Himmelsrichtungen im US-Verkehr

April 2, 2007

In den USA sind Himmelsrichtungen im Verkehr wichtiger als in Deutschland. Es ist nicht selten, dass es im Auto einen Kompass gibt, inzwischen meist elektronisch: Die Fernstraßen (das National Highway System, (NHS) das wir später erklären werden) wurden halt alle mehr oder weniger genau in Nord-Süd- oder West-Ost-Richtung [JPG] gebaut und es ist ein großes Land. Das deutsche System, sich nach größeren Städten zu orientieren, würde nicht funktionieren, weil es einfach zu viele Ortsfremde gibt.

Der interessierte Leser kann ein Gefühl für das Problem entwickeln, wenn er sich das Trucker-Lied „Willin'“ von Lowell George vornimmt, wie es zum Beispiel in dem director’s cut von „Abyss“ (sehr schief) gesungen wird:

And I’ve been from Tucson to Tucumcari
Tehachapi to Tonapah

Viele Deutsche kriegen noch Tucson hin – das liegt, wie uns die Beatles erklärt haben, in Arizona – aber dann wird es schon finster. So etwas auf Verkehrsschildern würde aber auch Leute aus Maine verwirren, ganz zu schweigen von den ganzen Kanadiern, die im Winter in Heerscharen den warmen Südwesten der USA überfallen. Daher gibt man lieber gleich an, in welche Himmelsrichtung eine Straße führt.

Wer mit dem einen System groß geworden ist, hat im anderen Anpassungsschwierigkeiten. Dieser Autor hat die Erfahrung gemacht, dass Deutsche nervös werden, wenn die Zielstadt nicht ständig ausgeschildert ist, möglichst noch 400 Kilometer vorher wie das bei Berlin der Fall ist. „Was weiß ich denn, wo Westen ist“, schimpfte einmal in den USA in seinem Beisein eine Deutsche, die ungenannt bleiben soll.

Umgekehrt denken Amerikaner beim Autofahren in Deutschland auch erstmal in Begriffen wie Norden und Süden, nicht „Richtung Hannover“. Wer nicht vorgewarnt wurde und etwa von Bochum aus nach Ahlen, Westfalen will, schaut sich die Karte an und sagt sich: That’s easy, ‚rauf auf die A40 in Richtung Osten. An der Auffahrt angekommen steht er aber dann vor der Frage, ob von Bochum aus jetzt Essen oder Dortmund im Osten liegt.

Kein Wunder, dass sich Navigationsgeräte so gut verkaufen – in beiden Ländern.

(Dank an Schwesterlein Mein für den Beatles-Hinweis)

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