ZEUGS: Tojos Tagebuch, Freemans Unfall und Mohammeds Ehefrau

August 18, 2008

Heute eine noch buntere Mischung als sonst, denn dieser Autor ist wie jedes Jahr beim Fantasy Filmfest.

  • Zur Quellenlage zum Krieg gegen Japan: Der interessierte Leser DKS weist darauf hin, dass vor einigen Tagen erstmals ein Tagebuch von Hideki Tojo, Japans Ministerpräsident bis Juli 1944, veröffentlicht wurde. Am 13. August 1945 nennt er seine Nachfolgeregierung einen Haufen Feiglinge – die Weicheier wollten kapitulieren, nur weil zwei Städte durch Atombomben vernichtet worden seien und die Sowjets den Krieg erklärt hätten! Tojo versuchte nach dem Krieg, Selbstmord zu begehen, scheiterte aber. Er wurde 1948 als Kriegsverbrecher hingerichtet.
  • Zu Humor in Extremsituationen: Der US-Schauspieler Morgan Freeman hatte vor einigen Tagen einen Unfall. Und was tat der 71-Jährige, als Schaulustige ihn an der Unfallstelle fotografieren wollten? Witze reißen wie „Hier gibt’s nichts gratis“.
  • Zur Bürger-Kontrolle über die Polizei: In New York gehen sie noch einen Schritt weiter als in Berkeley: Hier läuft „Jimmy Justice“ mit einer Videokamera herum und filmt Polizisten, die dummes Zeug machen. Einer seiner Lieblingsziele: Verkehrspolizisten, die im Halteverbot stehen. Der Link zeigt Beispiel-Filme.
  • Zur Polizei und Kommune: Die Stadt Garden Grove schreibt ihrer Polizei vor, je einen Geistlichen aus den größeren Glaubensgemeinschaften im Stab zu haben. Unter anderem gibt es einen Katholiken, einen Mormonen, einen Juden, einen Muslim und einen Buddhisten. Letzterer heißt Kusala Bhikshu:

    As a chaplain, he’s been asked by police officers if it’s all right to kill. His answer: „Never kill out of hatred or anger.“

    Der ursprüngliche Name des früheren Lutheraners lautet Carl Kohlhoff.

  • Zu Bevölkerungsgruppen: Wer das jetzt für politisch korrekten Schnickschnack hält, hat wohl nicht gesehen, dass die offizielle Website von Garden Grove eine Version auf Vietnamesisch enthält. Ein Fünftel der Bevölkerung stammt aus Vietnam, allgemeiner sind etwa ein Drittel asiatischer Abstammung.
  • Zu Kalifornien: Trotzdem müssen wir festhalten, dass der bevölkerungsreichste Bundesstaat in den restlichen USA als Hort von Freaks und Irren gilt. Das wissen die Kalifornier auch, und machen selbst Witze darüber. Als also eine Gruppe von Zen-Mönchen bei den jüngsten Waldbränden erfolgreich ihr Kloster verteidigten, ließ die San Francisco Chronicle in ihrer Karikatur [GIF] das ungläubige Feuer fragen This is California, isn’t it? Es versteht sich von selbst, dass kalifornische Mönche einen Kampf gegen die Flammen bloggen.
  • Zur Meinungsfreiheit: Auch der schönste First Amendment ist natürlich machtlos gegen die Schere im Kopf. Random House – eine Bertelsmann-Tochter – hat ein Buch über Mohammeds Ehefrau Aisha aus Angst vor islamistischer Gewalt gestoppt. Betroffen ist der Roman The Jewel of Medina von Sherry Jones.
  • Zu whatever und anderen Modebegriffen: Eine internationale Gruppe von Buffy-Fans hat eine zusätzliche Audio-Season namens Buffy Between the Lines geschaffen, die zwischen Staffeln 5 und 6 angesiedelt ist. Wir erwähnen das hier, weil es auf dem Feed vor der ersten der zwölf Folgen eine „Special Feature Episode“ gibt, in dem die Produzenten Tabitha Smith und AthenaMuze über das Projekt reden:

    And I thought maybe like one or two people would say, hey, yeah, whatever, you know, if I had time. But a lot of people gave like a really great response to it. So I was like, „Okay, jazzed!“ and so I sat down and like asked everybody I knew, you know, would you be interested to be involved?

    Ein whatever finden wir zwar auch, aber hier geht es um das like, ein anderes Modewort, das man seinem Englischlehrer nicht zumuten sollte. In den Episoden selbst [PDF] findet sich davon natürlich nichts. Und ja, die Folgen sind erstaunlich gut gemacht. Eine zweite Staffel ist gerade angelaufen.

Und jetzt muss dieser Autor weiter thailändische Fantasy-Thriller gucken gehen.

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