Hail Mary oder warum kluge Dämonen American Football gucken

Februar 1, 2008

Nachdem der interessierte Leser etwas Zeit gehabt hat, sich von den erschütternden Enthüllungen und erschreckenden Entwicklungen in Heft 10 von Buffy Staffel 8 zu erholen, wollen wir uns heute mit einem Detail aus der Folge beschäftigen:

Gegen Ende ist der Sephrilian (Dämon, böse) gerade dabei zu erklären, warum er Menschen so scheiße findet, als Buffy zu Willow „Hail Mary“ sagt und auf ihn zuläuft. Während er sich über den christlichen Bezug aufregt, springt unsere Heldin vor ihm hoch, fängt in der Luft eine Art magisches Feuerschwert, das Willow ihr zuwirft, und hackt ihm den Kopf ab. „Touchdown“, ruft Buffy. Leider fliegt dann alles in die Luft, denn eigentlich hatte die Aufpasserin (ein Abbild des schizophrenen Fans Robin Balzer, das als Tribut in die Geschichte eingearbeitet wurde) sie vor Zauberei in dem Umfeld des Sephrilians gewarnt. Oops.

Hail Mary hat also etwas mit Religion und American Football zu tun, was so kurz vor dem Superbowl den interessierten Leser dieses Blogs nicht wundern wird (ja, die Schönste Germanin wird froh sein, wenn der Sonntag vorbei ist, auch wenn sie es nie zugeben würde). Tatsächlich ist es ein weiter, praktisch ungezielter Pass in Richtung gegnerischer Endzone, bei dem der Quarterback „betet“, dass jemand den Ball fängt:

Hail Mary, full of grace,
The Lord is with thee,
Blessed art thou among women,
And blessed is the fruit of thy womb, Jesus.
Holy Mary, Mother of God,
Pray for us sinners,
Now and at the hour of our death. Amen.

Thou, thee und thy sind die alten informellen Anredeformen des Englischen, also das verlorengegangene Dir, Du und Dein. Darüber werden wir in einem eigenen Eintrag sprechen. Die deutsche Ausgabe des Gebets heißt natürlich „Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade“.

(Eine Schulhof-Variante der englischen Version lautet:

Hail Mary, full of grace
Let me win this stock car race

Aber das nur am Rande.)

Beim Football geht der Begriff auf das Spiel zwischen den Dallas Cowboys und Minnesota Vikings am 28. Dezember 1975 zurück, bei dem Cowboys-Quarterback Roger Staubach bei einem Rückstand von 14-10 in den letzten 30 Sekunden den Ball über eine riesige Entfernung irgendwie zu dem Wide Receiver Drew Pearson bekam [YouTube] (Pearson gestand später, seinen Bewacher gefoult zu haben. Die Viking-Fans sind bis heute sauer). Staubach prägte den Begriff in einem Interview.

(Allerdings ist inzwischen das „Miracle in Miami“ fast noch bekannter. Doug Flutie vom Boston College warf in der letzten Sekunde den Ball 48 Yards zu Gerard Phelan und bezwang [YouTube] damit 47-45 die University of Miami. So muss Sport sein.)

Ein Hail-Mary-Pass ist umgangssprachlich eine Verzweiflungstat, die in einer eigentlich aussichtsloser Lage angewandt wird. Der Begriff wurde zum Beispiel vor ziemlich genau einem Jahr ausgiebig von der amerikanischen Presse benutzt, um die von Präsident George W. Bush angeordnete Truppenaufstockung im Irak (den surge) zu beschreiben.

Am Ende müssen wir festhalten, dass der Begriff bei Buffy eigentlich nicht passt. Die Lage ist (verglichen mit anderen Situationen in der Serie) eher unverzweifelt und Willow wirft Buffy die Feuerwaffe präzise zu. Technisch gesehen handelt es sich damit nicht um einen Hail Mary, sondern um einen alley oop.

Aber das ist ein anderer Eintrag …

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