Ma’am oder madam (oder: Buffy und die Queen)

Mai 16, 2008

Wir haben bei unserer Betrachtung von Vornamen darauf hingewiesen, dass sich für Buffy in Staffel 8 einiges geändert hat: Everbody calls me ma’am, sagte sie in Heft 1. Der interessierte Leser wird in dem gerade erschienenen Heft 14 einen Bezug dazu bemerkt haben, als sich Buffys neue Geliebte Satsu weigert, wie befohlen von dem Kampf in Tokio fernzubleiben. Denn als Satsu nach dem Streit wegstampft, ruft sie Buffy über die Schulter zu (Hervorhebung im Original):

I’ll see you on the battlefield, ma’am.

Buffy schaut ihr hinterher und sagt dann sichtlich aufgewühlt:

I can’t believe I find it sexy when she calls me „ma’am.“

Das ist natürlich eine Anspielung auf gewisse bekannte Vorlieben von Buffy, auf die wir hier aber nicht weiter eingehen, denn das soll ein familientaugliches Blog bleiben. Stattdessen wollen wir die Gelegenheit nutzen, um kurz auf den Unterschied zwischen ma’am und madam hinzuweisen.

Zusammenfassung: madam sollte man vermeiden.

Ma’am ist das Gegenstück zu sir und wird im Alltag entsprechend als höfliche Anrede benutzt. Beim Militär ist es die Anrede für eine höherrangige weibliche Offizierin.

(Fußnote: Sir und ma’am werden nicht für jeden Vorgesetzten benutzt, sondern nur für commissioned officers. Die noncommissioned officers (NCO) werden dagegen mit ihrem Rang angesprochen, zum Beispiel als Master Sergeant. Und nur um es kompliziert zu machen: Bei der Grundausbildung wird der Ausbilder je nach Waffengattungen anders angesprochen und hat jeweils auch einen anderen Titel.

  • Army: Drill Sergeant, Anrede drill sergeant, ausdrücklich nicht sir oder ma’am
  • Navy: Recruit Division Commander (RDC), Anrede nach Rang, ausdrücklich nicht sir oder ma’am
  • Marines: Drill Instructor, Anrede sir oder ma’am
  • Air Force: Military Training Instructor (MTI), Anrede sir oder ma’am
  • Coast Guard: Company Commander, Anrede bis zur zweiten Woche sir oder ma’am, nach einem Kurs dann dann nach Rang

Allgemein soll es eine Standard-Antwort auf ein falsches sir geben:

Don’t call me „sir.“ I work for a living.

Das Ganze wird schon mal in amerikanischen Anti-Kriegs-Filmen falsch gemacht, was von Militärs sofort als Zeichen von Ahnungslosigkeit gewertet wird.)

(Fußnote zur Fußnote: Die Schönste Germanin weist darauf hin, dass bei der Sternenflotte für beide Geschlechter sir vorgesehen ist. Die beste Quelle dazu scheint die allererste Folge von Voyager zu sein.)

Madam findet man dagegen in formellen Zusammenhängen wie bei der Anrede in Briefen oder gewissen Titeln. Die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, ist die „Madam Speaker“. Sollte Hillary Clinton im November die Wahl gewinnen, wäre sie die erste „Madam President“. Die dritte Gewalt geht anders vor: Richter des Supreme Court werden als Justice bezeichnet, ohne ein Mister oder Madam davor.

Dummerweise ist eine madam aber auch die Leiterin eines Bordells – die Witze über etwaige Parallelen zwischen dem Repräsentantenhaus und einem Puff kann sich der interessierte Leser selbst überlegen. Ein Beispiel dafür wäre die „D.C. Madam“ Deborah Jeane Palfrey, die jüngst Selbstmord begangen hat. Das macht das Wort gefährlich. Daher unsere Empfehlung, es im Alltag zu vermeiden.

Das ist wieder vereinfacht, berücksichtigt regionale Unterschiede nicht und gilt ausdrücklich nur für die USA. Wenn dieser Autor es richtig verstanden hat, haben insbesondere die Briten andere Regeln. Ma’am scheint auf der Insel wesentlich seltener benutzt zu werden.

Außer natürlich bei der Königin. Das Protokoll sieht als erste Anrede Your Majesty vor und danach durchgehend ma’am. Das wird zwar auch Amerikanern empfohlen, vermutlich weil sich „Madam Queen“ ziemlich dämlich anhört. Die brauchen sich aber ausdrücklich nicht vor einem Monarchen zu verbeugen und schon gar nicht vor einem britischen. Das wäre ja noch schöner.

[Ergänzt 18. Mai 2008: Einzelheiten zu der Anrede bei der Grundausbildung, nach einem Vorschlag von HJL, vielen Dank]

%d Bloggern gefällt das: