Typhoid Mary

Januar 16, 2008

Die Schönste Germanin war über Silvester mit den Kindern im Allgäu und hat dort die Seuche eingeschleppt. Sie selbst blieb gesund, weswegen sie unter Angelsachsen Typhoid Mary genannt werden könnte.

Das war der Spitzname von Mary Mallon (1869-1938), einer Köchin, die den Typhus-Erreger ausschied, ohne aber selbst irgendwelche Symptome zu haben. In New York war sie für 47 Krankheitsfälle verantwortlich, von denen drei tödlich endeten. Dank der Presse hält sich allerdings bis heute das Bild eines Massensterbes.

Mallon war völlig uneinsichtig. Sie griff die Gesundheitsbehörden mit einer Tranchiergabel an und musste zu dem Erregertest gezwungen werden. Ohne Antibiotika waren die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Ihre erste Zwangsquarantäne begann 1907 auf dem heute menschenleeren North Brother Island in der East River.

Und war 1910 schon wieder zu Ende, denn große Teile der Öffentlichkeit waren empört. Durfte der Staat das überhaupt? Ein Gericht entschied ja. Ein neuer Chef der Gesundheitsbehörde, Ernst J. Lederle, hielt aber ihre Gefangenschaft für unmenschlich und ließ sie frei. Sie musste ihm nur hoch und heilig versprechen, nie wieder als Köchin zu arbeiten.

Fünf Jahre später brach im Sloane Maternity Hospital auf Manhattan Typhus aus. Die Behörden fanden in der Küche eine gewisse „Mrs. Brown“, die sich als Mallon entpuppte. Das fand die Öffentlichkeit dann nicht mehr so witzig, und sie verbrachte den Rest ihres Lebens auf der Quarantäne-Insel.

So gesehen passt der Spitzname zu der Schönsten Germanin natürlich überhaupt nicht, denn sie ist nicht nur einsichtig, sondern würde vor Scham am liebsten im Boden versinken. Und es ist ohnehin gut möglich, dass eigentlich Kind Nummer Zwei der Träger war. Wenn jemand das testen will – die Windeln dürften alle noch in der Mülldeponie zu finden sein.

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