ZEUGS: Zergstürme, große Niederländer und jede Menge Nüsse

Mai 28, 2007

Dieser Autor hat die Erfahrung gemacht, dass man gewisse Dinge Wochen, wenn nicht sogar Monate vorher ankündigen muss, damit klar wird, dass man es wirklich ernst meint. Daher jetzt schon der Hinweis, den bereits die Schönste Germanin bekommen hat: Dieses Blog wird eine, vermutlich sogar zwei Wochen Pause machen, wenn Starcraft 2 auf den Markt kommt. Nach zehn Jahren Wartezeit ist das nur angebracht.

  • Zu Feiertagen: Andrew Hammel hat auf „German Joys“ eine Grafik zu dem gesetzlichen Feier- und Urlaubstagen in mehreren Ländern, die alles sagt. Heute ist in den USA übrigens Memorial Day, an dem der Kriegstoten gedacht wird.
  • Zur Meinungsfreiheit: Jerry Falwell, der nicht betrunken war, als er nicht von seiner Mutter nicht in einem Scheißhaus entjungfert wurde, ist tot. Der Nachruf von Larry Flynt endet versöhnlich: We became friends.
  • Zur Ernährung: Eine deutsch-amerikanische Studie hat die Größenentwicklung der US-Bevölkerung untersucht. Wegen des landwirtschaftlichen Reichtums waren Amerikaner über Jahrhunderte länger als die Europäer – schon im Unabhängigkeitskrieg waren die Soldaten der Kolonien im Durchschnitt fünf Zentimeter größer als die des Mutterlandes [1]. John Komlos von der Uni München und Benjamin Lauderdale von Princeton beschreiben, wie das Wachstum Mitte des Jahrhunderts stagnierte und sich das Verhältnis zu den Europäern Ende des 20. Jahrhunderts umkehrte: Inzwischen seien die Amerikaner im Schnitt kleiner als die Bevölkerung in vielen Teilen Europas, auch wenn man die verschiedene ethnische Zusammensetzung berücksichtige.

    We conjecture that the U.S. health-care system, as well as the relatively weak welfare safety net, might be why human growth in the United States has not performed as well in relative terms as one would expect on the basis of income alone.

    Das wirklich erschreckende ist aber: In Europa sind jetzt die Niederländer die größten. Die Niederländer!

  • Zum Gesundheitssystem: Wir hatten im Überblick darauf hingewiesen, dass die Bundesstaaten für die Gesundheitsvorsorge zuständig sind und dass Massachusetts zum Beispiel eine Pflichtversicherung eingeführt hat. In Indiana sieht man nun, wie man ein solches System nicht einführt: Der Plan, es durch eine Milliarden-Besteuerung der Unternehmen zu bezahlen, scheiterte kläglich an der demokratischen Mehrheit im Landesparlament. Selbst lautstarke Befürworter einer universal health care wie der Bürgerrechtler Jesse Jackson lehnten das Programm als Wirtschaftskiller („business closer“) ab. Die Debatte ist auch für die Präsidentenwahl wichtig, denn insbesondere Barack Obama und Hillary Clinton haben eine Versorgung durch den Bund zum Wahlkampfthema gemacht, ohne jedoch zu sehr über die Finanzierung zu reden.
  • Zu Farben: Wir sollten auf ein häufiges Wortspiel mit der Fahne hinweisen: These colors don’t run („verlaufen“ und „weglaufen“), sagen die einen, und die anderen ergänzen: the world („leiten“).
  • Zu Humor: Einer der Sprüche von Soldaten hat dem Fernsehsender CBS jetzt jede Menge Nüsse beschert. General Anthony McAuliffe wurde mit seinen Truppen während der Ardennenoffensive in der belgischen Stadt Bastogne umzingelt. Auf die Forderung, sich zu ergeben, antwortete er: „Nuts.“ („Verrückt.“) Andere Truppen retteten schließlich seine Einheit. Diesen Satz zitierte eine Figur in der letzten Episode der Fernsehserie Jericho, die von einer Stadt in Kansas nach einem Atomkrieg handelt. Oder besser, handelte, denn CBS setzte die Serie nach der Folge ab, und dazu noch mit einem cliffhanger. Gepisste Fans schicken dem Sender seitdem Erdnüsse, Erdnüsse Erdnüsse, mit tatkräftiger Hilfe von findigen Geschäftsleuten. CBS will die Nüsse spenden, unter anderem an Soldaten im Irak und in Afghanistan. Was mit Jericho wird, ist nicht bekannt.
  • Zu Humor, Sprüche bei einer Hinrichtung: Die letzten Worte von Robert Comer, Mörder, Vergewaltiger und Entführer, waren „Go Raiders!“ vorgetragen mit einem Lächeln. Ob sich die Mannschaft aus Oakland darüber freut, darf bezweifelt werden.
  • Zum Spelling Bee: Es gibt auch noch andere derartige Schülerwettbewerbe, wie den geography bee. Den hat gerade die 14-jährige Caitlin Snaring aus Redmond in Washington gewonnen, weil sie die Antwort auf die folgende Frage wusste:

    A city that is divided by a river of the same name was the imperial capital of Vietnam for more than a century. Name this city, which is still an important cultural center.

    Das weißt natürlich jeder. Snaring erhält 25.000 Dollar für ein Studium und eine lebenslange Mitgliedschaft in der National Geographic Society, der wir einen Eintrag widmen müssen. Spelling Bees sind keine Herausforderung, sagt sie übrigens: „If you want to know how to spell something, just go to Microsoft Word.“ Ein echtes Kind des digitalen Zeitalters.

([1] An Empire of Wealth, John Steele Gordon, Harper Perennial, New York 2004, ISBN 0-06-050512-5)

[Ergänzt 30. Mai 2007: Link zum Nachruf von Larry Flynt, Danke an ID]

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