Ein Kindergeburtstag mit Marshmallows und Sternenreimen

März 14, 2007

Der Geburtstag von Kind Nummer Eins muss als Erfolg gelten: Niemand musste ins Krankenhaus, überhaupt gab es nur wenig Blut und die Katze ist vielleicht taub und ihr Fell auf Tage hin plattgestreichelt, aber sie hat überlebt. Der Teppich im Kinderzimmer ist auch schon wieder sauber und wenn die Gäste erst spät ins Bett gekommen sind, werden sie wegen des Zuckerkomas wenigstens tief geschlafen haben.

Zu den beliebtesten Aktivitäten gehörte das marshmallow roasting. Das hatten wir zu Halloween in unseren Teil der Republik eingeführt – es gehört zwar nicht wirklich dazu, aber apple bobbing wäre eine zu große Schweinerei gewesen. Diesmal gab es sogar den ausdrücklichen Wunsch der Ein-Meter-Fraktion, wieder „Marschmehl“ zu rösten.

Eigentlich sind Marschmallows nur Mäusespeck in Zylinderform, das auf einen Stock gespießt und über ein Feuer gehalten werden. Dort schmelzen sie oder werden zumindest weich, je nachdem, wie lange man sie in die Flammen hält. Die Oberfläche wird braun oder wenn man nicht aufpasst sogar schwarz. Nach ausgiebigem Pusten kann man sie dann essen. Marshmallows sind ungeheuer sättigend, weswegen man sie langsam essen sollte (was Kindern natürlich nicht beizubringen ist). Deutsche kennen das hauptsächlich von den Peanuts, wo Woodstock zu diversen Gelegenheiten den Stock herausholt.

Eignet sich das wirklich für einen Kindergeburtstag? Es ist eine Ermessensfrage, denn schließlich kriegen die Blagen einen Stock und sollen sich einem Feuer nähern. Nach Rücksprache mit der Schönsten Germanin – die so etwas immer lockerer sieht – hatte dieser Autor ausdrücklich nichts versprochen, bis klar war, wie wild die Rasselbande zu (vergleichsweise) vorgerückter Stunde sein würde. Es waren auch genug Erwachsene da, um improvisierte Fechteinlagen zu stoppen. Eine gewisse Vorsicht ist auf jeden Fall geboten.

Und es kam noch zu einer zweiten kulturellen Einlage. In den USA gibt es eine Tradition, dass Kinder beim Erscheinen des ersten Sterns einen Spruch aufsagen:

Star light, star bright
First star I see tonight
Wish I may, wish I might
Have this wish I wish tonight

Den Wunsch darf man natürlich nicht verraten.

Nun ist Kind Nummer Eins noch in dem Alter, wo es kein Problem damit hat, vor einer ganzen Gruppe von Gleichaltrigen aufzustehen und ein Gedicht aufzusagen. Also wurde den anderen Kindern die Sitte erklärt, alle stellten sich im Halbkreis mit dem Gesicht zum Stern auf (eigentlich war es die Venus, aber es funktioniert auch mit Planeten) und lauschten andächtig mit offenem Mund und großen Augen den Worten, die sie natürlich nicht verstanden haben.

Damit ging zumindest der Wunsch der Erwachsenen in Erfüllung: Einen Moment lang war es ruhig.

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