ZEUGS: Die Titel der Nazgûl, der Fahneneid und nervige US-Fans

Oktober 1, 2007
  • Zu Draftophobia: Mehrere Leser sind der Meinung, dass die Angst vor Luftzügen generationsabhängig ist. Wir halten fest, dass sich einige Leute in Berlin offenbar sehr gut gehalten haben.
  • Zu Aussprache-Hilfen: Der interessierte Leser AG weist darauf hin, dass vor Bush schon ein ganz anderer Präsident sich auf phonetische Spickzettel verließ:

    Ish bin ein Bearleener!

    Kennedy hatte Glück, dass es damals das Internet nicht gab, oder dass die Presse ihn mochte, oder beides. Der Zettel wäre natürlich ein viel besserer Aufmacher für den Eintrag gewesen.

  • Zu Titeln und Namen: Verfolgt hier noch jemand die SCO-Saga? Sehr vereinfacht gesagt behauptete die US-Firma, ihr gehöre Linux, und verklagte unter anderem IBM. Big Blue zahlte aber nicht, sondern schickte seine Anwälte, die von den SCO-Gegnern ehrfurchtsvoll the nazgûl genannt werden. Jetzt, wo SCO Gläubigerschutz beantragt hat, lässt sich IBM von Richard B. Levin von der Kanzlei Cravath Swine & Moore vertreten. Aber wer ist das?

    Rich, who served as counsel to a subcommittee of the House Judiciary Committee from 1975 to 1978, was one of the principal authors of the Bankruptcy Code and the Bankruptcy Reform Act of 1978. He serves as Vice Chair of the National Bankruptcy Conference. […] Rich received an S.B. from the Massachusetts Institute of Technology in 1972, and a J.D. from Yale Law School in 1975, where he was an Editor of the Yale Law Journal.

    Der Mann ist einer der Leute, die amerikanisches Konkursrecht geschrieben haben, und er nennt sich (auch auf der Firmenwebsite, die leider linkunfreundlich ist) „Rich“. Vermutlich hätte sich der Hexenkönig von Angmar [YouTube] in den USA mit Just call me Angie! vorgestellt.

  • Zu dem Fahneneid: Dank einer Schüler-AG der Boulder High School in Colorado haben wir ein aktuelles Beispiel für die Diskussion über den Eid, die es diesmal sogar in die landesweiten Medien geschafft hat. Wie die 17-jährige Präsidentin der Student Workers, Emma Martens, erklärt [Video], ist der Hauptstreitpunkt wieder der Zusatz under God, der nach ihrer Meinung die Trennung von Kirche und Staat verletzt. Die AG bietet eine Alternative an:

    I pledge allegiance to the flag and my constitutional rights with which it comes. And to the diversity, in which our nation stands, one nation, part of one planet, with liberty, freedom, choice and justice for all.

    Konservative sind natürlich entsetzt (da ist wieder der Begriff „moonbat„). Der Rektor Bud Jenkins wird zwar nichts am Ablauf des Eides ändern, ist aber stolz auf seine Schüler: „The kids are just exercising their constitutional rights.“

  • Zum Fahneneid, nochmal: Dank YouTube können wir dokumentieren, wie lange die Diskussion über under God geht. Der Komiker Red Skelton [YouTube] erzählte 1969 in einem nachdenklichen Stück von einem High-School-Lehrer, der seiner Klasse vorwarf, die Worte nur herunterzurattern. Den Zehnjährigen legte er eine kommentierte Version vor – mit Ermahnungen wie freedom is everybody’s job – die Skelton wiedergibt, bevor er am Ende auf die Streit über den „neuen“ Gottesbezug hinweist. Wir können davon ausgehen, dass es den auch noch im Jahr 2049 geben wird.
  • Zu Wee und Wii: Der interessierte Leser AD weist darauf hin, dass ein Radiosender ein Gewinnspiel „Hold Your Wee for a Wii“ ausrichtete, der leider tödlich endete: Eine 28-jährige dreifache Mutter trank eine große Menge Wasser und starb, weil sie nicht pinkelte. So auf jeden Fall die Anklage. Dass die ganze Sache in Kalifornien stattfand, ist bestimmt nur Zufall.
  • Zu Knock-Knock-Jokes und mehr wee: Der dritte Band von Terry Pratchetts Tiffany-Aching-Saga, Wintersmith, ist (endlich) als Taschenbuch erhältlich. Da Schwesterlein Mein es noch nicht gelesen hat, können wir nichts zum Inhalt sagen. Aber der interessierte Leser wird sich an den ersten Band, The Wee Free Men, erinnern, als Tiffany sich vor einem Zelt wiederfand:

    There was nothing to knock on, so she [said] „Knock, knock“‚ in a louder voice.
    A woman’s voice from within said: „Who’s there?“
    „Tiffany,“ said Tiffany.
    „Tiffany who?“ said the voice.
    „Tiffany who isn’t trying to make a joke.“

    Dieser Autor hat keine Ahnung, wie die Passage auf Deutsch lautet, aber wir können uns sicher sein, dass der Übersetzer Waily! Waily! Waily! gerufen haben wird.

  • Schließlich zu US-Fanatikern: Wer genervt ist von Zeitgenossen, die in den USA dieses oder jenes viel, viel besser finden, kann jetzt von ihnen verlangen, es zu beweisen. Die Körber-Stiftung hat Preise ausgeschrieben für Konzepte oder Projekte zum Thema „Empowerment. Menschen stärken“:

    Bewerten Sie Vor- und Nachteile des US-Beispiels und erklären Sie, warum Sie dieses amerikanische Modell innovativ und nachahmenswert finden. Welche Problemstellungen oder Herausforderungen der deutschen Gesellschaft adressiert es? […] Wie kann man die Idee auf Deutschland übertragen? Ideen lassen sich nicht einfach kopieren. Präsentieren Sie ein Umsetzungskonzept für Ihr eigenes Projekt.

    Es gibt zudem einen Journalistenpreis, aber da der Autor dort selbst etwas eingereicht hat, erwähnt er ihn lieber nicht.

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