Fe fi fo und etwas Mahna Mahna

Mai 14, 2007

Dieser Autor wurde am Wochenende von Kind Nummer Zwei stundenlang mit Lall-Lauten zugedröhnt und hat heute als Folge davon selbst gewisse Probleme mit mehrsilbigen Wörtern. Da kommt es gerade recht, dass Xander in Buffy Staffel 8, Teil 3 in der letzten Szene einer Seite mit folgender Aufzählung anfängt:

Say it with me now: Fe Fi Fo –

Angelsachsen wissen jetzt zwei Dinge: Das nächste Wort heißt fum und ein Riese kommt. Tatsächlich lautet das erste Wort nach dem Umblättern fucking und erst das zweite fum und es kommt kein Riese, sondern eine Riesin. Aber das Prinzip bleibt gleich. Amerikaner, Briten, Kanadier & Co. wussten, was sie zu erwarten hatten.

Denn diese Sequenz gehört zu dem „Refrain“ des britischen Märchens „Jack and the Beanstalk“:

Fe fi fo fum!
I smell the blood of an Englishman.
Be he ‚live, or be he dead,
I’ll grind his bones to make my bread.

Für die erste Zeile gibt es mehrere Schreibweisen wie fee fie foe fum. Das ist kein Wunder, denn die Sequenz gibt es im angelsächsischen Raum seit Ewigkeiten. In King Lear (Akt III, Szene 4) gibt sich Edgar als wahnsinniger Tom O’Bedlam aus und faselt dabei:

Child Rowland to the dark tower came,
His word was still, „Fie, foh, and fum,
I smell the blood of a British man.“

Da Lear vor dem Einfall der Normannen in 1066 spielen soll, ist es richtig, dass Shakespeare hier von Briten und nicht von Engländern spricht [1].

Das Märchen ist in Deutschland unter dem Namen „Hans und die Bohnenranke“ bekannt. Einige Versionen haben dabei sogar die Sequenz behalten, ohne sie in die deutsche Phonetik (etwa: „Fieh-Fei-Foh-Fomm“) zu übertragen. Das „englische Blut“ wird dagegen zu „Menschenfleisch“. Damit geht (mal wieder) ein Stück der Bedeutung verloren: Wenn ein nicht-englischer Angelsachse einem Engländer fe fi fo fum sagt, muss es nicht immer nett gemeint sein. Die Aufzählung würde sich damit gut als Schlachtruf für Fußballfans eignen, wenn die Deutschen ihn nur kennen würden.

(In einer anderen Variante des Märchens ist es der schlechte Atem der Engländer, der sie verrät, nicht ihr Blut:

Fe, fa, fi-fo-fum,
I smell the breath of an Englishman.
Let him be alive or let him be dead,
I’ll grind his bones to make my bread.

Das ist nun wirklich garstig. Man bemerke auch die etwas andere Sequenz in der ersten Zeile.)

Aber hat sich das nicht vielleicht doch in Deutschland eingeschlichen, wie beim „Three Billy Goat Gruff“? Zwar wusste der (inzwischen leidgeprüfte) germanische Umkreis dieses Autors nicht, was auf „Fieh Fei Foh“ folgt. Aber der interessierte Leser mag sich selbst ein Bild machen. Dazu sollte er heute jeden mit einem fröhlichen „Fieh Fei Foh?“ begrüßen und gucken, was sie antworten. Wer Angelsachsen kennt, kann sie als Kontrollgruppe benutzen. Nur keine Scheu, es dient der Wissenschaft.

Zum Einstieg in die Befragung eignet sich vielleicht eine ähnliche Sequenz, die nun wirklich jeder kennen muss: „Mahna Mahna“. Wer darauf nicht mit einem „Duu-Duu Dududu“ antwortet, ist ein Außerirdischer oder ein Mitglied der Al-Kaida und muss den Behörden gemeldet werden. Bei den anderen kann man in einem zweiten Schritt mit „Fie Fei Foh“ nachlegen.

Wir erwähnen „Mahna Mahna“ nicht nur, weil es ähnlich albern ist wie fe fi fo fum und wir zwischen zwei trockenen Einträgen über den 14. Amendment etwas Auflockerung brauchen. Der interessierte Leser MM hatte nach dem Hinweis auf Chop Suey eine Diskussion über Dinge vorgeschlagen, die zwar Amerikanern angedichtet werden, aber eigentlich nicht aus den USA stammen. Das greifen wir jetzt auf.

(Sein erster Vorschlag war Ketchup, das eigentlich aus Asien stammt – daher auch Ketjap Manis. Die Amerikaner haben nur (also, „nur“) die Tomaten beigefügt. Inzwischen führt Ketchup in den USA die Beliebtheitsliste allerdings nur nach verbrauchtem Volumen an, nicht mehr nach Umsatz: Hier liegt Salsa vorne. Über den Siegeszug der Tex-Mex-Küche werden wir gesondert sprechen.)

Denn „Mahna Mahna“, das jeder mit der Sesamstraße oder den Muppets verbindet, ist eine europäische Erfindung. Als „Mah Nà Mah Nà“ wurde es von dem Italiener Piero Umiliani geschrieben und 1968 in dem Film „Svezia, inferno e paradiso“ veröffentlicht. Wie man von einem Softporno über die angeblichen Schweinereien der Schweden zu den Muppets kommt, hinterfragen wir jetzt nicht. Auch Puppenbastler brauchen mal eine Pause von Kinderdingen.

Und deswegen hören auch wir jetzt auf, bevor jemand noch mit Sting oder Trio kommt. „Da da da“ muss sich dieser Autor noch lange genug anhören.

([1] Asimov, Isaac Asimov’s Guide to Shakespeare, Wings Books 1993, ISBN 0-517-26825-6)

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