ZEUGS: Thanksgiving, die Betten im Weißen Haus und West ist Ost

November 29, 2008

Wünsche einen schönen Thanksgiving gehabt zu haben! Neben Bergen von Rest-Truthahn türmen sich hier Berge von E-Mail und Kurzeinträgen hier auf. Beim Vogel kann die Katze helfen, bei den E-Mails klappt das nicht so gut.

  • Zu Halloween: Wir hatten vergessen, die Statistiken für dieses Jahr zu veröffentlichen, zum Beispiel dass 110 Millionen Häuser als potenzielle Ziele der 36 Millionen Kinder im Trick-or-Treat-Alter warteten, oder dass 93 Prozent der US-Bürger ihre Nachbarschaft für sicher halten und etwa 500.000 Tonnen Kürbisse im Jahr angebaut werden. Und das waren die trivialen Fakten für heute.
  • Zur Wahl: Wer sich fragt, wie die Machtübergabe abläuft, kann im Handbuch nachschlagen. Ein guter Einstieg wäre es, die ganzen Abkürzungen [PDF] auswendig zu lernen.
  • Zur Wahl, nochmal: Die wirklich wichtigen Dinge sind allerdings schon besprochen: Die Bush-Töchter Barbara und Jenna haben den Obama-Töchtern Sasha und Malia gezeigt, wie man am besten auf die Betten im Weißen Haus springt. First Lady Laura Bush hält das für dringend notwendig:

    They’re really tall beds; you need to get a running start.

    Wir können aufatmen, die Kontinuität ist sichergestellt.

  • Zu Wahlmännern: Die meisten Landkarten zur Wahl haben die Bundesstaaten gezeigt. Interessant ist zu sehen, in welchen Landkreisen Barack Obama gewonnen hat.
  • Zu Himmelsrichtungen: Die Karte grade stammt aus dem Blog Strange Maps, für das sich das ganze Internet gelohnt hat (zusammen mit I Can Has Cheezburger? natürlich). In einem anderen Eintrag wird beschrieben, warum West und Osten als geopolitische Begriffe für Amerikaner keinen richtigen Sinn erheben:

    From the US, the shortest route to what’s conventionally called „the East“ is in fact via the west. Going in that direction, you’ll hit the „Far East“ before you’re in the „Middle East“. And Europe, or at least that part usually included in „the West“, lies due east.

    Der Autor – also, der Autor, nicht dieser Autor – hat die Hoffnung, dass durch die „abnehmende Bedeutung Europas“ auch endlich die dominant eurocentric toponymy abgeschafft wird. Schon jetzt würden die Australier den „fernen Osten“ als den „nahen Norden“ bezeichnen. Das wird die Ostfriesen verwirren.

  • Zu Änderungsvorschlägen, während wir dabei sind: Das Blog Nothing for UnGood hat eine ganze Reihe davon, in beide Richtungen. Der beste Idee aus den Kommentaren ist die, endlich richtiges Brot in den USA einzuführen.
  • Zu Achtung: Wired hat einen Artikel über Zeppelin-Flüge über London. In Rückgriff auf den Ersten Weltkrieg lautet die Überschrift natürlich …
  • Zu den Atombombentoten: Wir sollten darauf hinweisen, dass es eine große (und schnell wachsende) Gruppe von US-Bürgern gibt, deren Reaktion auf solche Diskussionen für Europäer unerwartet kommt: Sino-Amerikaner. Angesichts 20 Millionen Toter in China durch die japanische Invasion, der Biowaffen- und Menschenversuche der Einheit 731 mit ihren anhaltenden Folgen, den wochenlangen Massakern in Nanking und anderen japanischen Kriegsverbrechen halten viele von ihnen die Debatte über einige Hunderttausend Atombombentote für irrelevant oder gar einen Versuch der Japaner, sich als Opfer darzustellen. Am bekanntesten ist die US-Historikerin Iris Chang, Autorin des Sachbuch-Bestsellers The Rape of Nanking. Das gleiche Prinzip gilt auch für Philippino-Amerikaner, insbesondere wegen des Sack of Manila. Amerikaner japanischer Abstammung sehen das oft anders.
  • Zum Begriff Nazi: Schwierig für Deutsche kann zusätzlich sein, dass das Lager Ping Fan wie selbstverständlich als Asian Auschwitz oder Auschwitz of the East bezeichnet wird. Mehr noch, auch in ernsthaften Medien wie den New York Times werden die Versuchsreihen der Japaner als schlimmer beschrieben:

    [W]hile Nazi scientists like Josef Mengele conducted hideous experiments on concentration camp prisoners, their lesser-known Japanese counterparts, led by Gen. Shiro Ishii, were waging full-scale biological warfare and subjecting human beings to ghastly experiments of their own — and on a far greater scale than the Germans.

    Ausdrücklich sind hier nicht die Vernichtungslager gemeint, sondern die Versuche. Trotzdem wird vom Asian Holocaust gesprochen. Chang benutzt das Wort für die Massenmorde in Nanking.

  • Zum Bürgerkrieg: Newsweek hatte während der Wahl einen Bericht darüber, wie sehr der zentrale Krieg der US-Geschichte im Süden noch gegenwärtig ist.
  • Zu Sprachen: Wir haben in diesen Blog schon allein wegen des Speicherplatzes und der juristischen Probleme keine Bilder. Aber der interessierte Leser AD schickt einen Link [JPG] zu einem Wahlschild aus der FAZ, der die Vielsprachigkeit in Teilen der USA deutlich macht.
  • Zu Religion: Mehr und mehr Amerikaner wollen die Religion (wieder) aus der Politik zurückdrängen. Ob der Trend anhält, ist unklar.
  • Zur Religion, nochmal: Denn wenn das wirklich so weitergeht, werden die USA wie Großbritannien, wo ja bekanntlich kaum jemand noch zur Kirche geht. Und wer ist daran schuld? Nun, natürlich Buffy! Denn die Serie, so die Soziologin Kristin Aune, verleite Frauen dazu, sich dem Heidentum zuzuwenden:

    Because of its focus on female empowerment, young women are attracted by Wicca, popularised by the TV series Buffy the Vampire Slayer.

    Das amerikanische Fernsehen als Ursache für den Niedergang der Church of England? Wenn das die Pilgrims gewusst hätten, hätten sie bestimmt vor Freude noch einen Schlag Truthahn ‚draufgelegt.

    • Advertisements
%d Bloggern gefällt das: