Saltine Crackers und der schwedische Kulturimperialismus

November 20, 2007

Die Schönste Germanin ist im Thanksgiving-Rausch. Das kann dieser Autor nur begrüßen, und zwar nicht nur weil sie – zusätzlich zu ihrer Intelligenz, Warmherzigkeit und Schönheit – eine begnadete Köchin ist. Nein, die Schönste Germanin hat sich die Mühe gemacht, für die deutschen Gäste am Donnerstag eine Reihe von amerikanischen Lebensmitteln zu besorgen. Darunter sind diesmal auch saltine crackers. Da wir Thanksgiving selbst schon besprochen haben, gehen wir heute auf diese Salzkräcker ein.

Obwohl, eigentlich gibt es nicht viel zu sagen. Es sind kleine, rechteckige, harte, durchlöcherte, staubtrockene, geschmacksarme Kräcker, die in großen Pappkartons zu etwa 450 Gramm kommen und absolut süchtig machen. Der Nährwert geht gegen Null, außer, wie die Wikipedia ironisch bemerkt, wenn man an Salzmangel leidet. Traditionell schmiert man Erdnussbutter auf sie oder legt kleine Cheddar-Scheiben drauf. Letztere hat die Schönste Germanin natürlich auch gekauft.

Man kann aber auch, wenn man in Deutschland lebt und monatelang nicht an die Dinger herangekommen ist, sich bei den Ehrenwerten Eltern einfach mit einer Dose Dr Pepper und einem ganzen Karton vor den Fernseher setzen, Football gucken und sie essen, bis einem schlecht davon wird. Das dauert erstaunlich lange. Wichtig ist dabei, nicht das Trinken zu vergessen, denn sonst saugen sie einem das ganze Wasser aus dem Körper.

(Der letzte Punkt ist die Grundlage für ein Partyspiel, dem saltine challenge, das offenbar als Werbegag für Nabisco begann: Kriegt man innerhalb von einer Minute sechs Saltines heruntergewürgt [YouTube], ohne etwas zu trinken?)

Nun hat die Schönste Germanin nicht echte amerikanische Saltine Crackers besorgt, denn die sind in Deutschland schlicht zu teuer. Zum Glück verkauft der schwedische Knäckebrot-Hersteller Wasa aber sie inzwischen unter dem unwahrscheinlichen Namen Crack & Taste:

Cracker-Genuss auf knusprig-leichte Art! Genießen Sie den feinen Geschmack unserer knusprig gebackenen Cracker, hergestellt aus sorgfältig ausgewählten Zutaten.

Wasa schreibt nirgendwo auf der Packung, dass es sich eigentlich um amerikanische Saltine Cracker handelt, also ein Fall von kulinarischem Kulturimperialismus durch die Hintertür ist. Es würde diesen Autor auch nicht wundern, wenn die Wasa-PR-Abteilung eine kleine rührselige Geschichte vorbereitet hätte, wie sich schon König Gustav Adolf 1631 vor der Schlacht bei Breitenfeld solche Kräcker reichen ließ – vielleicht nicht genau Crack-&-Taste-Kräcker, versteht sich, aber schon Kräcker, die der direkte Vorgänger waren. Urschwedisch!

Wir haben schon den Duck Test eingeführt und können deswegen sagen: Das sind Saltine Cracker, wenn auch in einer hübschen blau-gelben Verpackung. Am Ende ist es diesem Autor auch egal, wie sie vermarktet werden. Hauptsache, jemand hat sie endlich nach Deutschland eingeführt.

In diesem Sinne: Happy Thanksgiving, alter Schwede!

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