ZEUGS: Executive Orders, Sommerzeit ist Blödsinn und Landkarten

November 10, 2008

Monty Python muss noch einige Tage warten, denn in der deutschen Presse ist am Wochenende heillose Verwirrung ausgebrochen. Dort stand zu lesen, dass der kommende Präsident Barack Obama sofort nach dem Antritt „Gesetze“ von George W. Bush per Verordnung außer Kraft setzen wolle. Äh. Oder per Verfügungen Verordnungen von Bush verwerfen? Erlasse per Gesetz erlassen? Was denn jetzt?

  • Zur Gewaltenteilung: Wie so häufig ist hier die Eigenständigkeit der Exekutive das Problem. Bush hat als Präsident – wie seine Vorgänger auch – Executive Orders (EO) erlassen, etwas, was es Mangels getrennter Exekutive in Deutschland in dieser Form nicht gibt. Nachfolgende Präsidenten können sie genauso leicht wieder aufheben wie sie erlassen wurden. Mit Gesetzen hat das nichts zu tun, denn die EOs sind schwächer. Wo das hinführt, wenn ein Präsident Gesetze außer Kraft setzen darf, sehen wir an Venezuela.
  • Zu der Sommerzeit: Zu den Dingen, die dieser Autor abschafft, wenn er an die Macht kommt – nicht als Präsident, sondern mit einem richtigen Titel wie Gottkönig – gehört der Unfug, im Sommer mit der Uhrzeit zu spielen. Zumindest im Bundesstaat Indiana verbraucht das nämlich zusätzliche Energie statt sie zu sparen:

    We estimate a cost of increased electricity bills to Indiana households of $9 million per year. We also estimate social costs of increased pollution emissions that range from $1.7 to $5.5 million per year.

    Die Autoren gehen davon aus, dass der Effekt in anderen Teilen der USA noch ausgeprägter ist. Außer natürlich in Arizona, wo es keine Sommerzeit gibt.

  • Zur Wahl: Auch bei der Wahlbeteiligung gab es Verwirrung. Zwar ist sie in absoluten Zahlen mit bis zu 128,5 Millionen ein Rekord. Angesichts der schnell wachsenden Bevölkerung ist das aber kein Wunder. Als Anteil sind das dagegen knapp 62 Prozent, weniger als der „moderne“ Rekord von 67 Prozent 1960. Historisch unangefochten bleibt die Wahl von 1876 mit 81,8 Prozent. Allerdings durften Frauen, junge Bürger und viele andere mehr damals noch nicht teilnehmen.
  • Zu Minderheiten: Nach den Vietnamesen in Kalifornien weist die Ehrenwerte Mutter auf Tongaer in Texas hin. Die Football-Mannschaft der Trinity High School in Euless veranstaltet entsprechend vor ihren Spiele eine Haka [YouTube], die man sonst von den Kollegen auf Hawaii [YouTube] und den Rugby-Spielern aus Neuseeland [YouTube] kennt. Sehen so Leute aus, die sich mit einem torlosen Unentschieden zufrieden geben?
  • Zu American Football: Natürlich nicht. Entsprechend ist es kein Wunder, dass Football selbst in Mexiko immer beliebter wird. Kulturimperialismus funktioniert halt auch auf Spanisch.
  • Zur Meinungsfreiheit: Es blieb auch in diesem Wahlkampf nicht aus, dass die Kandidaten mit Adolf Hitler verglichen wurden, zum Beispiel Hillary Clinton oder John McCain. Das ist wohl eine Sonderform von Godwin’s Law. Wer glaubt, Obama sei wegen seiner Hautfarbe gegen immun, sollte sich besser Attack of the Killer Tomatoes [YouTube] wieder ins Gedächtnis rufen. Alles nur eine Frage der Zeit.
  • Zu Witze über Obama: Der Komiker Bill Maher ist unglücklich über den Ausgang der Wahl:

    It’s very difficult. We have been spoiled, first with Bill Clinton and then George Bush. And here’s a president now who — he’s not stupid. He’s not angry. He’s not a phony. He’s not fat. He’s not cheating on his wife. Who needs a jerk like that around for the next four years?

    Die Hautfarbe ist für Maher kein Problem: He’s not a black person. He’s the president.

  • Zur direkten Demokratie: Der interessierte Leser TB weist auf die Ballotpedia hin, eine Wiki mit den Ergebnissen der Volksbefragungen.
  • Zur Briefwahl in Oregon: Weil dort alles per Briefwahl gemacht wird, sind vielleicht die Wahlinfos interessant, die jeder Bürger zugeschickt bekommen hat. Das erste Dokument hat 155 Seiten.
  • Zu Literaturempfehlungen: Tony Hillerman ist tot.
  • Zu Halloween: Man kann sich seine Kürbisse auch per Roboter schnitzen lassen. Auch haben wollen!
  • Zu Gang Signs: Für die interessierten Leser, die mehr über the shocker wissen wollen, aber sich nicht trauten zu fragen, hier eine Diskussion darüber in einer amerikanischen Studentenzeitung. Was diesen Autor daran erinnert, dass noch ein Eintrag aussteht, wie Deutsche auf den lustigen Gedanken kommen, die Amerikaner seien Prüde.
  • Zu Unterteilungen in den USA: Dieser Autor wird häufig gefragt, in welche Regionen man die USA noch teilen kann oder welchen Charakter welche Landesteile haben. Wir bieten heute dazu die Bezeichnungen für Softdrinks, Naturkatastrophen [PDF] und Tee-Sorten bei McDonalds als Marker für Nord- und Südstaaten als Beispiele an.
  • Zu Polizei-Daten gibt es eine andere Karte: Nimmt man die Adressen der Schießereien in Chicago und trägt sie bei Google Maps auf, weiß man, wo man vielleicht nicht wohnen möchte.
  • Zu Laptops: Danke an alle, die Partei für die Anschaffung eines neuen MacBooks ergriffen haben. Leider hat die Schönste Germanin Recht wenn sie sagt, dass ihre Maschine noch älter ist und eine kaputte L-Taste hat. Trotzdem: Pffff! Wer sich übrigens Sorgen über die Durchsuchungspraxis bei Laptops an der amerikanischen Grenze macht: Der Kongress arbeitet an dem Problem. Bekanntlich geht das aber nicht so schnell.
  • Zur Wahl, ein letztes Mal für heute: Eigentlich stand das Buffy-Kabinett schon fest – dummerweise hat jemand in letzter Minute gemerkt, dass der Kandidat kein gebürtiger Amerikaner ist. Vielleicht muss doch Dr. Horrible eingreifen …
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