Die Mottos der amerikanischen Bundesstaaten

Februar 15, 2008

Während wir schon mal bei Listen sind: In dem Freakonomics-Blog von Stephen J. Dubner und Steven D. Levitt in der „New York Times“ findet ein Wettbewerb statt: Gesucht wird ein neues Motto für die USA, in sechs Worten.

Da jeder teilnehmen kann, hat sich sofort die gesammelte Schar der Antiamerikaner im Internet eingefunden (Fat, ignorant, xenophobic, loud and proud), dicht gefolgt von den Hyperpatrioten (Hate us until you need us). Leider muss man deswegen die nachdenklichen (Your best friend, your worst enemy) und witzigen (Taxation with representation still kinda sucks) Einträge suchen.

Nun mögen die Stöckchenwerfer unter den Lesern sich überlegen, was denn ein gutes Motto für Deutschland oder die Europäische Union wäre, in sechs Worten bitte. Wir werden den Wettbewerb zum Anlass nehmen, uns die Mottos der Bundesstaaten anzuschauen. Denn jeder Staat hat nicht nur eine eigene Fahne und eigene Nummernschilder, sondern auch einen Spitznamen und ein Motto (in vielen Fällen kommt noch jede Menge Gerümpel wie Steine, Vögel und Bäume dazu, aber das bewahren wir uns für eine ganz langweilige Woche auf).

In 23 der 50 Bundesstaaten ist die Sache einfach, denn deren Sprüche sind auf Englisch. Einige davon sind, bei allem gebotenen Respekt, eher generisch. Floridas In God We Trust ist nichts anderes als das heutige Motto der USA. Texas mit Friendship, Utah mit Industry (im Sinne von Fleiß) und Wyoming mit Equal Rights sind alles Leitworte, die so ziemlich jede Demokratie haben könnte. Etwas spezieller wird es mit North to the Future für Alaska und The Crossroads of America für Indiana. New Hampshires Live free or die bekommt eine besondere Note, wenn man weiß, dass der Bundesstaat einige der liberalsten Waffengesetze des Landes hat.

Schon ausgefallener wird es bei den 21 Staaten, die ein lateinisches Motto haben. Wir hatten schon das Sic Semper Tyrannis von Virginia besprochen – „So soll es Tyrannen immer ergehen“. Ältere Bundesstaaten wie Massachusetts zeigen die kämpferische Note der Gründungszeit – Ense Petit Placidam Sub Libertate Quietem (etwa: Beim Schwert wollen wir Frieden, aber Frieden nur in Freiheit). Das knappe Dirigo (Ich leite) von Maine mag arrogant klingen, wenn man nicht weiß, dass es auf den Polarstern zurückgeht. Das Motto von Michigan scheint sich an Touristen zu wenden: Si Quaeris Peninsulam Amoenam Circumspice – Wenn Du eine angenehme Halbinsel suchst, schaue Dich um.

Die verbliebenen sechs Bundesstaaten haben sechs verschiedene Sprachen. Minnesota zeigt mit L’Etoile du Nord (Stern des Nordens) seine französischen Wurzeln. Kalifornien bleibt klassisch mit dem griechischen Eureka, was zu einem Goldgräber-Staat passt. Auch Montana hat seine Bodenschätze mit Oro y Plata (Gold und Silber) verewigt. Wieso Spanisch? Weil es sich cooler anhörte. Dumm nur:

When the seal was first commissioned, no one involved in its design had sufficient knowledge of Spanish, and the motto was incorrectly engraved as Oro el plata.

Zwei Staaten benutzen Sprachen der Ureinwohner: Washington das kurze Alki (englisch bye and bye, etwa „mit der Zeit“) und Hawaii das lange

Ua mau ke ea o ka aina i ka pono

was (angeblich) The life of the land is perpetuated in (by) righteousness hießt, also so etwas wie „Rechtschaffenheit lässt das Land ewig währen“.

Und dann haben wir noch Maryland, der Bundesstaat, dessen Motto schon mal für einen Wikipedia-Hack gehalten wird:

Fatti maschii, parole femine

Moment, Italienisch? „Männliche Taten, weibliche Worte“? Für einen Ostküsten-Staat der USA?

Das stimmt wirklich. Schuld sind mal wieder die Briten, genauer gesagt Cecil Calvert, Lord Baltimore, der 1634 die Kolonie gründete. Der Satz gehörte zu seinem Wappen. Das klingt fürchterlich politisch inkorrekt, weswegen es auch jede Menge Varianten für die Übersetzung gibt:

  • Deeds are men, words are women (1622)
  • A woman for words and a man for deeds (1905)
  • Deeds are males, words, females (1939)
  • Deeds are manly, words are womanly (1969)
  • Strong deeds, gentle words (1993)

Die offizielle Übersetzung lautet nach wie vor Manly deeds, womanly words.

Soweit die echten Mottos. Weil die Amerikaner aber Amerikaner sind, gibt es eine unendliche Zahl von Spott-Mottos, eines bösartiger als das andere.

Einige sind vorhersehbar. Iowa kriegt auf gewohnte Art sein Fett weg (We Do Amazing Things With Corn) und bei Utah müssen wieder die Mormonen daran glauben (Our Jesus Is Better Than Your Jesus). Rhode Island wird mit seinem Namen aufgezogen (Yes, We Know What A Peninsula Is), denn die „Insel“ ist eigentlich eine Halbinsel. Als Ersatz für Hawaii wird angeboten Haka Tiki Mou Sha’ami Leeki Toru – (angeblich) „Tod dem Abschaum vom Festland, aber lasst Euer Geld hier“. Rivalitäten kriegen einen ganz neuen Dreh mit Alabamas At Least We’re Not In Mississippi oder die Variante aus Ohio At Least We’re Not Michigan, oder natürlich jeweils umgekehrt.

(Ohio und Michigan verbindet eine, wie soll man sagen, besonders innige, tiefe Liebe und Wertschätzung, die etwa der zwischen den Niederlanden und Deutschland oder Düsseldorf und Köln entspricht. Aufkleber in Ohio mit der Aufschrift The best parts of Michigan are under water sind noch eine harmlose Ausprägung. Von 1835 bis 1836 kam es um den Grenzverlauf zu einem Mini-Mini-Mini-Bürgerkrieg, dem Toledo War. Wir werden später darauf eingehen, daher sei hier nur so viel verraten: Es gab sogar einen Verletzten!)

Und damit niemand auf die Idee kommt, wir würden hier ständig auf Iowa herumhacken, haben wir am Ende das vielleicht beste inoffizielle Motto:

Future Birthplace of Captain James T. Kirk

Da kann man nur vor Ehrfurcht erstummen.

[Danke an DKS für Vorschläge]
[Korrigiert 31. Jan 2010: Motto von Michigan jetzt richtig, Dank an CS]

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