Die Melodie der Rasur und des Haarschnitts

August 10, 2007

Bloggende Familienmitglieder sind eine Plage. Nicht genug, dass dieser Autor wegen seiner neuen, ganz besonders pflegeleichten Frisur den ganzen Tag die humorvollen Bemerkungen der Kollegen ertragen musste: Dank der Schönsten Germanin fragen nun auch diverse Online-Bekanntschaften nach, wie das denn nochmal genau mit dem abgerutschten Klipper war. Es ist alles halb so wild, wirklich. Sogar die Ohren sind noch ‚dran.

Anlässlich der Diskussion über Haare weisen wir auf eine kleine Melodie hin, die auch in Deutschland bekannt, aber hierzulande namenlos ist: Shave and a haircut, two bits.

Da da dadada – da da

Es gibt eine Variante mit einem Ton mehr, die man sich aber besser in in Notenform anschaut oder anhört [MIDI]. Eigentlich handelt es sich um ein Frage-und-Antwort-Spiel wie das bereits besprochene Mahna Mahna: Die ersten fünf (sechs) Töne – shave and a haircut – werden mit den letzten zwei – two bits – beantwortet. Einmal schneiden und rasieren bitte! Klar, kostet 25 Cent.

(Wieso sind „zwei Bit“ ein Vierteldollar? Hintergrund sind die spanischen Silbermünzen, die pieces of eight. Sie wurden in den britischen Kolonien als Geld benutzt, weil die Engländer als Merkantilisten ihr ganzes Bargeld im Mutterland horteten. Um Kleingeld zu haben, wurden die „Spanish dollars“ in acht Teile geschnitten, die bits. Bis heute wird two-bit als abwertendes Adjektiv benutzt: Spike lästert in der Buffy-Episode „Into the Woods“ zum Beispiel über eine „two-bit vampire trull“.)

Aus dem Preis kann der interessierte Leser schon schließen, dass die Melodie aus einer Zeit stammt, als der Dollar noch richtig etwas wert war. Sie wurde zuerst von Charles Hale 1899 in dem Lied „At a Darktown Cakewalk“ benutzt. Über die Jahre wurde sie in vielen weiteren Stücken eingebaut, darunter „Gee, Officer Krupke“ [MP3] in Leonard Bernsteins West Side Story. Viele Orchester spielen die Melodie zum Abschluss ihrer Vorführung.

Die Tonfolge kann man auch klopfen. Deutsche kennen das vermutlich am ehesten aus Who Framed Roger Rabbit. Dort weiß der Bösewicht Judge Doom: „No Toon can resist the old Shave-And-A-Haircut trick.“ Er klopft die ersten fünf Töne – nur die ersten fünf – und irgendwann kann Roger einfach nicht mehr und springt mit einem „Two bits!“ aus seinem Versteck.

Die englische Wikipedia sammelt weitere Anspielungen. Das sind nur einige: Man würde sehr viel Zeit brauchen, um alle aufzuzählen. So viel Zeit, dass man am Ende richtig lange Haare hätte …

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