Als Sieger in der NFC West werden sie nach 1947 auch endlich wieder Gastgeber eines playoff-Spiels sein. Dieser Autor vertraut darauf, dass die interessierten Leser bis heute durchgefeiert haben.

Das ist eine gute Gelegenheit, die Struktur der Ligen beim American Football zu erklären. Der Aufbau beim Fußball in Deutschland ist bekanntlich primitiv unkompliziert und daher kann es schwierig sein zu verstehen, wie der Weg zum Superbowl (übrigens am 1. Februar 2009) aussieht.

Am einfachsten ist das System zu verstehen, wenn man sich zwei Dinge klar macht: Erstens, die USA sind schweinegroß, weswegen man die Wege in der regulären Saison begrenzen will. Zweitens, früher gab es zwei konkurrierende Ligen, die in ruinöser Konkurrenz um die besten College-Spieler standen. Die heutige National Football League (NFL) entstand 1970 aus ihrer Fusion.

Deswegen ist die NFL immer noch in zwei conferences aufgeteilt, die National Football Conference (NFC) und die American Football Conference (AFC). Beide decken das ganze Land [Karte] ab. Die Cardinals, um bei dem einzigen relevanten Beispiel zu bleiben, gehören zur NFC.

In der nächsten Stufe werden diese beiden Unterligen in je vier geographische divisions aufgeteilt, die nach den Himmelsrichtungen benannt sind. Besonders im Westen des Landes werden dabei große Gebiete abgedeckt: In der Heimat-Division der Cardinals, der NFC West, sind neben Arizona die San Francisco 49ers, die St. Louis Rams und die Seattle Seahawks zusammengefasst. Von Seattle nach St. Louis sind es 2775 Kilometer, mehr als von Paris nach Moskau.

(Football nimmt unter den nordamerikanischen Sportarten eine Sonderstellung ein, denn im Gegensatz zu Baseball, Basketball, Eishockey und Fußball spielen keine kanadischen Teams mit. Das liegt daran, dass die Regeln des Canadian Football etwas anders sind.)

An dem Beispiel sehen wir, dass in jeder Division vier Mannschaften spielen. Damit kommt man insgesamt auf 32 Teams. Nicht nur die Zahl ist festgelegt, sondern auch die Zugehörigkeit zur NFL: Aufstieg und Abstieg gibt es nicht. Durch Verfahren, die wir erstmal überspringen, wird versucht, die Mannschaften immer etwa gleich stark zu halten. So etwas wie den Dauer-Sieger Bayern München soll es nicht geben, denn das wäre langweilig.

Das ist der Aufbau der Liga. Jetzt kommt der Ablauf der Saison.

Die regular season fängt am Wochenende nach Labor Day an, dem ersten Montag im September. Jede Mannschaft absolviert 16 Spiele:

  1. Sechs Spiele: Zwei Mal gegen jede andere der drei Mannschaften in der eigenen Division, einmal zu Hause und einmal auswärts.
  2. Vier Spiele: Gegen jede Mannschaft aus einer anderen Division aus der eigenen Konferenz, zwei davon auswärts und zwei zu Hause. Jedes Jahr wird gegen die Mannschaften einer anderen Division gespielt, was einen Drei-Jahres-Zyklus ergibt.
  3. Vier Spiele: Gegen jede Mannschaft aus einer anderen Division aus der anderen Konferenz, zwei davon auswärts und zwei zu Hause. Jedes Jahr wird gegen die Mannschaften aus einer anderen Division gespielt, was einen Vier-Jahres-Zyklus ergibt.
  4. Zwei Spiele: Gegen die Mannschaften in der eigenen Konferenz, die in anderen Divisionen auf dem gleichen Tabellenplatz abgeschlossen haben. Ausgenommen ist die Division aus Punkt 2, gegen die man ohnehin schon gespielt hat. Ein Spiel findet auswärts, eins zu Hause statt.

Klarer wird das Ganze durch einen Blick auf eine Tabelle [PNG], die unverständlicherweise die Cleveland Browns aus der AFC North als Beispiel benutzt. Das Verfahren stellt sicher, dass jede Mannschaft mindestens alle vier Jahre gegen jede andere in den USA spielt. Gleichzeitig wird dafür gesorgt, dass geographisch näher gelegene Mannschaften häufiger gegeneinander spielen. Örtliche Rivalitäten müssen gepflegt werden, wie jeder in auf Schalke und in Dortmund wissen wird.

Gegenwärtig wird diskutiert, nach 2009 die Zahl der Spiele jeder Mannschaft auf 18 zu erhöhen. Zudem wird überlegt, aus missionarischen Gründen mehr Spiele im Ausland auszutragen. Damit hat die NFL Erfolg: Im Oktober 2008 kamen 82.000 Fans zu einem Spiel der New Orleans Saints gegen die San Diego Chargers im Wembley Stadium in London, ein Ort, den auch Deutsche kennen.

(Der britische Rasen genügte allerdings nicht den Standards der NLF, wie der Trainer von New Orleans, Sean Payton, erklärte:

The footing was bad, the field was slick and choppy […]. After our run-through on Saturday we knew it would be a sloppy field regardless of whether it rained.

Dazu sollte man vielleicht wissen, dass New Orleans das Spiel gewann.)

Am Ende der regulären Saison stehen die playoffs. Jede Konferenz veranstaltet dabei ein eigenes Mini-Ausscheidungsturnier [PNG] mit ihren vier Divisions-Siegern und zwei wild card-Mannschaften. Das sind die beiden Teams, die nach dem Abzug der vier Sieger in der Konferenz das beste Ergebnis hatten.

Äh, wird der interessierte Leser jetzt sagen. Ein Ausscheidungs-Tournier mit sechs Mannschaften? Wie geht das denn?

Die nach Punkten besten zwei Mannschaften unter den vier Siegern machen zuerst Pause, während die Nummern Drei und Vier gegen die zwei Wild-Card-Mannschaften spielen. Nach dieser Wild Card Round folgt die Divisional Round mit den dann vier Mannschaften. Aus ihnen gehen die Finalisten für die Meisterschaften der Konferenzen hervor.

Die Sieger der AFC und NFC treten schließlich zu dem letzten und größten Duell gegeneinander an – dem berühmten Superbowl.

Für die Cardinals ist der Weg also noch weit. Dass sie als älteste Profi-Mannschaft der Liga noch nie im Superbowl gestanden haben, kann dabei den wahren Fan nicht schocken. Schließlich wurde das Team 1899 gegründet, im selben Jahr wie eine gewisse Mannschaft aus Hoffenheim.

[Korrigiert 1. Feb 2009: New Orleans gewann das Spiel, statt es zu verlieren. Zuerst gesehen von AD, vielen Dank]

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