Ein heiseres Wort zur Lautstärke

Februar 17, 2007

Dieser Autor ist verschnupft und kann Nachts nicht schlafen. Eigentlich wäre das eine gute Gelegenheit, den Keller aufzuräumen oder endlich Terry Pratchetts „The Science of Discworld“ zu Ende zu lesen, aber stattdessen findet er sich vor dem iMac wieder und liest Blogs.

Im Doppelpass der Schmetterlingsfrau fand er dabei folgenden Hinweis:

Israel ist sehr laut. Im Restaurant klingt es so, als würden alle toben und streiten – doch das sind nur Unterhaltungen. Nach langer Heimat-Abstinenz ein heimisches [deutsches] Restaurant zu besuchen erzeugt den Eindruck, man befände sich auf der Intensivstation der Sterbeabteilung. Manchmal hört man sogar *pling* eine Gabel erklingen! Wenn ein Kind laut ist, hört man sofort verschämtes Pssst!

Mensch, dachte sich dieser Autor, das ist wie in den USA, da ist es auch laut. Das merkt man schon nach der Ankunft am Flughafen. Eigentlich ist auch Großbritannien laut. In China ist es richtig laut, wie wir seit unserer Hochzeitsreise wissen. Nach Rücksprache mit der viel reisefreudigeren Schönsten Germanin am Morgen bietet sich die umgekehrte Sichtweise an: Die Deutschen sind in der Öffentlichkeit leise.

Stereotyp, aber leider wahr: Am ehesten merkt man das bei den Kindern. Tagsüber gleichen Restaurants in den USA einem Tollhaus. Die Brut rennt zwischen den Tischen herum, schreit, lacht, jubelt, heult und macht eine Unordnung, die die Bedienung dann mit stoischer Ruhe wegwischt. Besonders bei den Ehrenwerten Eltern in Arizona, wo es viele Hispanics mit vielen Kindern gibt, ist das völlig normal. Kinder machen Dreck und Lärm und das ist einfach so. In der Gegend regt man sich eher darüber auf, wie nass Regen ist. Das vergisst man in einer Wüste schon mal.

Natürlich haben die USA ihre Quote an Kinderhassern – die mit den Zahnbürsten an Halloween zum Beispiel. Wer am späten Abend ein Fünf-Sterne-Restaurant mit dress code betritt, will auch nicht unbedingt Kinder sehen. Und dieser Autor erinnert sich bis heute mit großer Dankbarkeit an die Art, wie eine Bedienung in einem Restaurant in Berlin-Dahlem ganz selbstverständlich ein besonders flächendeckendes Orangensaft-Experiment von Kind Nummer Eins wegwischte. Der Trend wird von Einzelfällen überlagert.

Trotzdem muss man sich bei einer US-Reise darauf gefasst machen, dass die Umgebung nichts von der vornehmen germanischen Zurückhaltung hält. Der Trick ist, dies als feature und nicht als bug zu sehen: Es ist erstaunlich, was man bei den Angelsachsen alles für Gespräche belauschen kann.

Wenn man sich nicht ständig die Nase putzen muss, versteht sich.

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