Sarah Palin und echtes Hockey

September 11, 2008

Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska und Vize-Präsidentschafts-Kandidatin der Republikaner, bezeichnet sich gerne als hockey mom. Die Leser dieses Blogs erkennen sofort die Anspielung auf soccer mom, der Begriff für die sprichwörtliche durchschnittliche amerikanische Mutter, die ihre Kinder zum Fußball fährt. Nur dass man in Alaska selbstverständlich Eishockey spielt und nicht Fußball, schon wegen des Permafrosts.

Das bringt uns zu einem Übersetzungsproblem: Diverse deutsche Medien und Blogger (nicht aber die Schönste Germanin) haben angefangen, Palin eine „Hockey-Mutter“ zu nennen.

Hier wird nicht mitgedacht. Mit hockey ist in Nordamerika eine super-schnelle und ultra-spannende Sportart mit massivem Körpereinsatz gemeint, die mit einer Gummischeibe auf einer Eisfläche gespielt wird. Hierzulande sagt man „Eishockey“ dazu.

In Deutschland ist „Hockey“ dagegen eine Rasensportart mit einem kleinen, runden Ball, die nach der persönlichen Erfahrung dieses Autors zu massiven Rückenschmerzen führt, weil die Schläger viel zu kurz sind, egal, was der Sportlehrer behauptet. In den USA und Kanada sagt man dazu –

Eigentlich wollte dieser Autor schreiben, dass man gar nichts dazu sagt, da Hockey wie Handball praktisch unbekannt sei. Etwas Recherche führte ihn aber zu dem Begriff des field hockey und der erstaunlichen Erkenntnis, dass es tatsächlich eine U.S. Field Hockey Association gibt. Die erklärt allerdings selbst:

In the United States, the sport is truly a „niche“ sport, played primarily in the Northeast and California.

Der Hinweis auf Kalifornien sagt wieder alles. Die Wikipedia ergänzt noch ein Detail, das der Verband nicht so betont:

In North America field hockey is regarded as a girls‘ and women’s sport

Eine Kinder- und Frauensportart also, wie Fußball. Echte Männer spielen Eishockey, auch wenn wir festhalten müssen, dass es selbst in der NHL einige Symptome einer Verweichlichung gibt. Alles eine Folge der Helmpflicht.

Wie auch immer. Palin ist bestimmt keine „Hockey-Mutter“, sondern eine „Eishockey-Mutter“. Auch der Begriff klingt für diesen Autor auf Deutsch etwas seltsam, aber vermutlich wird er sich in den kommenden Wochen einschleifen.

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